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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Karmanns Modell 1906: Der Vierzylinder Brasierwagen
Zwischenüberschrift:
Juni 1906: Delegation aus Hannover rettete den Plümersturm
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Immer Klagen über das Wetter, auch 1906 war das nicht anders: Während der Mai schon Tage gebracht hatte, an denen man sich Schatten suchen musste, fehlten ausgerechnet am so beliebten PfIngstfest die Besucher in den zahlreichen Gartenlokalen - wegen eisiger Kälte.

50 Jahre war es her, dass die Hannoversche Westbahn am 21. Juni 1856 zum ersten Mal nach Emden gefahren war. Nicht nur für die Hannoveraner und Westfalen, auch für die holländischen Nachbarn war seinerzeit diese Verbindung zur Küste von großer Bedeutung gewesen.

1906 rief man das große Fest in Erinnerung, das die Menschen damals gefeiert hatten. Die fast 200 auswärtigen Besucher dieses besonderen Ereignisses mussten 1856 privat untergebracht werden, denn Hotelbetten in genügender Menge kannte Osnabrück damals noch nicht.

Das Festkomitee organisierte dereinst eine denkwürdige Feier, mit " Reveille", einem frühen gemeinsamen Treffen, anschließendem Lobgesang in der Halle des altehrwürdigen Schlosses und einer Parade zum Bahnhof zu dem besonders geschmückten Sonderzug nach Emden. Dort folgte ein Ball (" Soiree mit Tanz"), und erst am nächsten Tag brachte der Zug die illustren Gäste zurück. Die ganze Feier trug, so drückte es der Reporter aus, " das Gepräge edler Volkstümlichkeit".

50 Jahre später waren Regel- und Feriensonderzüge aus den großen Städten des Reiches zur Küste eine Selbstverständlichkeit, und niemand mochte sie mehr missen.

Die Stadtwaage am Markt öffnete nach längerer Renovierung wieder ihr großes Tor. Auch die Waage im Erdgeschoss stand dem Publikum wieder zur Verfügung, um Waren vom Markt abzuwiegen.

Die Überlegungen, die zur Niederlegung alter Bauwerke in Osnabrück geführt hatten und für 1906 noch weiter drohten, hatten offensichtlich Fachkreise an höheren Stellen in Hannover und Berlin mobil gemacht. Anfang Juni fand sich überraschend eine Delegation aus Berlin in Osnabrück ein, unter der Leitung des Geheimen Regierungs-Baurates und Hochschulprofessors Hehl.

Der Professor wollte, zusammen mit einigen Mitreisenden, besonders die erhaltenen mittelalterlichen Bauwerke der Stadt prüfen, fotografieren und besichtigen. Von der Entfernung des Plümersturms vor dem neuen Rathsgymnasium aus ästhetischen Gründen war fürderhin offiziell nie wieder die Rede.

Schon lange erwartet hatten die Beobachter der modernen Zeit die Besteuerung der Erlaubniskarten für Kraftfahrzeuge. Nun war es so weit, und es folgte, vorerst " halbamtlich", die Veröffentlichung.

Der Automobilwagenbau expandierte 1906 auch in Osnabrück. Die Wagenfabrik von Wilhelm Karmann hatte jüngst wieder einen jener modernen, mit allem Komfort ausgestatteten Reisewagen abgeliefert. Einen so genannten " Vierzylinder Brasierwagen". Das Besondere war sein Verdeck, man konnte es ganz " herunterschlagen". An beiden Außenseiten des Wagens waren praktischerweise Werkzeuge und Reserveteile leicht zugänglich untergebracht. Auf dem Dach gab es noch weitere Halterungen für größere Reserveteile und " auch" für Gepäck.

Tropische Hitze zum Ende des Monats war nicht das, was die Landleute für die Ernte benötigten, aber nach den kalten Wochen gab es viele, die sich daran erfreuten. Wiederholt erging wie in jedem Jahr der Zeitungsaufruf an die Halter von Nutztieren, ihren Schutzbefohlenen Linderung vor der Hitze zu gewähren, vor allem Wasser und Schatten.

Die vielen Hunde und Pferde, die damals noch zur Arbeit eingesetzt waren und Wagen zogen, sollten nicht leiden. " Der Gerechte erbarmt sich seines Viehes, damit es gesund und leistungsfähig bleibt", schrieb mahnend ein Reporter im Osnabrücker Tageblatt.

Das Sängerfest der vereinigten Liedertafel vereinte an die 3000 Menschen auf dem Schützenhof bei herrlichstem Juniwetter. Nach vielen Liedern und Kaffee mit Kuchen folgte der stimmungsvolle Festball unter großer Beteiligung. Auch das Bundesschützenfest wurde ein voller Erfolg, Wie in den Vorjahren feierten drei Schützenvereine ihr Fest zusammen.
Autor:
Christiana Keller


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