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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Kühles Fußbad - Fehlanzeige
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Die Brunnenin der Innenstadt plätschern nur müde vor sich hin
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Kühles Fußbad - Fehlanzeige

Die Brunnen in der Innenstadt plätschern nur müde vor sich hin

Von Beate Dammermann und Klaus Lindemann (Fotos)

OSNABRÜCK. Es ist heiß, die Füße brennen, die Hände sind geschwollen. Wie schön wäre jetzt eiskaltes Wasser. Sich auf einen Brunnenrand setzen, die Beine im kühlen Nass baumeln lassen. Die Arme unter einen kalten Wasserstrahl halten. Oder wenigstens einige Spritzer einer hohen Fontäne abbekommen. Das Plätschern hören und einen Schwall kühlfeuchter Luft spüren. Doch halt. Ich bin nicht in Bramsche oder Diepholz, nicht in Berlin, nicht in Rom. Ich bin in Osnabrück.

Und hier sind richtig tolle Brunnen Mangelware, die vorhandenen plätschern oft müde, geben immer mal wieder den Geist auf, werden gar völlig zugeschüttet wie am Ledenhof. Da erfreute früher sogar ein richtiger Wasserfall und ein Springbrunnen am Neuen Graben.

Gut, es muss ja nicht gerade so etwas Bombastisches sein wie der Trevi-Brunnen in Rom, in dem weiland Anita Ekberg in dem Kult-Film " La dolce vita" ein sagenumwobenes nächtliches Bad nahm. Aber etwas Erfrischung dürfte doch möglich sein. Für Erwachsene und Kinder, für Hunde und Vögel. Um richtig nass zu werden und zu plantschen oder nur den Puls zu kühlen.

Wie wäre es mit einer geführten " Brunnen-Tour" durch die Osnabrücker Innenstadt, auf der Suche nach fließenden Brünnlein?

Brunnen. Da fällt jedem natürlich sofort der Haarmannsbrunnen ein. Doch dieses älteste deutsche Arbeiterdenkmal, das übrigens nicht an das Unglück im Piesberg erinnert, sondern eine Stiftung des Bürgers und Senators Dr. August Haarmann an seine Stadt ist, liegt seit Wochen trocken, kein Wasserschvvall schießt aus der Felswand. Das Becken ist grell-blau gestrichen, innen liegt Müll. Der Schutzanstrich blättert ab, die Stadt verhandelt mit der Firma, die die Arbeiten ausgeführt hat, wegen der Nachbesserung. Wann das Wasser wieder läuft? Niemand weiß es.

Gehen wir weiter den Wall entlang. Der Wolkenbrunnen vor dem Stadtwerke-Hauptquartier am Berliner Platz war wochenlang wegen einer defekten Umwälzpumpe trocken. Von wegen: Wasserwerke.

Weiter zum Bahnhof. Eine schöne, dreieckige Wasserfläche, 30 bis 80 Zentimeter tief. Das Wasser gleitet sanft über die Ränder. Hinsetzen Fehlanzeige. Eben mal die Hände rein halten? Nein, lieber nicht. Im Wasser schwimmen so komische Klumpen, Algen oder Ähnliches. Das Wasser ist trüb, im Becken liegt Müll. " Da ist sogar eine Filteranlage drunter. Aber die Hunde und Enten und Menschen mit ihrem Müll...", sagt Udo Rietmann vom Fachbereich Immobilien und Hochbau. Mit seinen Mitarbeitern leistet er innerhalb der Verwaltung die Handwerksdienste an den Brunnen, die vielen verschiedenen Ämtern gehören. Man komme nicht nach: alte Brunnentechnik, ständige Zerstörungen, wenig Mittel für Unterhalt und Wartung. Wie am Bahnhof, so auch am Rosenplatz immerhin ein nettes Café neben dem Brunnen. Der Schäferbrunnen war vor Jahren schon mal trockengelegt und bepflanzt, jetzt kommt aus den beiden Hähnen wieder Wasser. Etwas Wasser. Es füllt das steinerne Becken nicht, wer zu kurze Arme hat, kommt nicht heran.

Weiter den Wall entlang zum Schlossgarten. Nur hier gibt es die leicht brausenden Springbrunnen, die kleinen Fontänen, die den Namen verdienen. Einige Schritte weiter die runden Steine, aus deren Mitte Wasser quillt. Aber sehr minimalistisch und bemoost. Dann fällt der Blick auf die Stele vor der Stadthalle: Das Wasser rieselt seit Jahren nicht mehr. Pumpe kaputt, Reparatur zu teuer.

Weiter den Wall entlang, endlich findet man ein wirklich idyllisches Plätzchen mit Grün und Bänken und Brunnen: am Rissmüllerplatz, neben dem Weg zum Westerberg.
Drei kleine Becken, in deren Mitte ein kleiner Sprudel Wellenbewegungen erzeugt. Im linken ausgeprägtes Blubbern, im rechten ein Mini-Blubb. " Das soll eigentlich so nicht sein", sagt Udo Rietmann. Man müsste eigentlich reparieren.

Eine junge Frau kommt vorbei, taucht kurz die Hände ins Wasser, reibt sich die Arme mit dem kühlen Nass ab. " Das mache ich jeden Tag, wenn ich von der Arbeit zum Parkplatz gehe", erzählt Steffi Kühnel, die im Steigenberger Hotel Remarque arbeitet. Das sei so erfrischend. Ungefragt fügt sie hinzu: " Das gibt es viel zu wenig in der Stadt: Brunnen und Wasser."

Vor der Dominikanerkirche rechts neben dem Denkmal sprudelt tatsächlich ein weiterer Brunnen. Ein simpler flacher Stein, aus dessen Mitte Wasser quillt. Biegen wir zum Vitihof ab. Da steht sie, in voller Schönheit: die Waschfrau. Hier muss das kühle Nass doch sprudeln. Den Pumpenschwengel bewegt und - nichts. Die Tücken der Technik? Nein, man muss nur wissen wie. Keine Pumpbewegungen, sondern den Stab ganz nach oben ziehen: Dann ergießt sich ein kurzer Schwall auf das bronzene Kind der Waschfrau und den, der sich gerne nass machen lässt. Wenn da jemand ist, der die Pumpe bedient.

Weiter geht es auf den Platz des Westfälischen Friedens neben dem Markt. Laut hörbar rauscht der Bürgerbrunnen. Eine Kaskade, dann mehrere Becken. Ein beliebtes Fotomotiv, vor allem wegen der Figuren, aber Hineinfassen? Das Wasser sieht so komisch grün aus.
" Nein, nein", versichert Udo Rietmann, " das ist sauber." Zwar wie bei allen Brunnen kein Trinkwasser, aber gespeist mit gutem Grundwasser. Deshalb die Färbung. Kühl ist das Nass im Ruwebrunnen nicht: Der Tank liegt direkt unter dem Pflaster. Wer aber ein paar grüne Algenstückchen an den Händen nicht scheut, findet zumindest einen Brunnen, in den er die Hände tauchen kann und ein angenehmes Stadtklima dazu.

Weiter geht es zum Derbyplatz. Ein Rondell mit Wasserspeiern, leider derzeit zum Lagerplatz von Bauarbeitern geworden. Aber er kommt dem Bild eines Brunnens in der Stadt schon recht nahe.

Um die Ecke an der Redlingerstraße wurde von Prof. Raimund Beckmann über einer wiederentdeckten mittelalterlichen Zisterne ein Wasserspiel kreiert. Aus drei Bronzegebilden kam Wasser, ließ eine Kunststoffkugel auf einem Wasserfilm schwimmen. Es kam das Wasser. " 700 Euro kostet eine neue Acrylkugel. Zwei Tage später sind irgendwelche Rabauken draufgesprungen, sie war kaputt. Und das ging immer so weiter", sagt Rietmann. Konsequenz.: Wasser abgedreht.

Einige Schritte weiter am Reichweinplatz der Ochsenbrunnen von Rolf Overberg. Das Wasser rieselt die vermooste Stele hinab. Das Glitschige ist gewollt. Kunst. Nicht für wunde Füße als Erfrischung gedacht.

Ein bisschen Kühle zwischen heißem Pflaster gibt die Plastik von Walter Mellmann an der Ecke Georgstraße. Mehrfach saniert, spritzt ihr Wasser bei Wind schon mal die Passanten nass. " Dann kommen sogar Beschwerden", lacht ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung, der einige hundert Meter weiter den Landschaftsbrunnen an der Johanniskirche begutachtet. Der ist auch völlig vermoost, mal läuft das Wasser, mal wieder nicht " Die Technik vieler Osnabrücker Brunnen ist jahrzehntealt'', sagt Udo Rietmann.

Richtige Abkühlung und einen Wasserbrunnen, der seinen Namen zu Recht trägt, findet man in Osnabrück also kaum. Dabei muss ein Springbrunnen ja nicht unbedingt mit Kunst verbunden sein. Ein eiskalter Wasserstrahl, ein dicker Schwall, der sich in ein sauberes Becken ergießt würde schon reichen. Ein Rasensprenger, ein geöffneter Hydrant.

Unsere Füße, nach dem Rundgang noch brennender, bleiben ungekühlt. Schade. Wasser hat das gewisse Etwas, vor allem in einer Stadt Die beiden Trinkwasserbrunnen an der Katharinenkirche und der Großen Domsfreiheit wurden übrigens auch abgebaut: Zu oft wurden sie zerstört.

In den USA kann man ein Stück Autobahn " adoptieren". Am Bahnhof und am Ochsenbrunnen passen Anwohner auf, geben Bescheid, wenn etwas nicht in Ordnung ist Aber die anderen Wasserspiele in Osnabrück? Vielleicht sollten wir Brunnen zur Adoption freigeben.

Trocken und vermültt: Der Haarmannsbrunnen, der Vorzeigebrunnen der Stadt, in dem man, Wasser vorausgesetzt, herrlich die Füße im kühlen Nass baumeln lassen könnte. Fotos: Klaus Lindemann

Immer wieder zerstört: der Brunnen Redlingerstraße.

Ein Rinnsal: die Rundbrunnen im Schlossgarten.

Bei der Waschfrau muss man Technik beherrschen.

Hundeerfrischung im Wasserbecken am Bahnhof. Gegen Verschmutzung kommt die Filteranlage kaum an.

Moosig grün, aber sauberes Grundwasser: Der Bürgerbrunnen erfrischt die Luft am Platz des Westfälischen Friedens

Abkühlung findet Steffi Kühnel nach der Arbeit am Brunnen auf dem Rissmüllerplatz
Autor:
Beate Dammermann


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