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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Die Super-Giftpflanze im Blumenbeet
Zwischenüberschrift:
Rizinus als unterschätzte Gefahr: Schon eine Bohne kann ein Kind töten
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
OSNABRÜCK.

Schon ein Samenkorn könnte ein Kind töten. Denn Rizinus, eine Pflanze der Tropen und Sub-tropen, ist zwar hübsch anzusehen, aber auch hochgiftig. Und weil der Rizinus auch in den städtischen Pflanzungen wächst, leben Osnabrücks Kleinkinder derzeit gefährlich.

Die Rizinuspflanzen stehen allerorten in der Innenstadt in Blumenkübeln und auf Pflanzflächen. So rings um die Johanniskirche und an der Johannisstraße, aber auch am Haarmannsbrunnen. Die Pflanzen sind jetzt gut einen Meter groß; mit siebenfach tief eingeschnittenen Blättern und stacheligen hellroten Früchten, in denen jeweils drei bohnenförmige Samenkörner heranreifen.

Und dieser Samen hat es in sich: Neben dem ungiftigen Rizinusöl, das medizinisch als Abführmittel und technisch für Farben, Lacke und Kosmetika verwendet wird, enthält die Frucht auch das hochgiftige Ricin. Nach Fachbüchern und Interneteinträgen schmecken die Rizinusbohnen " haselnussartig", und es folgt der gute Rat " keinesfalls kosten!" Immerhin kann schon der Verzehr von einem Samenkorn zum Tode führen. (Siehe auch " Zur Sache".)

Die städtischen Gärtner geben sich gleichwohl arglos. Der Gartenplaner und Diplom-lngenieur Dietmar Münstermann, der auch in diesem Jahr für die Stadt Osnabrück das ansonsten hochgelobte Konzept der Sommerblumen-Bepflanzung entworfen hat: Ihm sei zwar prinzipiell bekannt, dass Rizinussamen giftig ist. Aber: " Die Dimensionen waren mir so nicht bewusst."

Er habe die dekorative Pflanze hier und da wegen der gewünschten braun-roten Färbung in sein Konzept aufgenommen. Wie viel davon aber im Stadtgebiet wirklich gepflanzt wurden, konnte Münstermann nicht sagen: " Möglicherweise hatte der Anzuchtbetrieb einen Überhang, dann hat die Stadt eben mehr und zu günstigen Konditionen davon bekommen."

Rizinuspflanzen würden schon " seit Jahren" immer mal wieder in den städtischen Rabatten verwendet, berichtete gestern auch Klaus Schröder, Leiter des neuen Eigenbetriebs Grünflächen und Friedhöfe. Er wisse auch um das Giftpotenzial, so Schröder weiter: " Aber viele Pflanzen sind nun mal giftig." Das gelte für die Samen der Kartoffel, für den Ziertabak, für grüne Bohnen und den Knollenblätterpilz auch. " Gefährlich ist nur, was man verwechseln kann." Schröder appellierte gestern zunächst an die Aufsichtspflicht der Eltern. Er gab dann aber auch zu überlegen, ob die Stadtgärtner in den nächsten Tagen die Rizinusfrüchte abschneiden und einsammeln könnten.

KOMMENTAR

Von Frank Henrichvark

Leichtfertig

" Nichts in den Mund stecken und nichts essen, was man nicht kennt! Wie oft und völlig zu Recht haben Eltern ihren kleinen Kindern diesen Grundsatz eingebläut. Denn die Natur hält in Garten, Wiese und Wald vieles bereit, das zwar hübsch anzusehen, aber für die menschliche Ernährung mehr oder weniger geeignet und sogar gefährlich ist.

Aber darf eine Kommune im Vertrauen auf die Aufsichtspflicht der Eltern leichtfertig handeln und das ganze Füllhorn der Natur auf Beeten und Grünflächen ausschütten? Schon werden doch nur noch Kastanienbäume gepflanzt, die keine Früchte tragen: Das Autoblech könnte sonst Beulen bekommen. Wer den giftigen Goldregen, dessen Früchte so fatal wie Erbsen aussehen, auf Kinderspielplätze pflanzt, handelt jedenfalls fahrlässig. Und für den teuflischen Rizinus sollte Gleiches gelten: Die Früchte wachsen in Reichweite eines Kleinkindes, sie sind hübsch bunt gefleckt und schmecken wie Haselnüsse.

f.henrichvark@ neue-oz.de

Supergift Ricin

Die Rizinusbohnen enthalten neben dem begehrten Rizinusöl zu 0.1 Prozent auch das Glykoprotein Ricin. Es ist eines der stärksten bekannten Gifte: Schon zwei Samenkörner können einen Erwachsenen töten. Ricin gilt als chemischer Kampfstoff und machte bereits 1978 Schlagzeilen (" Regenschirmmord"), als der bulgarische Regimekritiker Georgi Markow vom KGB getötet wurde. Zuletzt wurde 2002 mit Ricin ein Giftanschlag auf einen amerikanischen Senator verübt, auch muslimische Fundamentalisten in Großbritannien sollen mit Ricin hantiert haben. Rizinusöl dagegen wird als Abführmittel und technisches Öl für Kosmetika, Farben und Lacke verwendet. Die Presskuchen der Rizinusfrucht werden erhitzt, wobei das Ricin zerfällt und somit unschädlich wird, und dann als Viehfutter verwendet.

Lia locken die roten Blätter der Rizinuspflanze, ihre Mutter zieht sie zurück. Hinten schauen die Geschwister Kira (9) und Timo (6) zu. Foto: Jörn Martens
Autor:
fhv


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