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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Vögel bekommen schon im Winter Frühlingsgefühle
Zwischenüberschrift:
Klimawandel: Rotkehlchen und Co. singen viel früher
Artikel:
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Originaltext:
Vögel bekommen schon im Winter Frühlingsgefühle

Klimawandel: Rotkehlchen und Co. singen viel früher

Osnabrück Es wird wärmer, daran besteht kein Zweifel: In den letzten 100 Jahren stieg die Durchschnittstemperatur weltweit um rund 0, 7 Grad Celsius. Die Tierwelt passt sich an. Die Rotkehlchen in Osnabrück zum Beispiel beginnen inzwischen über einen Monat früher mit ihrem Frühlingsgesang.

Die Wetterwarten melden regelmäßig Rekordtemperaturen, die oft weit über den Höchsttemperaturen seit Beginn ihrer Wetteraufzeichnungen liegen. Seit den 1980er Jahren erwärmt sich die Erdatmosphäre schneller. 1990 und 1995 waren weltweit bisher die wärmsten Jahre. Das Abschmelzen von Gletschern und den Eismassen der Pole, die Zunahme von Sturmkatastrophen, Rekordüberschwemmungen und Dürreperioden sind Ereignisse, die davon zeugen, dass sich das Klima wandelt.

Trotz des scheinbar geringen Temperaturanstiegs: Die Klimaveränderung wirkt sich spürbar auf Tiere und Pflanzen aus. Bei vielen Vogelarten treten Veränderungen im Zugverhalten, bei den Zugzeiten und in der Fortpflanzungsbiologie auf. Manche Arten erweitern ihre Brutareale nach Norden, andere verschieben sie in immer höhere und kühlere Lagen.

Auch in Osnabrück stieg die Temperatur

In Osnabrück stieg die Jahresdurchschnittstemperatur zwischen 1975 und 2003 von 9, 1 auf 9, 9 Grad. Insbesondere die Jahre 1999 und 2000 waren jeweils mit 10, 7 Grad ungewöhnlich warm. Vor allem trugen die sehr milden Winter zum Anstieg der Durchschnittstemperatur bei, die Sommer blieben mäßig warm.

Dauerbeobachtungen an Vögeln, wie sie seit 1976 in Osnabrück von Dr. Gerhard Kooiker durchgeführt werden, passen in dieses Bild. Der Ornithologe notiert nunmehr seit 28 Jahren den Erstgesang, die Erstankunft und den Brutbeginn von ausgewählten Vogelarten des Siedlungsraumes und der angrenzenden Wälder und Felder. Die Daten werden vor der Haustür, im Garten sowie auf allen täglichen Wegen in und um Osnabrück gesammelt.

Innerhalb dieser 28-jährigen Periode sind bei einer ganzen Reihe von Vogelarten bei Gesangsbeginn, Heimzug und Bruttermin zum Teil beträchtliche zeitliche Veränderungen eingetreten: So hat sich bei sieben von zwölf untersuchten Standvogelarten der Gesangsbeginn verfrüht, von vier bis zu 35 Tagen. Hier ragt das Rotkehlchen mit 35 Tagen hervor. Bei drei Arten ist der Gesangsbeginn etwa gleich geblieben, und nur Türkentaube und Goldammer begannen fünf bis acht Tage später zu singen. Bei Tauben, Meisen, Zaunkönigen und Rotkehlchen sowie bei Amseln, die in der Innenstadt leben, erlischt der Herbstgesang in milden Wintern oft nicht und geht mehr oder weniger in den Frühjahrsgesang über.

Auch der Heimzug hat sich bei den meisten Arten verfrüht: Von 30 ausgewählten Zugvögeln zogen 20 Arten nachweislich drei bis maximal 21 Tage früher nach Hause. Bei sechs Arten war der Termin gleich geblieben, und nur vier Arten kamen 4 bis 17 Tage später. Die frühere Rückkehr wurde bei ganz verschiedenen Arten wie Kranich und Rotmilan sowie bei Wat- und Singvögeln festgestellt. Weiter belegen die Daten, dass überwiegend Kurz- und Mittelstreckenzieher, die in Südeuropa und Nordafrikaüberwintern, zum Beispiel Mönchsgrasmücke, Kiebitz, Flussregenpfeifer, Zilpzalp und Misteldrossel, daran beteiligt sind. Die untersuchten Langstreckenzieher, die meist südlich der Sahara überwintern, reagierten auf die Klimaerwärmung entweder gar nicht oder nur mit einer geringen Verfrühung des Heimzuges um wenige Tage.

Der frühere Gesangsbeginn und die frühere Ankunft blieben nicht ohne Folgen: Bei allen fünf untersuchten Vogelarten, bei Stockente, Kiebitz, Amsel, Kohl- und Blaumeise, ließ sich auch eine Vorverlegung des Bruttermins um elf bis 18 Tage nachweisen.

Veränderungen sind kaum vorhersagbar

Sollten die beobachteten Vogelarten in den nächsten Jahrzehnten weiterhin immer früher brüten, könnte dies zu einer Steigerung der Fortpflanzungsrate führen. Die Vögel haben dann mehr Zeit, um Zweit- und Ersatzgelege zu produzieren. Denkbar wäre auch eine Änderung im Zugverhalten der Kiebitze hin zu wenig oder nicht ziehenden Vögeln, wie Wissenschaftler bei der Mönchsgrasmücke und beim Haubentaucher nachgewiesen haben.

Die ganze Bandbreite der Auswirkungen des veränderten Verhaltens bei Vögeln ist kaum vorhersagbar. Zur Klärung möglicher Folgen der globalen Klimaveränderung für Vögel sind langfristige Felduntersuchungen weiterhin unabdingbar.

DAS ROTKEHLCHEN passt sich an die veränderten Temperaturen an. Es beginnt mit dem Balzgesang viel früher.
Autor:
gk


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