User Online: 1 | Timeout: 08:22Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Viele Steine für wenig Geld
Zwischenüberschrift:
Lokfreunde wollen Brecheranlage
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Viele Steine für ganz wenig Geld

Lokfreunde wollen Brecheranlage

swa OSNABRÜCK.
Vor drei Jahren wurde die alte Steinbrecheranlage am Piesberg stillgelegt. Inzwischen sind alle verwertbaren Geräte und Maschinen ausgebaut. Das große Industriegebäude aus den späten 20er Jahren unterhalb des Haseschachtgebäudes fällt inzwischen dem Vandalismus anheim. Jetzt zeichnet sich aber eine Lösung ab, die die Stadt Osnabrück nichts kostet.

Das Grundstück gehört dem Niedersächsischen Forstamt, das bereit wäre, die rund 8000 Quadratmeter zum Freundschaftspreis an die Stadt zu verkaufen. Das Gebäude ist Eigentum der Firma Cemex (früher: Piesberger Steinindustrie). Das Unternehmen hat Rücklagen gebildet, um den Bau aus Stahl, Ziegeln und Beton abzureißen und nach dem Ende der Nutzung wieder aus der Landschaft zu entfernen. Dazu ist es verpflichtet. Dieses Geld würde Cemex aber auch zur Grundsanierung und dauerhaften Erhaltung des Hauses der Stadt zur Verfügung stellen. Die müsste im Gegenzug die komplette Verantwortung für den Komplex und alle Verpflichtungen der Cemex übernehmen.

Wenn sich der Stadtrat in seiner nächsten Sitzung im Oktober für diese Lösung entscheidet, könnten die Osnabrücker Dampflokfreunde (ODF) die alte Brecheranlage in Pflege nehmen. Nach einem Nutzungsvertrag mit Cemex haben die Dampflokfreunde ohnehin schon den Verfall notdürftig gebremst. Und sie könnten das Gebäude als Lokschuppen und Waggonhalle gut gebrauchen. Damit, so Pyes Ortsbürgermeister Josef Thöle, wäre ein weiterer wichtiger Mosaikstein in der Industriekulturlandschaft Piesberg gesetzt. " Die Dampflokfreunde sind seit 1987 aktiv und haben alles, was sie bisher geschaffen haben, aus eigener Kraft auf die Beine gestellt." Er traue den Eisenbahn-Enthusiasten deshalb auch zu, das alte Brecherwerk mit eigener Leistung zu erhalten und sinnvoll zu nutzen.

Wichtig sei, dass möglichst schnell der Eindruck verschwinde, es handele sich um ein herrenloses Gebäude, meint ODF-Vorsitzender Albert Merseburger. Die rund 25 aktiven Eisenbahnfreunde haben schon zerstörte Fensterscheiben ersetzt und Löcher in der Außenwand geschlossen. Aber der Vandalismus lasse sich wohl nur spürbar bremsen, wenn das Gebäude regelmäßig genutzt werde und sich Menschen dort aufhielten. Falls es mit der Übergabe an die Stadt klappt und die Dampflokfreunde die Brecheranlage in Obhut nehmen, wollen die erst einmal einen Zaun um das Fabrikgebäude ziehen.

Und dann würden sie sich an die Grundsanierung machen. Ein Haufen Arbeit, aber vor dieser Aufgabe ist den Eisenbahnenthusiasten nicht bange. Merseburger: " Wir sind es gewohnt, dass die Sachen, die wir kriegen, nicht in einem einwandfreien Zustand sind."

Bürgermeister Burkhard Jasper hält das Projekt für entscheidungsreif. Jedenfalls hält er es für wichtig, dass die Ehrenamtlichen möglichst bald Klarheit haben. Denn schon jetzt steckt viel von ihrer Arbeit in dem Projekt. Eines der Rolltore zu den Gleisen, auf denen Waggons mit Schotter beladen wurden, haben sie zum Beispiel schon ersetzt. Nach Beratung mit der Denkmalpflege haben sie selbst ein zweiflügeliges Tor aus Stahlprofilen und Holzdielen gebaut. Für Jasper ein gutes Beispiel: " Hier sieht man, dass man mit Fantasie und ehrenamtlichem Einsatz sehr viel bewegen kann."

Zerbrochene Fenster geben den Blick frei in den Außenbereich.

Türen öffnen wollen Albert Merseburger, Josef Thöle und Burkhard Jasper für die Lokfreunde am Piesberg.

Morbide Romantik: Der Charme der Industriebrache soll bald der Vergangenheit angehören, wenn die Dampflokfreunde hier ihre Maschinen unterbringen. Fotos: Thomas Osterfeld

Brecheranlage

Die Produktion von Schotter am Piesberg hat Tradition. Ende des 19. Jahrhunderts ging es los. um die Reste der Pflaster- und Bordsteinproduktion zu verwerten. Die erste Brecheranlage am Piesberg entstand in den 1890er Jahren. Eine zweite, leistungsfähigere Anlage nahm 1900/ 01 den Betrieb auf. Die Brecheranlage aus dem Jahre 1927/ 28 erweiterte die Kapazitäten erheblich und brachte durch Verladeeinrichtung und Gleisanschluss erhebliche Vorteile für Vertrieb des Materials. Diese Anlage an der Voßlinke war bis zum Jahre 2003 in Betrieb und wurde dann durch eine neue Brecheranlage nördlich des Fürstenauer Weges ersetzt.
Lesetipp: Industriearchitektur in Osnabrück: Rolf Spilker. Christian Grovermann (Hg.). Bramsche (Rasch) 1999
Autor:
swa


Anfang der Liste Ende der Liste