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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Wenn Pferde scheu werden, ist mit dem Klingeln aufzuhören
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Radfahren vor 100 Jahren: Wie sich der Osnmabrücker Lehrer Ernst Gils auf zwei Rädern durch den Paragrafendschungel bewegen durfte
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Originaltext:
Wenn Pferde scheu werden, ist mit dem Klingeln aufzuhören

Radfahren vor 100 Jahren: Wie sich der Osnabrücker Lehrer Ernst Gils auf zwei Rädern durch den Paragrafendschungel bewegen durfte

OSNABRÜCK. Tollkühn waren sie, die Radler vor 100 Jahren. Sie mussten aufpassen, dass sie keine Pferde scheu machten. Und dass sie nicht königlichen Equipagen in die Quere kamen. So steht es im Fahrrad-Führerschein des Osnabrücker Lehrers Ernst Gils, ausgestellt für das Jahr 1905.

" Karte für Radfahrer" hieß die Paragrafensammlung, mit der die preußische Obrigkeit den Schulmeister auf zwei Rädern nach Strich und Faden reglementierte. Vom Ober-Präsidenten der Provinz Hannover wurde das Dokument herausgegeben, und die Polizeidirektion der Stadt Osnabrück hatte dem amtlichen Papier einen Stempel aufgedrückt.

Ernst Gils, geboren am 15. März 1905, wird unter der laufenden Nummer 6100 geführt. Das " Signalement" der behördlichen Legitimation beschreibt ihn so: " Größe: 1, 75 m, Statur: schlank, Haare: dunkelblond, Augen: blau, Nase: gewöhnlich, Bart: Schnurrbart."

Nach der Polizei Verordnung " betreffend den Verkehr mit Fahrrädern auf öffentlichen Wegen, Straßen und Plätzen" vom 20. September 1867 war der Schulmeister verpflichtet, für Wettfahrten auf eben diesen Wegen, Straßen und Plätzen eine Genehmigung der Wegepolizeibehörde einzuholen.

Auch sonst hatte sich der radelnde Pädagoge zu zügeln: " Übermäßig schnelles Fahren, Umkreisen von Fuhrverken, Menschen und Tieren und ähnliche Handlungen, welche geeignet sind, Menschen oder Eigentum zu stören, Pferde oder andere Piere scheu zu machen, sind verboten."

Beim Passieren von engen Brücken, Toren und Straßen, beim Einbiegen aus einer Straße in die andere, bei der Ausfahrt aus Grundstücken und an anderen unübersichtlichen Stellen sollte der Pedaleur so langsam fahren, " dass das Fahrrad notfalls auf der»Stelle zum Halten gebracht werden kann".

Unter Paragraf 5 gestattete sich die Obrigkeit den Hinweis, dass es in allen diesen Fällen sowie beim " Bergabfahren, verboten ist, beide Hände gleichzeitig von der Lenkstange oder die Füße von den Pedalen zu nehmen".

Es versteht sich beinahe von selbst, dass ein Fahrrad bei Dunkelheit mit einer hell brennenden Laterne zu versehen war. Auch eine " sicher wirkende Hemmvorrichtung" und eine hell tönende Glocke waren schon damals Vorschrift.

Die Klingel galt es allerdings vor Missbrauch zu schützen: " Zweckloses oder belästigendes läuten ist zu unterlassen", warnte die Polizeibehörde im Sinne von Mensch und Kreatur: " Mit dem Glockenzeichen ist sofort aufzuhören, wenn Pferde oder andere Tiere dadurch unruhig oder scheu werden."

Für den Fall, dass der Osnabrücker Lehrer diese Spielregeln missachtet hätte, drohte ihm die Polizei mit Sanktionen: " Übertretungen werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark, im Unvermögensfalle mit entsprechender Haft bestraft, soweit nicht nach den allgemeinen Strafgesetzen eine härtere Strafe eintritt." Schulmeister Gils werden solche Verfehlungen allerdings nicht nachgesagt

Schöne Grüße von Alwine: Ansichtskarte von 1899 aus dem Archiv von Wido Spratte.

Preußisch korrekt: Ernst Gils' Fahrradführerschein von 1905.


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