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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Feinstaub-Grenze überschritten: Was passiert nun?
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Experte: Datenqualität reicht nicht aus
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Feinstaub-Grenze überschritten: Was passiert nun?

Experte: Datenqualität reicht nicht aus

Von Wilfried Hinrichs

Osnabrück

Die Grenze ist erreicht: In Osnabrück ist die Feinstaubbelastung in der Luft in diesem Jahr an mehr als 35 Tagen über den Grenzwert gestiegen. Im Prinzip könnte ein betroffener Bürger jetzt vor Gericht saubere Luft einklagen und die Stadt mit Fahrverboten reagieren.

Die Daten sprechen eine klare Sprache, genügen aber nach Angaben der Experten nicht den Anforderungen, die die Europäische Union stellt. Schließlich geht es möglicherweise um massive Eingriffe in den Straßenverkehr, und die wollen gut begründet sein. In Osnabrück gibt es zwei Stationen, die den Feinstaub in der Luft messen. Altbekannt ist die Messwarte auf dem Ziegenbrink, seit August steht zusätzlich ein Container am Schlosswall, um die Belastung an einer der verkehrsreichsten Ecken der Stadt zu ermitteln.

Am 20. August überschritt an der Schlosswall-Station erstmals der Tagesmittelwert von Feinstaub die zulässige Grenze von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Bis gestern wurde die Warnmarke weitere 23-mal überschritten. Zur Erinnerung: 35Überschreitungstage sind erlaubt.

Die sind aber erreicht, wenn die Werte aus dem ersten Halbjahr vom Ziegenbrink addiert werden. Dort hatte es an zwölf lagen erhöhte Werte gegeben, macht zusammen 36 Überschreitungstage.

Es kommt noch schlimmer: Zwischen Ende Oktober und Mitte November lieferte die Anlage am Schlosswall unbrauchbare Ergebnisse. " Die Klimatisierung funktionierte nicht richtig", erklärt Michael Köster, Leiter des Luftqualitätsüberwachungssystems Niedersachsen (LÜN). Ein plötzlicher Kälteeinbruch machte der empfindlichen Technik zu schaffen. Die Werte wurden gleichwohl erfasst - und nur am Rande sei vermerkt, dass allein in diesen acht Wochen an 13 Tagen überhöhte Werte gemessen wurden.

Was passiert jetzt? - Vorerst nichts. Die Stadt kann erst Maßnahmen ergreifen, wenn das Land einen Aktionsplan für Osnabrück entwickelt hat. Die Arbeit an diesem Plan wird aufgenommen, sobald verlässliches Datenmaterial vorliegt. Und damit sind wir beim Problem: " Die Datenqualität reicht bisher nicht aus", sagt Michael Köster. Die EU-Richtlinie schreibt vor, dass die Luft unter genau definierten Bedingungen mindestens ein Jahr untersucht werden muss. Die für Osnabrück wichtige Schlosswall-Station arbeitet erst seit einem halben Jahr.

Um die Messergebnisse auf die ganze Stadt übertragen zu können, ist eine Modellrechnung (eine mathematische Formel) nötig, an der Experten im Umweltministerium des Landes tüfteln. Die Werte vom Schlosswall erlaubten nur Rückschlüsse auf die Lage " im Umkreis von 200 Metern", sagt Detlef Gerdts, Leiter des Fachbereichs Grün.

DER FEINSTAUB, den unter anderem Dieselfahrzeuge ausstoßen, hat in Osnabrück Konzentrationen erreicht, die das Land zum Handeln zwingen müssten. Die Datengrundlage sei aber noch zu dünn, sagen die Experten.

Zur Sache: EU-Richtlinie zum Feinstaub

In 30 Städten ist der Schwellenwert schon erreicht

Feinstaub: Die Brüsseler Richtlinie 1999 / 30 EG schreibt Grenzwerte für Feinstäube (PM 10) vor. Die Bezeichnung PM 10 leitet sich vom Durchmesser eines Staubpartikels ab, der den zehnmillionsten Teil eines Meters entspricht. Dieser feine Staub, den zum Beispiel Dieselmotoren ausstoßen, setzt sich in der Lunge fest und gilt als Krebs erregend. Im Raum Emsland / Südoldenburg belasten die Emissionen der Massentierhaltung die Luft mit Feinstäuben. Als Feinstaub gelten allerdings auch die Salzpartikel an der Küste, die der Gesundheit förderlich sind. Erste Erfahrungen: In 30 deutschen Städten ist nach einer Übersicht des Umweltbundesamtes der Grenzwert an mehr als 35 Tagen in diesem Jahr erreicht worden. Spitzenreiter ist Leipzig-Mitte mit 107 Tagen, auf Platz zwei folgt eine Messstation in München. Die EU-Kommission kündigte im September an, die Richtlinien zu lockern. Die Städte sollen für die Einhaltung der Vorschrift bis zu fünf Jahre Zeit bekommen, wenn sie nachweisen, das Ziel ernsthaft zu verfolgen.

Station am Schlosswall: Die Anlage übertrifft die vorgeschriebenen Standortkriterien deutlich. Gefordert werden 15 000 Fahrzeuge am Tag, den Schlosswall passieren täglich 30 000 Autos. Der Lkw-Anteil liegt bei acht bis zehn Prozent, gefordert sind fünf. Die Messwerte liegen im Schnitt um 70 Prozent über den Ergebnissen von der Station am Ziegenbrink.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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