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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Moderne Architektur mit erdrückender Wirkung?
Zwischenüberschrift:
Anwohner der Krochmannstraße wollen verhindern, dass ihnen die "Leporello-Häuser" vor die Nase gesetzt werden
Artikel:
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Originaltext:
Moderne Architektur mit erdrückender Wirkung?

Anwohner der Krochmannstraße wollen verhindern, dass ihnen die " Leporello-Häuser" vor die Nase gesetzt werden

Von Rainer Lahmann-Lammert

Westerberg

Vier neue Reihenhäuser im topmodernen Design gegen zwei Dutzend Reihenhäuser im Stil der späten 90er: Eine Idee der Stadtplaner bringt Unfrieden in die Siedlung an der Krochmannstraße. Die Anwohner wollen verhindern, dass ihnen die " Leporello-Häuser" vor die Nase gesetzt werden. Nicht wegen der Architektur, wie sie sagen, sondern wegen der " erdrückenden Bebauung".

" Diese Bebauung sticht heraus, sowohl in der Höhe als auch in ihrer Kompaktheit", kritisiert Andreas Hölter, dessen Grundstück direkt an das Plangebiet grenzt. Andreas Kemper, Anwohner und Architekt, hat am Computer simuliert, welche räumliche Wirkung von den Designerhäusern ausgehen würde.

Nach seiner Auslegung der planerischen Vorgaben dürften sie eine Firsthöhe von 12 Metern erreichen. So komme eine erdrückende Wirkung zu Stande, kritisiert Kemper. Aber der Fachbereich Städtebau sieht das anders. " Maximal 10, 60 Meter sind zulässig", sagt der stellvertretende Fachbereichsleiter Thomas Rolf. Falls durch trickreiche Auslegungen eine größere Höhe möglich sei, werde dieses Hintertürchen im laufenden Verfahren geschlossen.

Bis zum 12. Juli läuft die Frist, um Einwände gegen die geplante Bebauungsplanänderung geltend zu machen. Den Anstoß für das Änderungsverfahren hat die Landesbausparkasse (LBS) gegeben. Im vergangenen Jahr suchte sie geeignete Flächen für einen Architektenwettbewerb. Das Ziel: modernes und zugleich preisgünstiges Bauen unter einen Hut zu bringen.

Vom Fachbereich Städtebau kam der Vorschlag, dafür die Fläche zwischen der Krochmannstraße und der Wilhelmstraße ins Auge zu fassen. Auf der Grünfläche, die aus einem Regenrückhaltebecken und einem kleinen Spielplatz besteht, hätten ohnehin vier Reihenhäuser gebaut werden sollen. So steht es im Bebauungsplan Nr. 217, der seit 1994 rechtskräftig ist. Die meisten Anwohner haben davon nichts gewusst. Sie ärgern sich, dass der Spielplatz von der Bildfläche verschwinden soll. " Wohin mit den 50 Kindern?", fragt Helene Dieckmann-Hoffmann. Dass die Stadt eine Ersatzfläche auf der geplanten Trasse der nahe gelegenen Westumgehung vorschlägt, findet sie unbefriedigend.

Die Anwohner aus der Reihenhaus-Siedlung haben unterschiedliche Vorstellungen, ob sie sich nur gegen die " Leporello-Häuser" oder gegen die Bebauung an sich wenden sollen. Konsens ist, dass der Bebauungsplan nicht geändert werden soll. Und falls doch, dann nur um den provisorischen Kinderspielplatz dauerhaft zu sichern.

Im Konflikt geht es aber auch um gekränkten Besitzerstolz. Helene Dieckmann-Hoffmann und ihre Nachbarn fühlen sich beleidigt, weil der " Leporello"- Architekt Oliver Ohlenbusch kürzlich in unserer Zeitung mit der Äußerung zitiert wurde, die Reihenhäuser an der Krochmannstraße gehörten zu den " weniger vorbildlichen Bauten aus den 80er und 90er Jahren".

Ohlenbusch macht jetzt in einem Schreiben an die Anwohner geltend, er sei falsch zitiert worden. Tatsächlich gehe es ihm um einen " städtebaulichen Dialog zwischen den Leporello-Häusern und der vorhandenen Bebauung, der das Areal am Westerberg insgesamt aufwertet". Die neue Architektur biedere sich der vorhandenen Bebauung nicht an, sondern entwickle eine eigene Identität. Was nicht heiße, " dass hier keine gute Architektur besteht", beschwichtigte Ohlenbusch.

STREIT UM DIE ZULÄSSIGE HÖHE: Nach Auskunft der Stadtplaner dürfen die Neubauten an der Krochmannstraße nicht höher als 10, 60 Meter werden. Der Architekt Andreas Kemper, von dem diese Simulation stammt, rechnet jedoch mit 12 Metern Firsthöhe. Carports - wie hier auf der Zeichnung - sind übrigens nicht vorgesehen. Stattdessen sollen die Autos in Erdgeschossgaragen der " Leporello-Häuser" abgestellt werden.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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