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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Artisten und billige Jacobs tummelten sich am Dom
Zwischenüberschrift:
Vor 100 Jahren war der "Herbstmarkt" ein großes Volksfes
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Das waren noch Zeiten, als man für eine Fahrt im Dampfkarussell nur ganze 5 Pfennig berappen musste. Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts war die Innenstadt noch Schauplatz des " Herbstmarktes", des Vorgängers des auch in diesem Jahr wieder in der letzten Oktoberwoche beginnenden Marktes an der Halle Gartlage. Die Ursprünge des Herbstjahrmarktes liegen Jahrhunderte zurück, als in der alten Hasestadt der Handel mit Leinen noch große Bedeutung hatte. Damals kam stets am 25. Oktober eine große Zahl höriger Bauern in die Stadt, um den Schutzpatronen des Doms, Crispin und Chrispinian, ihren " Zehnten" zu entrichten. Um die Konjunktur in der Stadt anzukurbeln, lag es für die Stadtväter auf der Hand, zu diesem Anlass einen mehrtägigen Herbstmarkt beginnen zu lassen.

Die Frühjahrskirmes hingegen hat mit dem Zeitpunkt des alljährlichen geistlichen Gerichts, dem " Jahres-Send", zu tun. In jüngerer Zeit trat immer mehr die Volksbelustigung und damit das Schaustellerwesen in den Vordergrund. Vor hundert Jahren bevölkerten Buden, Stände und Karussells des Volksfestes noch den Marktplatz vor dem Rathaus, die Große und Kleine Domsfreiheit und den Platz vor der damaligen Klosterkaserne - heute Kunsthalle Dominikanerkirche. Hier war auch der Standort der Achterbahn. Die angrenzenden Straßen wurden mit einbezogen, denn Autoverkehr war noch so gut wie unbekannt. Später zog die Kirmes auf einen relativ ungeliebten umzäunten Platz an der Natruper Straße um.

Justus Möser meinte ein weiteres Jahrhundert zuvor, gelegentliche Volksfreuden seien durchaus zweckmäßig für die Ruhe und Ordnung in der Stadt, damit sich die schwarzen Schafe im Hinblick auf den Schnapskonsum einmal richtig austoben könnten und nicht täglich zur Flasche griffen. Überdies sah er das Landvolk als die Hauptkundschaft des Jahrmarktes. Möser-Zitat: "[...] die Leute sollten wenigstens auf der Kirmes oder Fastnacht völlige Freiheit haben und einige Bände springen lassen. [...] Es ist leichter für die Polizei, zweimal des Jahres Anstalten gegen einen wilden Ochsen zu machen, als täglich die Kälber zu hüten."

Wie heute war alljährlich alles an seinem festen Standort, die langen Budenreihen im Schatten des Doms, zwischen Löwenpudel und Rathaus, den Töpfermarkt nahe der Marienkirche sowie Berg-und-Tal-Bahnen vor dem Priesterseminar und der Gymnasialkirche. Zwischen Luftschaukeln, Wahrsagern, Musikanten, Box- und Schießbuden und " Haut den Lukas" gab' s Lebkuchen, Zuckerstangen und hartes Honigbrot sowie praktische Dinge wie Holzschuhe, Waschfässer, Kleider und Federwedel. Für die Kleinen standen ein Kasperletheater und ein bewegliches Miniaturbergwerk bereit.

Zahlreiche Kleinhändler, " billige Jacobs" genannt, boten auf Podesten lautstark eher sinnlose Dinge an wie Kragenbefestigungsapparate. Daneben hielten Taschenspieler die Leute mit ihrem Hokuspokus bei Laune. Auch Artisten, Drehorgelmänner mit tanzenden Äffchen und Quacksalber mit heilenden Pülverchen hatten immer Konjunktur.

Der Markt dauerte nicht länger als von Mittwoch bis Freitag. Zapfenstreich war pünktlich abends um 22 Uhr. Dafür sorgten dienstbeflissene Schutzmänner. Das fahrende Volk und lebensfrohe Bürger aber machten anschließend bis zur Polizeistunde in den rammelvollen Gasthöfen und Kneipen der Innenstadt die Nacht zum Tage.
Autor:
Ullrich Schärf


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