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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Im Hotelschiff zum Piesberg?
Zwischenüberschrift:
TUI will die Buga vermarkten, wenn das Konzept stimmt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Im Hotelschiff zum Piesberg?

TUI will die Buga vermarkten, wenn das Konzept stimmt

hin OSNABRÜCK.
Das Touristikunternehmen TUI ist grundsätzlich bereit, die Bundesgartenschau 2015 in Osnabrück international zu vermarkten. Der Piesberg biete " Themen und Geschichten, die einzigartig sind", sagte Volker Kevin Capito, TUl-Projektmanager, vor dem Buga-Lenkungsausschuss.

Den Kontakt zu TUI hatte Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip geknüpft. Fip führte im Februar den Vorstandsvorsitzenden der TUI AG, Dr. Michael Frenzel, durch den Piesberg. Dieser war so begeistert, dass er eine Projektgruppe auf das Thema ansetzte, die jetzt einen Ideen- und Anforderungskatalog vorlegte.
Vermarktung: Der Konzern sieht im Piesberg genug Potenzial, um über die Buga hinaus zu einem touristischen Ziel zu werden, das sich international vermarkten ließe. TUI wäre bereit, Osnabrück in den Katalog für Städtereisen aufzunehmen und Arrangements anzubieten. Die Pakete würden die Eintrittskarte, Übernachtungen und weitere Leistungen in Osnabrück und/ oder im Umkreis von 100 Kilometern umfassen.
Gastronomie: Hotels und Gastronomie müssen mit dem Reiseveranstalter kooperieren, Provisionen gewähren und dürfen Direktkunden keinen Preisvorteil bieten. Auf keinen Fall dürfe sich der Fehler der Expo wiederholen, als Hotels mit aberwitzigen Aufschlägen die Kunden verprellt hätten, sagte Capito. Er lässt zurzeit prüfen, ob Hotelschiffe den Stichkanal passieren könnten. Alle größeren Veranstaltungen, Messen, Ausflugsziele, Museen und andere publikumswirksame Einrichtungen müssten ihre Angebote auf die Buga abstimmen.
Veranstaltungen: Eine Gartenschau kommt ohne eigene Großveranstaltungen nicht aus. Capito spricht von " Regel-Events" und " Sonder-Events". Ein Regel-Event könnte zum Beispiel der sonntägliche ZDF-Fernsehgarten sein, live von der Buga aus dem Piesberg während der ganzen Laufzeit der Gartenschau. Der TUI-Manager geht von zusätzlich acht Sonder-Events aus, einschließlich Eröffnungs- und Schlussfeier. Es wären Sonderveranstaltungen der Top-Kategorie: Capito scheut sich nicht, über " Wetten, dass..?" und Konzerte internationaler Superstars zu reden. Denn der Piesberg ist für ihn " eine ganz tolle Open-Air-Bühne".
Nachnutzung: Capito legt besonderes Augenmerk auf die Nachnutzung: " Wenn ich eine Seilbahn bauen will, ist das sicher schön für die Buga. Aber was kann ich danach mit der Bahn machen?" Alle Einrichtungen müssten daher " kompromissfähig angelegt werden", wie derTouristikexperte es formulierte. Mit anderen Worten: Alles muss danach brauchbar sein. Und wieder bemühte er das Beispiel Expo: Von der Weltausstellung sei heute nicht viel übrig.
Sponsoring: Themen biete der Piesberg reichlich: Energie, Umwelt, Müll. Das Ensemble mit Steinbruch, Museum, Kanal und Mülldeponie sei " einzigartig" und " unnachahmbar". Deshalb werde es möglich sein, mit eine Buga-Thema " Synergieunternehmen" als Sponsoren zu finden, die die Buga als Bühne für sich nutzen würden. Capito zählte potenzielle Partner auf wie die Bahn, den Energievorsorger E.on oder adidas. Warum sollte es nicht einen " adidas-Buga-Marathon" geben?, fragte Capito.
Vor allem der Müll hat es dem TUI-Manager angetan. Er könnte sich vorstellen, einen transparenten Tunnel durch die Deponie zu graben, um sichtbar zu machen, was aus dem Müll nach Jahren und Jahrzehnten der Zersetzung geworden ist. Der Piesberg wäre attraktives Ziel von Studien- und Seminarreisen für Politiker, technische Verbände, Umwelt- oder Friedensgruppen.

Zeitplan: Capito drückt aufs Tempo: Bis Ende des Jahres sollten Themen und Konzepte für die Buga und die Zeit danach parat liegen. TUI sei bereit, bei der Konzeption mitzuwirken. Bis 2008 soll nach seinem Zeitplan das Konzept ausgereift sein. Das ist der Zeitpunkt, an dem auch das Land über die Höhe der finanziellen Beteiligung entscheiden will. Anschließend müssten die Sponsoren (" Synergieunternehmen") vertraglich gebunden werden. Bis 2013 soll nach diesem Zeitplan die Detail-, Einkaufs- und Budgetplanung abgeschlossen sein und mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ab 2013 könnte die Buga Osnabrück in den TUI-Katalogen auftauchen.

Capito beschloss seinen Vortrag mit dem Kapitel " Allgemeine Hinweise". An erster Stelle: " Keine Idee kann noch so abwegig sein, als dass sie nicht diskutiert werden sollte." Und Satz zwei: " Visionäre kennen keine Kosten, trotzdem werden Visionen Wirklichkeit."

Vision für die Buga: Die TUI lässt prüfen, ob Hotelschiffe am Fuße des Piesberges festmachen könnten. (Das Foto zeigt das Flusskreuzfahrtschiff " Frederic Chopin" auf dem Mittellandkanal in Hannover). Foto: dpa

KOMMENTAR

Von Wilfried Hinrichs

Hohe Ansprüche

Es wäre ein Meilenstein auf dem Weg zur Buga, wenn es Osnabrück gelänge, den Touristikkonzern als Partner zu gewinnen.

Allerdings hat TUI nicht nur hohes Interesse, sondern auch hohe Ansprüche. Die Vorleistungen, die das Unternehmen von Stadt, Region und Wirtschaft erwartet, erreichen eine Größenordnung, in der die Buga-Planer bislang nicht zu denken wagten. Und das ist noch vorsichtig ausgedrückt. Auch die Risikoverteilung scheint eher einseitig zu Lasten der öffentlichen Hand und Wirtschaft zu gehen.

Aber: Sind die TUI-Ideen wirklich so abwegig, wie sie auf den ersten Blick erscheinen mögen? Es geht um mehr als Fernsehshows, " Müll-Tourismus" oder Hotelschiffe. Es geht um die wirtschaftliche Zukunft und den Strukturwandel. Der Tourismus ist ein Sektor, in dem neue Arbeitsplätze entstehen können - im Ausgleich für jene, die in der industriellen Produktion fortlaufend wegfallen.

Also: Machen wir Osnabrück und die Buga doch nicht kleiner, als sie sind oder sein könnten. Betrachten wir die Hausaufgaben, die TUI der Stadt aufgibt, als Anstoß und Herausforderung.

w.hinrichs@ neue-oz.de
Autor:
Wilfried Hinrichs


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