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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Frauenarbeit missfiel dem Magistrat
Zwischenüberschrift:
Osnabrücks Bürgermeister Stüve warnte vor dem "weiblichen Proletariat"
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Innenstadt

Kein Zuckerschlecken waren im 19. Jahrhundert die Arbeitsbedingungen für Fabrikarbeiterinnen in Osnabrück. Die mechanische Großweberei C.H. Hammersen zählte zu den ersten großen Betrieben in der Stadt, die nach einem zuvor verhängten Verbot durch den Magistrat gegen harte Auflagen Frauen einstellen durften.

In der ersten Hälfte des vorletzten Jahrhunderts war es zuerst die boomende Zigarrenfabrikation in der Hasestadt, die über die männlichen Beschäftigten hinaus Frauen in Arbeit und Brot brachte. Dies missfiel dem Osnabrücker Magistrat aus sittlichen Gründen, was im Herbst 1842 zum generellen Verbot der Beschäftigung von Frauen in den zahlreichen neuen Manufakturen führte.

Die damals geltend gemachten Einwände tauchen erneut in einem späteren Verordnungsentwurf aus dem Jahre 1861 auf. Darin schreibt der Osnabrücker Bürgermeister Carl-Bertram Stüve " über die Beaufsichtigung der Arbeiterinnen in den hiesigen Fabriken": " Das selbständige Leben unter fremden Leuten, der ungehinderte Verkehr mit Mannspersonen und der leichtfertige Ton unter den Fabrikarbeitern enthalten Elemente, denen Frauen nicht ausgesetzt sein sollten."

Weiter macht Stüves Einlassung deutlich, welches Bild man von jungen Frauen aus einfachen Verhältnissen hatte, denen nur Hausmädchenarbeit zugedacht war: " Meistenteils wenden sich diejenigen dahin, denen es lästig ist, als Dienstboten bei guten Herrschaften unter häuslicher Zucht und Ordnung gehalten zu werden."

Daraus könne sich " ein weibliches Proletariat der schlimmsten Art" bilden, warnt Stüve weiter. Da die Webereien, Papier- und Zigarrenmanufakturen bei vollen Auftragsbüchern die kostengünstige Arbeit geschickter Frauenhände auf Dauer nicht missen wollten, verlagerten manche ihre Produktion sogar nach Belm oder Powe jenseits der Stadtgrenze. Das zwang den Magistrat wegen der Steuerausfälle bald zum Umdenken.

Arbeit nur nach penibler Prüfung

Zuvor hatte sich das alte Leinen- und Tuchmacherhandwerk in der Hasestadt den neuen Erfordernissen des Marktes angepasst. Der Osnabrücker Stadtchronist Dr. h.c. Ludwig Hoffmeyer berichtet, dass Christoph Hammersen im Jahre 1858 eine moderne mechanische Weberei an der Holtstraße erbaute, die dann an das Haseufer bis hin zur Möserstraße verlegt wurde.

Ehe sich zu dieser Zeit der Magistrat endlich aufraffte, Frauenarbeit offiziell zu erlauben, wurden gemeinsam mit dem städtischen Gewerberat Verordnungsvorschriften erlassen. Im Ergebnis wurde zum Beispiel Hammersen-Arbeiterinnen nur auf Antrag und nach penibler Prüfung die täglich 12-stündige Arbeit genehmigt. Zur Kontrolle mussten sie Arbeitsbücher führen.

Verheirateten Frauen wurde obendrein die schriftliche Einwilligung ihrer Ehemänner zur Pflicht gemacht. Auch durften aus sittlichen Gründen Frauen und Männer nicht in gemeinsamen Räumen arbeiten. Nach Protesten der Fabrikanten entfiel bald zumindest die diskriminierende Bestimmung, dass sich Frauen vor Arbeitsantritt erst gründlich vom Arzt untersuchen lassen mussten. An ihrem verbrieften Recht, fristlose Entlassungen auszusprechen, hielten die Arbeitgeber aber noch lange fest.

IN DIREKTER NACHBARSCHAFT zum damals neuen Hauptbahnhof ist auf diesem Foto von 1899 ein Teil der mechanischen Großweberei C.H. Hammersen zu sehen (rechts im Bild). Später wurde die Fabrik an die Iburger Straße verlegt (Bild entnommen aus " Alt-Osnabrück", Bd. l, erschienen im Verlag H. Th. Wenner). Foto: Lichtenberg
Autor:
Ullrich Schärf


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