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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Wenn jeder ein Rädchen dreht
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CDU-Kandidat Wolfgang Griesert über Neumarkt, Briten-Abzug und Karmann
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Originaltext:
Wenn jeder ein Rädchen dreht

CDU-Kandidat Wolfgang Griesert über Neumarkt, Briten-Abzug und Karmann

Von Witfried Hinrichs

OSNABRÜCK. Der CDU-Kreisparteitag hat Stadtbaurat Wolfgang Griesert in dieser Woche zum Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl am 10. September gewählt.

Herr Griesert, die Grünen lästerten neulich, Sie brauchten noch einen Stadtplan, um sich nicht in der Stadt zu verlaufen...

Es ist besser, einen Stadtplan zu haben als keinen Plan von der Stadt.

Kämen Sie denn ohne Stadtplan aus?

Ja, aber natürlich nicht immer. Aber Sie wissen vielleicht auch nicht immer, wo welche Seitenstraße abgeht.

Stimmt...

Ich glaube, dass ich mir die Stadt schon ganz gut erschlossen habe. Bei jedem Thema habe ich mir die Dinge vor Ort angeschaut. Dann kennt man Land und Leute.

Welches Ergebnis trauen Sie sich bei der Wahl zu?

Wenn ich mir nicht zutrauen würde zu gewinnen, würde ich nicht antreten.

Wird es eine Stichwahl geben?

Das ist nicht unwahrscheinlich.

Kommen wir zur Sache. Die Stadt weist neue Baugebiete aus, obwohl auf einigen noch viele Plätze frei sind. Brauchen wir wirklich neue Bauflächen in den Randbereichen?

Es gibt Indikatoren, die anzeigen, dass es Nachfrage nach Wohnbauflächen gibt. Ein Indikator ist zum Beispiel die hohe Zahl der Einpendler. Jeden lag kommen 46 000 Menschen in die Stadt zur Arbeit und Ausbildung. Darunter sind sicher viele Menschen, die für Wohnen und Leben in der Stadt gewonnen werden können - auch unter dem Aspekt der Pendlerpauschale. Weitere Indikatoren sind die durchschnittliche Haushaltsgröße, die sinken wird, und der steigende Wohnraumbedarf. Die Menschen möchten mehr Wohnfläche haben.

Und wo soll nach Ihrer Ansicht gebaut werden?

Wir müssen uns im Stadtgebiet auch die Brachflächen genau ansehen. An der Jahnstraße kann man sehen, was aus einer Brache entstehen kann. Wir haben jetzt das ehemalige Busdepot an der Lotter Straße...

Und bald die britischen Kasernen...

Zunächst einmal: Wir wissen heute noch nicht genau, in welchem Umfang und wann die Briten sich zurückziehen werden. Wir müssen dabei auch an die Arbeitsplätze der Zivilbediensteten denken. Aber das Ganze ist für die Stadt eine Aufgabe von historischer Bedeutung. 164 Hektar, das sind 220 Fußballfelder und ist damit größer als die von Wall und Ring umschlossene Innenstadt!

Wäre es nicht sinnvoll, auf neue Baugebiete im grünen Gürtel zu verzichten, bis Klarheit herrscht, welche Flächen die Briten frei machen?

Für mich ist es selbstverständlich, Baugebiete im Einklang mit Natur und Umwelt zu entwickeln. Ein Baustopp wäre falsch, zumal nur ein Teil der Flächen als Wohnbauland entwickelt werden kann. Die Nachfrage nach Wohnraum und Bauflächen wird 2015 bis 2020 den Höhepunkt erreicht haben. Wir müssen rechtzeitig Angebote schaffen und dürfen nicht bis 2008 warten, sonst wären wir zu spät.

Die Verwaltung arbeitet an dem Thema Briten-Abzug, wie wir wissen. Wie ist der aktuelle Stand?

Wir sammeln Daten, etwa über Altlasten und Infrastruktur. Aber Vorsicht: Es darf nicht der Eindruck entstehen, wir würden Flächen verfrühstücken, die wir noch gar nicht haben.

Was machen wir mit dem Neumarkt?

Man muss sehen: Erstens, der Platz ist vom Verkehr dominiert, er hat wenig Aufenthaltsqualität. Das ist nach dem Abriss des Pavillons besser geworden, aber längst nicht gut genug. Zweitens, die Nutzung der Erdgeschossflächen am Neumarkt zeigt ja, dass sich höherwertige Läden dort nicht überall halten können. Siehe das Wöhrl-Haus. Es kann nicht von Besucherströmen profitieren, sondern muss aus eigener Kraft Leute anziehen. Das ist schwer. Ich glaube, dass der Masterplan gute Ansätze bietet, diese Probleme anzupacken.

Von einem Oberbürgermeister Griesert darf man erwarten, dass er kraft Amtes und mit der Fachkompetenz eines dann ehemaligen Stadtbaurates das Problem Neumarkt löst - oder?

Richtig, wenn Sie das so sehen. Aber das Thema ist nicht einfach. Es ist schwierig, die Ideen der einzelnen Eigentümer und Nutzer zusammenzubringen. Aber der Masterplan hat schon Interesse bei Investoren geweckt, darüber freue ich mich, auch wenn er wohl weiterentwickelt werden muss.

L+ T wächst auf der anderen Seite zu einem Schwergewicht. Ist das eine gute Entwicklung?

Ja, natürlich. Wenn sich mitten im Gravitationszentrum des Handels so etwas tut, kann man nur froh sein. Das zu bremsen wäre völlig falsch. Die Entwicklung bietet auch die Chance, die Hase wieder in den Blick zu nehmen. Die Hase ist überhaupt ein wichtiger Bereich. Wir sprechen von der Hasestadt, aber welcher Besucher nimmt sie bewusst wahr? Aus den 16 Kilometern Hase in der Stadt lässt sich mehr machen.

Ein anderes Thema. Waren Sie schon mal bei Karmann?

Ja, fünfmal zu Gesprächen mit Mitarbeitern, Betriebsrat und der Geschäftsleitung

Was kann die Politik tun um die Arbeitsplätze zu sichern?

Die Politik kann die hohe Kompetenz des Unternehmens betonen und Kontakte herstellen.

Dabei müssen wir vorallem unseren Ministerpräsidenten Christian Wulff, wo wir nur können, unterstützen. Wer dieses Unternehmen von innen kennt, der weiß: Mit diesem Know-how, dieser Technik und diesen Mitarbeitern sollte es eine Zukunft für industrielle Arbeitsplätze am Standort Osnabrück geben.

Also: Mehr als gute Worte kann die Politik nicht bieten?

Jeder muss sich in seinen Netzwerken für Karmann einsetzen. Und wenn jeder nur ein kleines Rädchen dreht, kann sich Großes in Bewegung setzen. Die Stadt hat zum Beispiel eine Straße verlegt und Karmann damit geholfen. Die Politik kann Bedingungen schaffen, dass Unternehmen an ihrem Standort investieren, auch das sichert Arbeitsplätze.

Was machen wir mit der Bundesgartenschau?

Es ist unstrittig, dass der Landschaftspark Piesberg entwickelt werden soll. Wenn wir das mit der Buga verknüpfen, ist das eine große Chance, die man sich nicht voreilig verbauen darf. Ich will keine Buga um jeden Preis, aber bis 2008 bleibt Zeit, ohne dass die Stadt ein finanzielles Risiko eingeht. Es gibt keinen Grund zur Eile. Sehen Sie sich heute mal auf dem Piesberg um, was dort entstanden ist und weiter entsteht. Jeder Euro, den die Stadt investiert, bringt bis zu vier Euro von Dritten, die es sonst nicht gäbe. Das schafft Beschäftigung, Arbeitsplätze und ein Naherholungsgebiet.

Holen Sie sich einen Berater für die Kultur- und Sozialpolitik?

Beratung kann jeder gebrauchen. Ich werde mir in jedem Bereich Rat holen von kompetenten Fachleuten aus Politik, Hochschule und Bürgerschaft.

Zu Hause sind Sie in diesen Themen aber nicht...

Glauben Sie nicht, dass ich hier nicht zu Hause bin. Ich habe es immer für wichtig gehalten, über den Tellerrand hinauszublicken. So spreche ich nicht nur mit den Fachleuten meines Bereiches, sondern auch mit den Fachleuten aus den Bereichen Kultur, Soziales, Kinder und Familie sowie Finanzen. Alles ist miteinander vernetzt.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit in der Verwaltung mit Ihrem Gegenkandidaten Reinhard Sliwka?

Wir gehen beide professionell damit um.

Zum Tourismus: OB Fip setzt sich sehr dafür ein, Osnabrück als Kongress- und Tagungsstadt zu profilieren. Würden Sie diesen Weg in gleicher Weise weitergehen?

Osnabrück hat noch Potenzial im touristischen Bereich. Die OMT macht einen hervorragenden Job, um dieses Potenzial weiter auszuschöpfen. Die Außendarstellung ist noch zu verbessern. Aber wer einmal hier war, ist begeistert von dem, was Osnabrück zu bieten hat Dabei müssen wir die Landkreise einbeziehen, auch den Kreis Steinfurt. Zudem habe ich Kontakte zu Münster und T\ vente, daraus kann man etwas Gutes entwickeln.

Die Stadt hat 16 Millionen Euro aus dem OWG-Verkauf in die Renovierung der Schulen Investiert. Irgendwann ist das Geld verbraucht. War' s das dann für die Schulen?

Wir haben immer noch einen defizitären Haushalt. Das darf man nicht vergessen. Wenn wir investieren.dann ganz sicher in den Bereichen Kinder, Schulen und Bildung.

Wolfgang Griesert (rechts) beim CDU-Kreisparteitag im Gespräch mit Ministerpräsident Christian Wulff. Foto Hermann Pentermann

Wolfgang Griesert

ist 48 Jahre alt und kam im Juni 2005 als Stadtbaurat nach Osnabrück. Er stammt aus Krefeld. wo er zuletzt als Leitender Stadtbaudirektor tätig war. Seine Stationen nach dem Architekturstudium (Schwerpunkt Städtebau) in Dortmund: Kreis Dithmarschen. Kiel, Minden. Der Diplomingenieur ist verheiratet, hat zwei Söhne und eine Tochter. Seine Familie lebt noch in Minden. Der Umzug nach Osnabrück ist geplant.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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