User Online: 1 | Timeout: 21:41Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Wagen aus der Hase gezogen
Zwischenüberschrift:
100 Jahre Nahverkehr: Zwei Ehemalige besuchen die neue Werkstatt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wagen aus der Hase gezogen

100 Jahre Nahverkehr: Zwei Ehemalige besuchen die neue Werkstatt

OSNABRÜCK. Viele kennen sie noch, die zwei alten Hasen aus der Werkstatt im ehemaligen " Depot" an der Lotter Straße: Als der 81-jährige Johannes Rühmling und der 75-jährige Günther Kameier die neue Werkstatt auf dem Betriebshof betreten, werden sie herzlich von ihren ehemaligen Kollegen empfangen.

Von den 100 Jahren Nahverkehrsgeschichte haben die beiden fast die Hälfte bei den Stadtwerken mitgeschrieben. In dieser Zeit hat sich nicht nur der Nahverkehr verändert, mit der Übersiedlung an die Alte Poststraße hielt im Oktober auch auf dem Betriebshof die Moderne Einzug.

Viele Anekdoten haben die Ehemaligen parat: zum Beispiel vom Neuanfang nach dem Krieg, als die Briten die Straßenbahn so schnell wie möglich wieder in Betrieb nehmen wollten. " Die Straßenbahnwagen waren alle zur damaligen Endhaltestelle am Schweizerhaus gebracht worden, und über den Arbeitsgruben standen noch die englischen Panzer", erinnern sich die beiden. Zu den ersten Aufgaben der beiden Schlosser gehörte nach Abzug der Briten aus dem Depot die Instandsetzung. " Einen Wagen haben wir sogar noch 1945 oder 1946 aus der Hase gezogen und mühsam wieder flott gemacht", erzählt Kameier, der von 1945 bis 1994 in der Werkstatt arbeitete.

Aus späteren Zeiten ist Johannes Rühmling die aufregende Nachbarschaft in Erinnerung geblieben: " Etwa einmal im Jahr hieß es: Alle raus, bei Hagedorn brennt' s wieder! Dann mussten Mitarbeiter und Fahrzeuge schnellstens in Sicherheit gebracht werden."

Er und sein ehemaliger Kollege denken gerne an ihre Berufsjahre zurück, auch wenn sie nicht vergessen haben, wie hart die Arbeitsbedingungen zu Straßenbahnzeiten noch waren: " Vor allem im Winter haben wir manchmal Tag und Nacht durchgearbeitet, ab und zu in den Fahrzeugen übernachtet und sind morgens dann wieder Einsätze mit dem Salzstreuwagen gefahren, um die Gleise frei zu machen", berichtet Günther Kameier.

Zu der schweren Arbeit kamen die Enge und die Belästigungen durch die ungeliebten vierbeinigen " Mitarbeiter". In der alten Straßenbahnwerkstatt wimmelte es bis zum Umbau 1960 von Ratten. " Eines Tages fuhr ich mit dem Schienenschleifwagen zu einer Baustelle. Auf der Lotter Straße fingen die Passanten auf einmal an zu schreien und liefen weg. Mehr als ein Dutzend Ratten sprangen aus dem Wagen", erinnert sich Rühmling.

Die heutigen Arbeitsplätze in der modernen Werkstatt, die erst im vergangenen Oktober in Betrieb genommen wurde, erscheinen den beiden dagegen direkt komfortabel. Mit einem Blick auf einige Entwerter in der Reparaturwerkstatt erinnert sich Günther Kameier, der sich nach einer Umschulung ab 1958 als Feinmechaniker um Entwerter und Wechselkassen gekümmert hat: " Einige der Geräte waren fast 40 Jahre lang im Einsatz. Welches Teil hält heutzutage noch so lange?"

Zum Abschluss des Rundgangs steigen die beiden alten Hasen noch einmal in die Grube. " Bei dieser Riesenwerkstatt hat der Meister ja gar keine Übersicht mehr", schmunzeln sie mit Blick auf Werkstattleiter Balke, dessen Werdegang sie von Anfang an miterlebt haben. Doch der kontert prompt: " Seit die Mitarbeiter kaum noch in der Arbeitsgrube verschwinden, sondern fast ausschließlich an den modernen Hebestempeln arbeiten, habe ich alles viel besser im Blick!"

Heute und damals: Johannes Rühmling und Günther Kameier (rechts) haben viele Jahre gemeinsam in der Werkstatt der Verkehrsbetriebe gearbeitet. Das Foto rechts zeigt Günther Kameier (in der Grube) 1952 im Kreise seiner Kollegen.


Anfang der Liste Ende der Liste