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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Die Behandlung der städtischen Abwässer in Osnabrück
Artikel:
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Originaltext:
In den letzten Jahren ist in verschiedenen Veröffentlichungen der Presse u. a. die Anregung gegeben worden, gelegentlich der geplanten Erweriterung der Abwässerreinigungsanlage auch die Frage zu prüfen, ob es möglich sei, die Abwässer der Stadt Osnabrück landwirtschaftlich nutzbar zu machen und sie auf diese Weise im Interesse der Förderung der Landeskultur zu verwerten. Es soll deshalb über den Stand der Angelegenheit in Nachstehendem eine zusammenfassende Darstellung gegeben werden.
Die gesamten Abwässer von rund 81 000 Einwohnern der Stadt Osnabrück werden in der unterhalb der Papierfabrik Brüder Kämmerer gelegenen, im Jahre 1912 in Betrieb genommenen Kläranlage gereinigt. Diese Reinigung geschieht mit Hilfe einer Windschildschen Siebtrommel, die alle festen ungelösten Stoffe von über 2 Millimeter Größe absiebt. Die Abwässer der restlichen Einwohner in dem Stadtteil Eversburg und in den Randgebieten werden noch in Gruben gesammelt.
Da die Reinigung städtischer Abwässer mittel einer Siebtrommel sich zur Zeit in mehreren großen deutschen Städten, z. B. auch in Mainz und Trier, gut bewährt hatte, wurde diese Reinigungsart vom Stadtbauamt in dem Kanalisationsprojekt von 1910/ 1911 vorgesehen und von der Landespolizeibehörde 1912 genehmigt.
Im Laufe der nachfolgenden Jahre ist infolge des weiteren Ausbaus der Kanalisation und der wachsenden Zahl der an die Kanalisation angeschlossenene Hausentwässerungen das Verhältnis der Abwässermenge zu der Wasserführung des als Vorfluter dienenden Haseflusses ungünstiger geworden. Es war aus finanziellen Gründen auch nicht möglich, das bestehende Mischsystem planmäßig in dem vorgesehenen Umfange nach dem Trennsystem umzubauen. Hauptsächlich durch die vermehrte Zuleitung von Industrieabwässern neben den städtischen Abwässern nahm in den nachfolgenden Jahren die Selbstreinigungskraft des Haseflusses zeitweise erheblich ab, wie noch aus den warmen Sommermonaten der letzten Jahre erinnerlich ist.
Schon bald nach dem Kriege stellte sich die Notwendigkeit heraus, die bestehende Kläranlage durch entsprechenden Ausbau den erhöhten Anforderungen an die Reinhaltung des Haseflusses anzupassen. Im Jahre 1921 wurde vom Stadtbauamt ein Projekt ausgearbeitet, daß die Beseitigung der vorhandenen Absiebanlage und deren Ersatz durch sogenannte Absitzbecken (Durchflußbecken) vorsah. Dieser Plan ist glücklicherweise nicht zur Ausführung gekommen. Wir sagen glücklicherweise, denn in den nun folgenden Jahren haben gerade auf dem Gebiete der Abwasserreinigung durch die erfolgreiche Forschungsarbeit unserer Abwasserforscher derartige Umwälzungen stattgefunden, daß die nach dem damaligen Stande der Abwassertechnik gebauten Anlage weitüberholt sind und, wie die Beispiele vieler Städte zeigen, umgebaut werden mußten.
Im Jahre 1927 ist dann durch das Stadtbauamt ein neuer Plan über den weiteren Ausbau unserer Kläranlage aufgestellt und von den Städtischen Kollegien grundsätzlich genehmigt worden. In diesem Projekt sind die neuesten Erfahrungen der Abwässertechnik berücksichtigt. Seine Durchführung, die bei der gegenwärtigen Finanznot allerdings noch nicht in Frage kommen kann, würde das gewollte Ziel erreichen und den Anforderungen entsprechen, die an unseren Hasefluß in hygienischer und wirtschaftlicher Beziehung gestellt werden müssen. Das Projekt sieht vor:
1. eine grobe Vorreinigung der Abwässer mittels Rechen:
2. eine Vorreinigung mittels zweistöckiger Emscher Brunnen (so genannt nach ihrer ersten Anwendung durch die Emscher Genossenschaft) und nachgeschalteten Nachfaulbehältern;
3. eine künstlich biologische Nachreinigung mittels Tauchkörper.
Diese künstliche biologische Reinigung leistet auf engbegrenztem Raum dieselbe Arbeit wie Rieselfelder oder wie Flüsse mit ausreichender Wasserführung auf längeren Strecken. Es liegt die Absicht zugrunde, von diesem Entwurf zuerst die mechanische Vorreinigung zur Ausführung zu bringen. Die geplante künstliche biologische Reinigung soll erst zurückgestellt, und es soll zuerst in einer kleinen Versuchsanlage der Charakter und das Verhalten des Abwassers gegenüber den verschiedenen künstlichen biologischen Reinigungsverfahren untersucht werden.
Das Projekt ist von dem bekannten Abwasserfachmann und Geschäftsführer des Ruhrverbandes Dr.-Ing. Imhoff und der Preußischen Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene in Berlin-Dahlem begutachtet und durchaus gut beurteilt worden. Auch hat inzwischen der Bezirksausschuß die erforderliche Verleihung des Rechts zur Einleitung der nach dem Plan gereinigten Abwässer in die Hase ausgesprochen
Infolge der geplanten künstlichen biologischen Reinigung würden wertvolle Dungstoffe, die in dem Abwasser enthalten sind, verloren gehen. Es ist daher, wie bereits anfangs dargelegt, seit längerer Zeit der Gedanke propagiert, statt der vorgesehenen künstlichen biologischen Reinigung die grob vorgereinigten Abwässer auf Rieselfelder zu reinigen und auf diese Weise die Dungstoffe der Landwirtschaft nutzbar zu machen. Insbesondere hat sich der Kreis Tecklenburg darum bemüht, die magerenÖdlandflächen des Haler und Seester Feldes unter Ausnutzung der städtischen Abwässer in fruchtbares Kulturland zu verwandeln. Da es sich hier um Hebung der Landeskultur und um Fragen von errheblicher volkswirtschaftlicher Bedeutung handelt, ist diese Frage von den hierfür in Frage kommenden Stellen einer eingehenden Prüfung unterzogen; auch das Stadtbauamt hat die technische Möglichkeit dieser Frage untersucht.
Besondere Schwierigkeiten ergaben sich bei der Frage nach der Art des Transportes des Abwassers nach dem Haler Feld. Eine Druckrohrleitung für die ganze rund 9, 15 Kilometer große Strecke kommt wegen der außergewöhnlich hohen Bau- und Betriebskosten nicht in Frage. Die Schwierigkeit kann aber dadurch überwunden werden, daß das Abwasser von der bestehenden Kläranlage abwärts bis Halen in einem offenen Gerinne geführt und nur von HAlen aus zum Haler Feld mittels eines Pumpwerks gedrückt wird. Das offene Gerinne bietet nach den Vorteil, daß die unterwegs anliegenden Wiesen mit dem Abwasser berieselt werden können.
Die Verwertung der Abwässer und die erforderliche technische Einrichtung auf dem Haler und Seester Feld selbst würde Sache einer zu bildenden Genossenschaft sein. Vorbedingung für die Durchführung des Projektes würde naturgemäß sein, daß durch die Berieselung der gleiche Kläreffekt erzielt und der Hase ein ebenso weitgehend gereinigtes Abwasser zugeführt wird, und daß der Stadt bei der Durchführung keine höheren Kosten erwachsen als bei der von ihr geplanten Anlage.
Der für diese Frage in erster Linie interessierte Kreis Tecklenburg hat sich unter Verwertung der vom Stadtbauamt aufgestellten Unterlagen mit dem Projekt eingehend beschäftigt. Bei der derzeitigen wirtschaftlichen und finanziellen Lage hat jedoch der Kreis Tecklenburg die Untersuchungen und Verhandlungen bis auf weiteres eingestellt. Hoffen wir, daß bald bessere Zeiten kommen und die so unterbrochene Förderung dieses für die Landeskultur bedeutsamen Planes aufgenommen werden kann.


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