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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Feinstaub: Aktionsplan soll zum Jahresende fertig sein
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Fachleute tun sich schwer mit Datenerhebung
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Feinstaub: Aktionsplan soll zum Jahresende fertig sein

Fachleute tun sich schwer mit Datenerhebung

OSNABRÜCK. Schon 39 Überschreitungstage und kein Ende in Sicht: Bis zum Jahresende will die Stadt Osnabrück einen Aktionsplan zur Feinstaub-Reduzierung vorlegen. Vorschläge dazu hat Umweltminister Hans-Heinrich Sander jetzt auf den Tisch gelegt. Aber die Fachleute tun sich schwer mit der Vielzahl von Daten, die für die Modellrechnungen notwendig ist.

" Wir werden uns damit auseinander setzen", verspricht Umweltdezernent Wolfgang Griesert zum neuen Entwurf eines Aktionsplans aus dem Umweltministerium. Zugleich warnt er vor blindem Aktionismus: Es bringe nichts, auf Verdacht Verkehrsströme zu verlagern, denn dann könne es an anderer Stelle noch heikler werden. Erst eine umfassende Modellrechnung könne Aufschluss geben. Aus diesem Grund kommt in diesen Tagen ein Mitarbeiter des Gewerbeaufsichtsamts Hildesheim nach Osnabrück, um das entsprechende Datenmaterial zu sichten.

" Gibt es Maßnahmen, die wir auch ohne Modellrechnung realisieren können?", fragt Detlef Gerdts, der Leiter des Fachbereichs Grün und Umwelt. Er nimmt gerade an einer Fachtagung des Deutschen Instituts für Urbanistik (DIFU) in Berlin teil, die sich mit dem krebsgefährlichen Feinstaub befasst.

Tempo 30 könnte ein solcher Schritt sein, gibt Gerdts zu bedenken. Die Stadt werde prüfen, welche Konsequenzen sich für den gesamten Verkehrsfluss daraus ergeben.

Umweltzonen, die für Diesel-Autos ohne Rußfilter gesperrt sind, wird es wohl nicht auf die Schnelle geben. Da müsse erst noch die Straßenverkehrsordnung geändert werden, um für jedes Auto eine Plakette vorzuschreiben, sagt Gerdts. Aber auch wenn die rechtlichen Voraussetzungen geklärt sind, könnten Gerichtsentscheidungen die Umsetzung noch eine Weile blockieren, fürchtet der Fachbereichsleiter.

In Berlin wurde auch schon darüber diskutiert, Kaminöfen per Bebauungsplan zu verbieten. Holzheizungen, die wegen der steigenden Energiepreise stark im Kommen sind, stoßen bei unsachgemäßer Handhabung große Mengen Feinstaub aus. " Und sie sind schwer zu kontrollieren", fasst Detlef Gerdts zusammen.

Bei der DIFU-Fachtagung, an der 50 Städte vertreten sind, wird auch diskutiert, Müllfahrzeuge, Busse und städtische Fahrzeuge auf Erdgasbetrieb umzurüsten. Das sei sogar wirtschaftlich, hat ein Mitarbeiter der Stadt Essen vorgerechnet. Obendrein würden zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn Erdgas verursache nicht nur weniger Feinstaub, sondern auch weniger Stickstoffdioxid (NOx). Und die Stickstoffdioxid-Problematik, sagt Detlef Gerdts, " die rollt mit demselben Tempo auf uns zu".

Sanders Aktionsplan Feinstaub

Umweltminister Hans-Heinrich Sander schlägt den betroffenen Großstädten einen Katalog zur Reduzierung der Feinstaubwerte vor. Dazu gehört die Einrichtung von Umweltzonen: Das sind festgelegte Bezirke, die bei Rußalarm nur von schadstoffarmen Fahrzeugen befahren werden dürfen. Für den Lkw-Verkehr sind gebietsbezogene Verkehrsbeschränkungen. Verkehrsleitsysteme und Logistikkonzepte im Gespräch. Verflüssigung des Verkehrs: Durch Verkehrslenkung, Einbahnstraßenregelungen und die Reduzierung des Querverkehrs könnte ein positiver Effekt eintreten. Eine solche Wirkung erhoffen sich die Planer auch von Verkehrsmanagement-Systemen mit Wechselwegweisung, z.B. der Öffnung von Umgehungsstraßen bei hohem Verkehrsaufkommen. Der Ausbau desöffentlichen Nahverkehrs kann zur Feinstaub-Reduzierung beitragen, allerdings sollten die Busse mit Rußfiltern oder Gasantrieb ausgestattet werden. Auch für alle übrigen Fahrzeuge wird eine Emissionsminderung (Partikelfilter, NOx-Reduktion) angestrebt. Tempolimits (z.B. 30km/ h) und verstärkte Geschwindigkeitskontrollen, Grüne Welle und eine Nassreinigung der Straßen werden im Entwurf für den Aktionsplan als " sonstige Maßnahmen" bezeichnet. Hausbrand: An bestimmten Tagen könnte die Verwendung von Festbrennstoffen (wie Holz oder Kohle) untersagt werden, sofern eine andere Heizung zur Verfügung steht. In Neubaugebieten können Einschränkungen für Festbrennstoffe festgelegt werden. Auch Grün am Straßenrand (z. B. Ligusterhecken) hilft gegen Feinstaub, weil es Schadstoffe bindet.

KOMMENTAR

Fangen wir doch an!

Von Rainer Lahhmann-Lammert

Wir können natürlich abwarten, was uns die Feinstaub-Experten raten, wenn sie ihre Modellrechnung fertig haben. Aber noch besser ist es, wir, also Sie und ich, fangen schon einmal an. Das kommt unserer Gesundheit zugute.

Wie war das noch mit dem alten Diesel? Für 800 bis 1000 Euro gibt es Rußfilter zum Nachrüsten, doch keiner kauft sie, weil es für die Dreckschleudern noch keine Fahrverbote gibt. Aber die werden bald kommen. Warum so lange warten?

Fangen wir mit den kleineren Schritten an. Mit dem Rad zur Arbeit fahren oder mit dem Bus. Das bringt bei 1000 Diesel-Pkw schon eine Menge. Aber warum sollten nicht 10.000 oder mehr mitmachen?

Na gut, nicht alle wollen oder können ihr Auto stehen lassen. Aber wenn' s drauf ankommt, hilft schon Tempo 30. Weniger Schadstoffe - das tut uns allen gut!

rll@ neue-oz.de

Nicht sonderlich beliebt sind bei Autofahrern Geschwindigkeitsbeschränkungen zur Feinstaubreduzierung. Dieses Foto wurde in Halle an der Saale aufgenommen.

Krebs erregend: Nur unter dem Rasterelektronenmikroskop ist ein Feinstaub-Rußpartikel zu erkennen.

Foto: ddp
Autor:
rll


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