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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Großalarm: Chlorgas im Freibad
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Ein Becken im Moskau evakuiert - 18 Badegäste vorsorglich im Krankenhaus
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Großalarm: Chlorgas im Freibad

Ein Becken im Moskau evakuiert - 18 Badegäste vorsorglich im Krankenhaus

Von Beate Dammermann

OSNABRÜCK. Große Aufregung im Freibad: Bei einem Chlorgasunfall Im Moskau sind gestern Nachmittag 18 Badegäste, vor allem Kinder und Jugendliche, leicht verletzt worden. Alle wurden sicherheitshalber zur Begutachtung In Kliniken gebracht, da sie über Atemwegsrelzungen klagten. Ursache des Zwischenfalls ist wohl ein Pumpenversagen.

Um 16.13 Uhr gehen Notrufe bei Feuerwehr und Polizei ein. Fünf Rettungswagen, zwei Notärzte, die Leitende Notärztin und Technikgruppen der Feuerwehr rücken zur Limberger Straße in der Wüste aus und haben wegen der chaotischen Parksituation vor dem Bad Probleme, zum Eingang vorzudringen.

Badleiter Rüdiger Heidt ist von diesem Aufgebot überrascht. " Bei uns hatten sich bis zu diesem Zeitpunkt nur zwei Jungen gemeldet, denen ein bisschen übel war. Wir gaben ihnen etwas zu trinken und Eis. Alles schien in Ordnung", sagt er später.

Polizei und Feuerwehr gehen auf Nummer sicher. Sie lassen das Tauchbecken, in dem es passiert ist, sofort evakuieren und veranlassen eine Lautsprecherdurchsage. Jeder, der Atemprobleme oder Übelkeit spürte, solle sich sofort melden.

" Wir haben getaucht, und als wir hochkamen, kriegten wir keine Luft und haben gehustet", berichten Yvonn Kaiser (16) und Kim Schulte (15). Als sie das einem Bademeister sagten, habe der gemeint, das gehe weg. Wie 14 andere melden sich die Mädchen dann nach der Durchsage.

In der Vorhalle des Hallenbades kümmern sich Sanitäter und Ärzte um die Menschen mit Beschwerden. Einigen ist übel, andere husten. Yvonn und Kim schauen aber schon wieder fröhlich in die Runde. Und sind ganz überrascht, als die Sanitäter ihnen sagen, sie müssten sicherheitshalber noch ins Krankenhaus zur Untersuchung. Allen wird aber schon versichert: Es ist nichts Ernstes, die Beschwerden klingen schnell wieder ab. Langzeitschäden werden von ärztlicher Seite ausgeschlossen.

Nur die beiden Ersten, die sich als Verletzte gemeldet hatten, werden mit Rettungswagen in die Kliniken gebracht. Die anderen kommen nach einem Check vor Ort in Mannschaftsbussen der Feuerwehr ins Krankenhaus.

Ursachenforschung durch Stadtwerkemitarbeiter. Polizei und Feuerwehr: Nach ihren Erkenntnissen war 20 Minuten lang eine Pumpe ausgefallen, die Wasser in ein Schwimmbecken drückt. Die Pumpe, die Chlorgas zusetzt, lief weiter. Eine Chlorblase setzte sich deshalb im Zulauf fest. Als dann die Wasserpumpe wieder ansprang, muss diese Blase ins Becken gedrückt und an die Oberfläche gestiegen sein.

" Wir haben sofort, als sich die beiden Jungen gemeldet hatten, die Chlorkonzentration gemessen. Sie war mit 0, 4 g niedriger, als der normale Chlorwert von 0, 6 g", berichten die Badmitarbeiter. Ähnliches ergibt auch eine weitere Messung durch einen Stadtwerketechniker. " Es kann nur ganz kurz eine etwas erhöhte Konzentration gewesen sein", sagt Badleiter Heidt. " Wenn wir von mehreren Kindern mit Atemwegsreizungen gewusst hätten, wäre sofort Alarm geschlagen worden", versichert er.

Nicht nur ihn wundert, wie Notruf und Großalarm samt Meldung über einen angeblich schlimmen Unfall mit schwer Verletzten ausgelöst wurden: nicht durch einen Bademeister, sondern vermutlich durch den Mitarbeiter eines Rundfunksenders.

" Wir hatten nur die beiden Jungen mit Atemproblemen, und die Chlorwerte waren auch wieder in Ordnung. " Vielleicht war bei manchen ein bisschen Hysterie oder Überanstrengung beim Toben dabei", mutmaßt Heidt.

Im Freibad geht, selbst als für 10 Minuten das Becken evakuiert wird, das Toben munter weiter. Viele Badegäste haben nicht mal etwas von dem Vorfall gemerkt.

Chlor im Schwimmbad: Desinfektion und rote Augen

Wo viele Menschen sind, siedeln sich auch Keime an. Um sie im feuchtwarmen Klima von Schwimmbädern in Schach zu halten, wird dort dem Wasser Chlor zugesetzt. Die Chemikalie tötet zwar die Krankheitserreger ab, kann aber selbst die Gesundheit belasten. Chlor brennt in den Augen, trocknet die Haut aus und hat einen beißenden Geruch. Vielfach wird die Verwendung von Chlor inzwischen durch andere Desinfektionsmöglichkeiten deutlich reduziert.

Chlor reagiert im Badewasser mit organischen Materialien wie Schweiß, Härchen oder Schuppen. Als Nebenprodukt der chemischen Verbindung entsteht unter anderem Chloroform, das früher als Betäubungsmittel eingesetzt wurde. Problematisch an Chloroform ist nicht, dass Badegäste es in kleinen Mengen über die Haut aufnehmen oder sie kleine Mengen davon schlucken, sondern dass an der Wasseroberfläche Gas frei wird und dort verbleibt, weil es schwerer als Luft ist.

Hohe Dosen von Chloroform können in kurzer Zeit Unwohlsein und Schwindel verursachen, es kommt zu Hustenreiz und Atemnot. Deutschland ist ein Niedrig-Chlor-Land. Nach offiziellen Angaben existieren nicht nur die weltweit schärfsten Vorschriften für das Schwimmbeckenwasser, auch die technische Ausstattung der Bäder hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert. In anderen Ländern Europas (etwa in Belgien) gibt es zum Teil keine verbindlichen Grenz-und Richtwerte für Chlor im Schwimmbadwasser.

Rettungswagen und Polizeifahrzeuge stauten sich nach dem Chlorgaszwischenfall vor dem Moskaubad. Fotos: Egmont Seiler

Jeder Patient, darunter auch Yvonn (rechts) und Kim, wurde von den Sanitätern registriert, bevor alle vorsorglich in die Klinik gefahren wurden.

In diesem Becken soll zu viel Chlorgas entwichen sein. Kurz nach dem Zwischenfall ging der Badebetrieb an dem heißen Nachmittag aber schon munter weiter.
Autor:
Beate Dammermann


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