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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Verteidigung von "Alt-Osnabrück"
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im Mai 1906: Heftige Debatten um den alten Stadtturm
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Von Christiana Keller

OSNABRÜCK. Unter der Regierung von sieben Monarchen des Königreiches und der Provinz Hannover hatte ein Bürger der Stadt Osnabrück sein Leben verbracht, der im Mai 1906 seinen 79. Geburtstag feierte.

Friedrich Drösle war noch in seinem hohen Alter als Portier des Stadtkrankenhauses tätig. 1848 war er als junger Mann unter König Ernst-August zum Militär gekommen. Seinen Lebensabend wollte er ursprünglich bei seinen Kindern in Nordamerika verleben, doch da ihm das Klima dort nicht gut tat, kehrte er 1897 nach Osnabrück zurück. 7 Kinder, 47 Enkelkinder und 4 Urenkel gehörten zu seiner Familie.

Circus Corty Althoff ( " Europas größter reisender Zirkus der Gegenwart") gab die erste Vorstellung auf dem Platz an der Alten Münze. Zuvor musste aber ein Karussellunternehmen abbauen. Entlang des Neuen Grabens stand daher Wagen an Wagen, die einen abbauend, die anderen auf den Aufbau wartend.

Die schmale Herrenteichsstraße war dem starken Verkehrsaufkommen in der Stadt nicht mehr gewachsen, sie war für Fußgänger einfach zu gefährlich geworden. Man sah nur eine Möglichkeit: die " Erweiterung" der Straße durch eine Arkade in der untersten Etage der Hirschapotheke. " Ähnlich wie in Münster am Prinzipalmarkt" sollte der Einschnitt zu denken sein. Ein Schutz für die Passanten vor Straßenbahn und Fuhrverkehr.

Als Vorgabe musste berücksichtigt werden, dass " der einheitliche Empirestil des vor 130 Jahren erbauten Hauses nicht behelligt werden durfte". Der goldfarbene Sandstein der Hauptfront wurde an der Seitenfassade über der Passage ergänzt.

Der Abbruch der Rackhorst' schen Buchhandlung an der Großen Straße/ Ecke Georgstraße sollte die Georgstraße verbreitern. Die Brücke war nun nach Monaten der Bauverzögerung freigegeben und erneuert, und schon plante man den Bau weiterer Mietshäuser beiderseits der Hase.

Modern sollte auch die Umgebung des neuen Rathsgymnasiums werden. Der Magistrat wünschte eine neue Pflasterung der Klubstraße und die Abtragung des alten Plümersturmes! Der Turm gereiche dem neuen Gymnasium zum Nachteil, verkündeten die Stadtoberen, er entbehre im Übrigen jeder historischen Bedeutung, denn man hielt ihn für ein Relikt der alten Schlossmauer und nicht zur Stadtmauer gehörig. Der Landeskonservator werde sicher zustimmen, war man sich sicher. " Schade", schrieb das Osnabrücker Tageblatt, " wieder ein Stück Alt-Osnabrück, das verschwindet."

Stadtbaumeister Lehmann aber war gegen den Abriss, und über Wochen folgte eine teilweise scharfe Diskussion über das Für und Wider des Turmes. So manche Schelte mussten die Stadtväter schlucken, die in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts den fast vollständigen Abriss der alten Stadtmauer verursacht hatten. Viele Stimmen mischten sich ein und setzten sich gegen die " Langeweile der modernen Architektur" ein. " Es kommt nicht nur auf Dekoration und Schmuck an, sondern auf das schlichte alte Bauwerk selbst", las man in der Zeitung. Die malerische Wirkung einer Stadt entstand ja gerade durch alte Gemäuer und alte Bäume.

Ende Mai kam für die Stadtväter das Unerwartete: Provinzialkonservator Dr. Reimers in Hannover wandte sich gegen den Abbruch des Plümersturmes und bat den Regierungspräsidenten amtlich und hochoffiziell, den Abbruch zu untersagen.

Heiße Debatten gab es im Mai 1906 um den beabsichtigten Abriss des Plümersturms am Schlosswall, weil er den Blick auf das neu erbaute Ratsgymnasium verstelle. Dieses Foto entstand allerdings noch vor 1904. und man hat einen freien Blick auf den Schlossgarten.
Autor:
Christiana Keller


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