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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Im Garten bleibt nichts, wie es war
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Wüste: Altlastsanierung beginnt am Pappelgraben
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Im Garten bleibt nichts, wie es war

Wüste: Altlastsanierung beginnt am Pappelgraben

Von Rainer Lahmann-Lammert
OSNABRÜCK
Die zwei Magnolien sind das Einzige, was Susanne Kaakarli von ihrem alten Garten retten konnte. Hecken und Büsche, Spielgeräte und Rabatten sind verschwunden. Flächendeckend wird der Boden ausgetauscht. Auf dem Grundstück am Pappelgraben hat die Sanierung der Altlast Wüste begonnen.

80 Grundstücke zwischen der Kokschen Straße in der Wüste und der Wilhelmstraße am Westerberg will die Stadt bis zum Mai 2008 saniert haben. Im Garten von Familie Kaakarli trafen sich Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip, Stadtbaurat Wolfgang Griesert und die Verantwortlichen aus dem Fachbereich Grün und Umwelt gestern zur " Premiere".

Beim Bodenaustausch wird streng zwischen den so genannten Schwarz- und Weißbereichen unterschieden: Wer kontaminierte Erde unter den Füßen hat, muss erst eine Schmutzschleuse passieren, bevor er den sauberen, " weißen" Teil des Gartens betreten darf.

Die Arbeiter tragen Einweg-Overalls. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, heißt es dazu, die Belastungen in der Wüsten-Erde seien ungefährlich, solange man das Zeug nicht in den Mund stecke. Wer aber täglich damit arbeite, solle besser Schutzkleidung tragen.

Um die Gärten von Schutt und Schlacke zu befreien, bedarf es stattlicher Erdbewegungen. 25000 Tonnen kontaminierter Boden, so rechnet Fachbereichsleiter Detlef Gerdts vor, müssen mit dem Bagger oder von Hand ausgekoffert und zum Piesberg geschafft werden. Das sind mehr als 1300 Lkw-Ladungen.

" Es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird"
Hans-Jürgen Fip, Oberbürgermeister

Bis in einen Meter Tiefe entfernen die Altlasten-Spezialisten das Erdreich und füllen es mit unbelastetem Mutterboden wieder auf. Größere Bäume dürfen stehen bleiben, wenn die Eigentümer es wünschen. Mit einem überdimensionalen Staubsauger legen die Entsorgungsteams, so gut es geht, die Wurzeln frei und füllen dann neues Substrat auf.

So oder so: Nach dieser Radikalkur ist ein Garten nicht wieder zu erkennen. " Es muss erst schlechter werden, bevor es besser wird", sagt Oberbürgermeister Fip dazu. Er ist froh, dass es nach der langen Auseinandersetzung nun endlich zur Sache geht. Den beteiligten Bürgern dankt er für das Verständnis, " zumal es zwischenzeitlich ja auch irritierende Botschaften gab". Was er damit meint? Noch vor drei Jahren sollten nicht 80, sondern 251 Grundstücke ausgekoffert werden. Zum Umdenken ist es auch deshalb gekommen, weil sich die gesetzlichen Bestimmungen zwischenzeitlich geändert haben.

Vier Millionen Euro veranschlagt die Stadt für die Sanierung, die in drei Bauabschnitten vonstatten gehen soll. Die Eigentümer müssen ihre Gärten selbst wiederherstellen. Damit tragen sie, so die Faustformel der Stadt, 20 Prozent der Kosten. Als Lohn für das erlittene Ungemach wird ihnen im Grundbuch bescheinigt, dass ihre Scholle altlastenfrei ist. So bleiben die Immobilienpreise in der Wüste stabil.

Riesige Altlast, wenig spektakulär

Der Osnabrücker Stadtteil Wüste hat vor einigen Jahren Schlagzeilen gemacht - als größte bewohnte Altlast in Deutschland. Bei näherem Hinsehen ist die Sache weniger spektakulär. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Feuchtgebiet großflächig mit Schlacken und Trümmern verfüllt. Dass in diesem Material riesige Mengen Blei und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe stecken, wurde erst in den 90er Jahren thematisiert.

Die Stadt brachte eine breit angelegte Bürgerbeteiligung auf den Weg und ließ 1700 Grundstücke untersuchen. Nach jahrelangem Hin und Her steht fest, dass 80 Grundstücke saniert werden müssen.

Bald altlastenfrei: Bei Familie Kaakarli am Pappelgraben tragen die Entsorgungsspezialisten den Boden ab. Foto Gert Westdörp
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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