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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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"Stelz" läuft jetzt mit Prothese
Zwischenüberschrift:
Grausige Verletzung - Tierschützer kritisiert Beringungspraxis für Störche in Niedersachsen
Artikel:
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Originaltext:
" Stelz" läuft jetzt mit einer Prothese

Grausige Verletzung - Tierschützer kritisiert Beringungspraxis für Störche in Niedersachsen

Von unserem Redakteur Frank Henrichvark

Osnabrück
" Stelz" klappert zufrieden mit dem Schnabel: Der Storch kann wieder gehen - allerdings mit einer Prothese. Diese Aufsehen erregende Rettungsaktion für einen verletzten Weißstorch gelang jetzt dem Tierschützer Wolfgang Herkt in seiner Artenschutz-Betreuungsstation bei Osnabrück. Zugleich wirft dieser ungewöhnliche Fall aber ein kritisches Schlaglicht auf die derzeitige Beringungspraxis bei den Jungstörchen in Niedersachsen.

" Stelz", wie Wolfgang Herkt den Storch getauft hat, kam vor einigen Wochen in die Auffangstation in Hellern bei Osnabrück. Der Storch war schwer verletzt, er hatte sich den linken Fuß unterhalb des Sprunggelenks regelrecht abgerissen.

Nach der ersten Wundversorgung kamen der Tierschützer und seine Tochter Birge Herkt, die als Veterinärmedizinerin sogar ihre Doktorarbeit über die Störche geschrieben hat, auf eine kühne Idee: Warum dem Vogel nicht eine Prothese verpassen und ihm so wieder ein einigermaßen normales Leben ermöglichen?

In Zusammenarbeit mit der Orthopädie-Firma Gehrmeyer wurde ein " Storchenbein" entwickelt, das haarfein auf den verbliebenen Knochenstumpf unterhalb des Sprung- oder Intertarsalgelenks angepasst werden musste.
Eine komplizierte und ungewöhnliche Arbeit zugleich: " Aber wir haben diese Herausforderung als unseren Beitrag zum Tier- und Artenschutz angesehen", sagte dazu der Orthopädletechnikermeister Jens Trocha bei der letzten Anprobe des knallroten Storchenbeins mit seinem kreisrunden Stützteller als Fußersatz.
Und tatsächlich: Die aus Carbon-Kunststoff im Vakuum-Unterdruckverfahren gegossene Gehhilfe passte nicht nur perfekt. Der Vogel Stelz machte damit auch sofort entschlossene Schritte und klappert seitdem zufrieden auf seiner Wiese.

Wolfgang Herkt betreut derzeit als ehrenamtlicher Tierschützer an die 15 Weißstörche in seiner staatlich anerkannten Betreuungsstation in Hellern bei Osnabrück. Darunter sind mehrere " fußkranke" Exemplare wie der arme Stelz. Zum Teil mit irreparablen Sehnenabrissen oder eben auch mit komplettem Extremitätenverlust.

Diese Verletzungen erinnern den erfahrenen Artenschützer an einen schrecklich verletzten Storch, den er Vorjahren auf einer Rinderweide aus einem Stacheldrahtzaun bergen musste: " Der Vogel war beim Überfliegen mit seinem Ring an den Stacheln hängen geblieben und hatte sich bei seinen Befreiuungsversuchen noch weiter schrecklich verletzt."

Die tiefe Beringung der Störche ist vor geraumer Zeit eingeführt worden, weil sich die Metallringe oberhalb des Sprunggelenks auf halber Höhe des Storchenbeins als problematisch herausgestellt hatte: Wenn es den Jungstörchen im Horst zu warm wird, praktizieren die nämlich eine Art Wasserkühlung - sie koten bewusst auf die eigenen Beine. Dabei konnten sich diese Ringe zusetzen, was in wenigen Fällen zu Entzündungen geführt hat.
Mittlerweile hat aber die Vogelwarte Radolfzell 1999 einen Kunststoffring mit der Bezeichnung ELSA entwickelt, der schmutzresistent ist. " Was mich nun wirklich entsetzt hat, ist die Tatsache, dass die Vogelwarte Helgoland trotzdem wieder vorschreibt, auch der ELSA-Ring müsse unterhalb des Sprunggelenks angebracht werden", klagt Wolfgang Herkt. Diese Kontroverse zwischen der Vogelwarte Radolfzell und der Station Helgoland um eine sachgerechte Storchen-Beringung sei wohl durch den Einfluss selbst ernannter so genannter " Storchenbetreuer" in Niedersachsen entstanden, denen Herkt jedoch nicht trauen mag: " Im Interesse der Störche sollte die Beringungspraxis dringend wieder geändert werden."

AUFWÄNDIGE RETTUNGSAKTION: Artenschützer Wolfgang Herkt, Dr. Birge Herkt und Orthopädietechniker Jens Trocha verpassten diesem Weißstorch eine Prothese. Foto: Klaus Lindemann
Autor:
Frank Henrichvark


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