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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
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Überschrift:
Die Natur nutzt jede Chance
Zwischenüberschrift:
Dynamikinseln im Vertragsnaturschutz
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Die Natur nutzt jede Chance

Dynamikinseln im Vertragsnaturschutz

OSNABRÜCK. Die Natur nutzt jede Chance, wenn der Mensch sie nur lässt. Der wissenschaftliche Fachbegriff für diese Beobachtung lautet Sukzession. Und beobachten lässt sich das Phänomen in einer Reihe von Dynamik-Inseln in der Region Osnabrück, die von Prof. Herbert Zucchi an der Fakultät Agrarwissenschaften und Landschaftsarchitektur der FH Osnabrück in Haste betreut wird.

Naturschutz in Mitteleuropa will in aller Regel bestimmte Lebensräume oder das Vorkommen von Tieren und Pflanzen erhalten. Erst vor etwa 15 Jahren entstand neuer Ansatz: " Die Einsicht, dass dynamisch ablaufende Prozesse eine Grundeigenschaft aller lebendigen Systeme sind und damit selbst ein Schutzziel darstellen, führte zum Konzept des Prozessschutzes", erläutert Prof. Herbert Zucchi.

Wie solche Dynamikinseln in der domestizierten Kulturlandschaft aussehen können, lässt sich unter anderem in einer früheren Sandgrube in der Nähe von Melle beobachten. Vor geraumer Zeit hat die Stiftung für Ornithologie und Naturschutz (SON) in Melle das knapp sieben Hektar große Gelände angepachtet. Die Sandkuhle war zum Teil wieder verfüllt und dann sich selbst überlassen worden.

Im Lauf der Zeit sind jetzt unterschiedliche feuchte oder trockene Zonen enstanden, auf denen sich die ersten standorttypischen Pflanzen und Tiere angesiedelt haben. Auf trockenen Böden wachsen Ackerhellerkraut, Hirtentäschel und das Ackerstiefmütterchen, in feuchten Arealen Rohrkolben, Sumpfscharfgarbe und die Flatterbinse oder die Knäuelbinse. Und die mageren Areale wurden von der wilden Mohre und dem Johanniskraut oder Flockenblumen besiedelt.

" Langfristig wird sich die Pflanzen-Zusammensetzung allerdings verändern", so erläutert Herbert Zucchi auf der Rückzugsfläche, " wenn sich Pionierbaumarten wie Weide, Eberesche und Birke eingefunden haben, gibt es mehr Schatten auf dem Boden, und dementsprechend folgen Schatten liebende Kräuter des Waldrandes und des Waldes." In hundert Jahren oder später hat sich dann vielleicht ein Buchen- und Eichenmischwald gebildet, so wie er auch langfristig " standorttypisch" wäre.

Die Machbarkeit solcher dynmamischen Wildnisinseln in der Kulturlandschaft zu dokumentieren und zu begleiten ist dabei das Ziel der FH-Studenten um Herbert Zucchi und Diplom-Ingenieur Paul Stegmann. Beispielsweise dokumentieren sie auf Probeflächen die Zusammensetzung der Pflanzenarten und klassifizieren die vorgefundenen " ruderalen Wiesentypen". Oder sie fangen in speziellen Fallen die vorkommenden Laufkäfer: " Gerade diese Tiere sind Indikatoren für Änderungen des Lebensraumes, die sich am Auftreten oder Ausbleiben bestimmter Arten schon sehr frühzeitig ablesen lassen."

Langfristig könnte dieses Monitoring-Programm, das auch von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt gefördert wird, ein ganzes Netz von Trittsteinen für bedrohte Pflanzen und Tierarten in der Kulturlandschaft ergeben.

" Anhand unseres Kriterienkataloges ermitteln wir geeignete Flächen und versuchen, diese für das Programm zu erwerben oder über langfristige Kooperationsverträge zu sichern", kündigte Zucchi an. Und dann könnte auch die Frage aktuell werden, welche langfristigen Wechselwirkungen zwischen " Wildnisinseln" und Kulturlandschaft entstehen können.

Laufkäfer fangen Paul Stegmann. Prof. Herbert Zucchi und Volker Tiemeyer (rechts) auf der Referenzflache dieses Wildnisdynamk-Projekts bei Meile.Foto: Gert Westdörp
Autor:
fhv


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