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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Geteilte Meinungen zum Lärmschutz
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Anwohner beschweren sich in der Wüste - Lob aus dem Widukindland
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Originaltext:
Geteilte Meinungen zum Lärmschutz

Anwohner beschweren sich in der Wüste - Lob aus dem Widukindland

Von Marie-Luise Braun

OSNABRÜCK. Seit Anfang November wird entlang der Schienen in der Wüste und im Widukindland kräftig gebaut. Vor allem nachts und an den Wochenenden errichten Bauarbeiter Lärmschutzwände. Jetzt stehen einige der Wände. Aber nicht alle Anwohner sind vom Ergebnis begeistert.

Dr. Christiane Kollenberg wohnt in der Spichernstraße, zu der parallel Gleise verlaufen. Hier steht seit kurzer Zeit eine der Lärmschutzwände, aber: " Es ist genauso laut wie vorher", beschwert sich die Lehrerin. Was sie in der dritten Etage feststellt, empfindet Wiebke Berner in ihrer Erdgeschosswohnung genauso: " Es ist definitiv kein Unterschied."

Als ein Güterzug am Haus vorbeifährt, muss in der Küche von Christiane Kollenberg lauter gesprochen werden. " Im Garten kann man dann gar nicht telefonieren", sagt Berner genervt.

" So laut ist es zum Glück nur bei den alten Güterzügen", erklärt die Anwohnerin. Bei modernen Zügen sei der Lärm nicht so groß. " Vor allem bei Zügen der Nordwestbahn", betont sie.

Die beiden Anwohnerinnen der Spichernstraße zweifeln den Sinn der Lärmschutzwände auch aus einem anderen Grund an: " Es ist ja überhaupt nichts gemessen worden für das Gutachten", weiß Kollenberg. Sie hat sich im Internet über die Vorgehensweise informiert.

Noch Lücken

Die Lärmschutzwand ist nicht ganz geschlossen: Auf der Eisenbahnbrücke über die Sutthauser Straße steht keine Wand. Die Brücke steht in direkter Nachbarschaft des Wohnhauses von Kollenberg und Berner: Besonders laut wird es, wenn Züge vom Hauptbahnhof über die Brücke hinweg in Richtung Münster vorbeifahren.

Aber auch in der Gegenrichtung sei kaum ein Unterschied festzustellen, meinen die beiden. Ob und wann die Lücke geschlossen werden soll, wissen die Frauen nicht. Auch das ist ein Punkt, der sie verärgert: " Wir sind nicht von der Bahn informiert worden, wann was passiert." Ihre Informationen hätten sie lediglich aus der Zeitung. Weder wann die Wände fertig sein sollten noch wann nachts gebaut werde, hätten sie von der Bahn erfahren.

Wurfpost

Udo Kampschulte, Pressesprecher der Deutschen Bahn, sagt hierzu: " Grundsätzlich informieren wir die Anwohner per Wurfpost." Bei der letzten Wochenend-Maßnahme habe die Bahn allerdings erst so spät das O.K. der Stadt zur Straßensperrung erhalten, dass die Zeit dafür nicht ausgereicht habe.

Zur Erstellung des Gutachtens sagt er, dass dafür grundsätzlich nicht gemessen werde, denn das sei zu ungenau. Zu zahlreich seien die Faktoren, die die Messung jeweils beeinflussten: " Wind, Regen, Schnee, Art des Zuges", beginnt Kampschulte aufzuzählen.

Aus diesem Grund werde ein Berechnungsprogramm verwendet, das stets von den schlechtesten Umständen ausgehe. " In der Wirklichkeit ist es immer leiser", sagt der Pressesprecher.

" Es wird leiser"

Nach seinen Informationen sollen die Arbeiten Ende Oktober vollendet sein. Das gelte auch für die Brücke über die Sutthauser Straße, die Lärmschutzwände erhalte. Die gesamte Bauaktion kommentiert Kampschulte folgendermaßen: " Durch die Wände wird es leiser, aber nicht himmlisch ruhig."

Begeistert von den Maßnahmen ist Monika Fittkau. Sie wohnt am Teutonenweg im Widukindland, der direkt an Bahnschienen liegt. Auch hier wurde eine Lärmschutzwand errichtet. " Das hat ' ne Menge gebracht!", freut sich Fittkau.

" Als es kürzlich so heiß war, konnten wir sogar bei gekipptem Fenster schlafen." Vorher sei das nicht möglich gewesen: " Da fuhr der Güterzug durchs Schlafzimmer", erinnert sie sich.

Wände, so weit das Auge reicht: Eine Lärmschutzwand verläuft quer durch den Stadtteil Widukindland. Vom Resultat zeigen sich manche Anwohner begeistert: " Die Wand hat' ne Menge gebracht", schwärmt Anwohnerin Monika Fittkau über die wiedergewonnene Ruhe in ihrer Wohnung.
Foto: Thomas Osterfeld

Die Wand bringt nichts, meinen Dr. Christiane Kollenberg und Wiebke Berner (v. l.) aus der Wüste.
Foto: Thomas Osterfeld

Schutzwände

Als " hoch belastet" wurden die Bahnstrecken durch die Stadtteile Widukindland. Kalkhügel und Wüste zu Beginn der Planungen bezeichnet. Das ergab ein Lärmgutachten, das das Ingenieurbüro Bonk- Maire-Hoppmann aus Hannover im Auftrag der Bahn erstellt hatte. Die Folge: Durch die Stadtteile Kalkhügel und Wüste sollten entlang der Nordseite der Gleise auf einer Strecke von 1760 Metern Lärmschutzwände errichtet werden, auf der Südseite über 1400 Meter. Im Widukindland sollten, um den Lärm zu mindern, zwei Südwände von 1145 Meter und 920 Meter Länge sowie eine Nordwand über 530 Meter aufgestellt werden.

In sechs Abschnitten wurden die Wände errichtet, die fehlenden Strecken sollen bis Ende Oktober stehen. Die Kosten für den Bau gibt die Bahn mit 5.5 Millionen Euro an.

Die Lärmschutzwände sind Teil eines Lärmsanierungsprogramms an bestehenden Schienenwegen des Bundesministeriums für Verkehr. Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Seit 1999 stellt das Ministerium dafür jährlich rund 100 Millionen Mark bzw. 51 Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem Programm sollten zunächst " Lärmschutzmaßnahmen für Härtefälle an bestehenden Schienenstrecken durchgeführt werden". Inzwischen hat das Ministerium zusammen mit der Bahn eine Gesamtkonzeption für die Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen entwickelt. Diese enthält Maßnahmen des aktiven Lärmschutzes wie die Errichtung von Lärmschutzwänden oder - wällen. Außerdem gibt es den passiven Lärmschutz an Häusern, beispielsweise den Einbau von Schallschutzfenstern.

An den Kosten des passiven Lärmschutzes müssen sich die Anwohner mit 25 Prozent der Kosten beteiligen.
Autor:
Marie-Luise Braun


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