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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der Beweis: Fußabdrücke waren nur ein Schabernack
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Johannissteine auf dem Piesberg: Rätsel um Einmeißelungen gelöst; Von den Nazis verherrlicht: Die Johannissteine und der Butterstein
Artikel:
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Originaltext:
Der Beweis: Fußabdrücke waren nur ein Schabernack

Johannissteine auf dem Piesberg: Rätsel um Einmeißelungen gelöst

Von Rainer Lahmann-Lammert

OSNABRÜCK. Der große Unbekannte hatte mindestens Schuhgröße 46, aber wann hat er gelebt? Über die rätselhaften Einmeißelungen auf den Johannissteinen wurde stets gelächelt. Aber es fehlte der Beweis, dass es sich um einen Schabernack handelte. Dabei gibt es diesen Beweis seit 1977.

Es war Pfingsten 1925, vielleicht auch ein Jahr früher oder später, da stiegen drei männliche Gestalten auf den Nordhang des Piesberges und hinterließen mit Hammer und Meißel die geheimnisvollen Spuren, zwei stattliche Fußabdrücke und mehrere Löcher.

Bei den Johannissteinen handelt es sich um eine Felsformation, die Geologen Einblicke in die Saalekaltzeit gestattet. Dieses Fenster in die Erdgeschichte ist als Naturdenkmal vom Gesteinsabbau verschont geblieben. In jeder Beschreibung werden die ominösen Fußspuren erwähnt. Prof. Hartmut Peucker, der die Naturdenkmale in Osnabrück besehrieben hat, ahnte von einem Schabernack in den 20er Jahren und tippte auf Steinbrucharbeiter als Urheber. Damit war er schon nah dran an dem Geheimnis, das der Pyer Ortsbürgermeister Josef Thöle jetzt gelüftet hat.

Thöle, der die Johannissteine über den Piesberger Rundwanderweg besser zugänglich machen möchte, bekam vom Stadt- und Kreisarchäologen Bodo Zehm den entscheidenden Hinweis. Es handelt sich um das " Bekennerschreiben" eines älteren Mannes aus Haste vom 14. Februar 1977. Franz R. (vollständiger Name der Redaktion bekannt) erklärt darin, dass sein Vater und sein Onkel in seinem Beisein die sonderbaren Zeichen in den Fels graviert haben: " Mit den Einmeißelungen sind sowohl die acht Löcher, die die Figur des Sternbildes . Großer Wagen' zeigen, als auch die nebeneinander liegenden Fußspuren und die rundliche, schalenartige Vertiefung gemeint."

" Wahrheitsgemäße Erklärung" steht über dem Schreiben, in dem Franz R. 1977 die Entstehung der Einmeißelungen beschrieben hat.

Franz R. beschreibt, dass er in der fraglichen Nacht selbst Reisig für ein Feuer gesammelt habe, " das wir anschließend über den Einmeißelungen angezündet haben, damit die Steine ' schwitzten' und die Darstellungen alt wirkten".

Und warum der ganze Jokus? Auch darauf geht Franz R. ein: Sein Onkel, ein Lehrer aus Hardensetten bei Laer, habe nach seiner Pensionierung ein Märchenbuch schreiben wollen. Die selbst inszenierten Spuren auf den Johannissteinen seien für ihn der Aufhänger gewesen. Doch aus dem Buch sei dann nichts mehr geworden.

Franz R. geht auch darauf ein, warum er nicht früher mit der Wahrheit herausgerückt ist: Während der Nazizeit seien die Einmeißelungen entdeckt und in Zeitschriften veröffentlicht worden. Da, schreibt er, " haben wir es aus Angst unterlassen, auf die wirkliche Entstehung hinzuweisen". Mit der Folge, dass jahrzehntelang über die Johannissteine gerätselt wurde. Und wenn die Archäologen das Dokument nicht herausgerückt hätten, wäre sicherlich noch lange über die Spuren spekuliert worden.

Von den Nazis verherrlicht: Die Johannissteine und der Butterstein

Von verschiedenen Seiten wurde den Johannissteinen am Piesberg eine besondere kulturhistorische Bedeutung zugesprochen. Dass sich im Gestein zwei Fußspuren und eine eingemeißelte Schale ausmachen lassen, führte zu der Spekulation, es habe sich einmal um eine altgermanische Opferstätte gehandelt, an der die Sommersonnenwende gefeiert wurde. Die Osnabrücker Nationalsozialisten verherrlichten den Ort als " Kultstatte aus grauer Vorzeit" und nutzten die Johannissteine als Schauplatz für Aufmärsche und pathetische Inszenierungen. Etwas Besonderes sind die Johannissteine in geologischer Hinsicht: Wahrend der Piesberg aus Karbonquarzit besteht, ist die inzwischen stark zugewachsene Steintafel ein Konglomeratgestein (Sandstein), das während der Saalekaltzeit (297 000-128 000 v. Chr.) aus unteren Erdschichten nach oben geschoben wurde.

Fußeinmeißelungen wie an den Johannissteinen finden sich auch auf dem Butterstein am Gattberg in Belm-lcker. Auch sie sollen von den örtlichen Nazis als Kultstätte gefeiert worden sein, sagt der Stadt- und Kreisarchaologe Bodo Zehm. Allerdings ist ihm über die Entstehung der Einmeißelungen nichts bekannt.( ack)

Geheimnis gelüftet: die Johannissteine auf dem Piesberg. hier ein Archivfoto von 2006 bei einem Termin mit Pyes Ortsbürgermeister Josef Thöle ( Mitte).
Fotos: Hermann Pentermann

Auf großem Fuß: Diese Einmeißelungen auf den Johannissteinen gaben Heimatforschern jahrzehntelang Rätsel auf.
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert, ack


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