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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Stacheldraht wurde zum Verhängnis
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Gefiederte Patienten: Zwei verletzte Uhus in der Betreuungsstation
Artikel:
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Originaltext:
Stacheldraht wurde zum Verhängnis

Gefiederte Patienten: Zwei verletzte Uhus in der Betreuungsstation

fhv OSNABRÜCK. Die gute Nachricht vorweg: Seit 1985 brütet in Osnabrück wieder der Uhu. Aber in unserer Kulturlandschaft jagt der große Nachtgreif mit Risiko: Gleich zwei schwer kranke Patienten wurden in den letzten Tagen in der Betreuungsstation von Wolfgang Herkt in Hellern aufgenommen. Diagnose: Schwere StacheldrahtverIetzungen mit nachfolgender Wundinfektion.

Das Uhu-Männchen entdeckte eine aufmerksame Gartenbesitzerin im Schinkel, das Weibchen meldeten die Anwohner vom Haster Esch. Beide Großeulen hatten schwerste Verletzungen an den Schwingen, immer durch Stacheldraht: " Die Vögel verheddern sich in den Stacheln und zerreißen dabei die Flughäute", so berichtete Wolfgang Herkt gestern, " und ganz schlimm ist es, wenn sich jetzt im Sommer die Fliegen auf eine solche Wunde setzen."

So ist es leider auch bei den beiden Uhus geschehen, die in den letzten zwei Wochen zu Wolfgang Herkt gebracht wurden. Ihre Wunden waren bereits mit Fliegeneiern und Maden verseucht. Bei dem einen Patienten war die Verwesung sogar schon so weit fortgeschritten, dass die eine Schwinge amputiert werden musste. Zudem hatte sich dieses Männchen auch an beiden Fängen mit Schnüren oder Draht die Muskeln so weit abgeschnürt, dass auch hier offene Wunden entstanden sind.

Viel Arbeit also für Herkt und seine Tochter, die Tierärztin Dr. Birge Herkt. Ärgerlich faucht der Vogel dabei und ballt die nadelspitzen Fänge zusammen, in grellem Orange glühen seine Augen unter den charakteristischen Federbüscheln am Kopf. Denn mehrmals täglich müssen bei den beiden Großeulen die Wunden gereinigt und die Verbände gewechselt werden. Alles in der Hoffnung, dass sich das Gewebe regeneriert und die Uhus die Prozedur auch überleben.

Fünf solch verletzte Uhus sind in den letzten acht Monaten bei Wolfgang Herkt eingeliefert worden, allein vier davon waren Stacheldraht-Opfer.

Deshalb appellierte Herkt eindringlich an die Landwirte: " Stacheldrahtzäune sind ein Anachronismus und sollten aus der Landschaft verschwinden. Die modernen Elektrozäune halten das Vieh doch viel besser."

Ein Erfolg des Artenschutzes

Schon 1985 besiedelte ein Uhu-Pärchen den Piesberg. Seitdem brütet die größte heimische Eulenart regelmäßig dort sowie in letzer Zeit auch in Steinbrüchen in Holsten Mündrup und am Sandforter Berg. Dabei galt der " Vogel des Jahres 2005" lange Zeit als gefährdet: Zunächst im 19. Jahrhundert durch die Jagd und später durch den hemmungslosen Einsatz von DDT, das alle Greifvögel als letztes Glied der Nahrungskette bedrohte. Auswilderungsaktionen seit 40 Jahren kehrten den Trend wieder um.

Wehrhaft ist so ein Uhu, wie die nadelspitzen Klauen und der Krummschnabel zeigen. Mühevoll päppeln Birge und Wolfgang Herkt derzeit gleich zwei Patienten wieder auf.

Foto:
Michael Hehmann
Autor:
fhv


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