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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Spuckt der Piesberg bald heißes Wasser aus?
 
Geothermie zum Heizen
 
Der Fehler von München
 
Eine gläserne Klinge im Berg
Zwischenüberschrift:
Die Attraktion zur Bundesgartenschau: Ein künstlicher Geysir mit praktischem Nutzen - 100 Meter hohe Fontäne
 
Ideen für die Buga: Studierende präsentieren Ergebnisse eines Workshops
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Originaltext:
Spuckt der Piesberg bald heißes Wasser aus?

Die Attraktion zur Bundesgartenschau: Ein künstlicher Geysir mit praktischem Nutzen - 100 Meter hohe Fontäne

Von Wilfried Hinrichs

Osnabrück

Sparen Sie sich die Reise nach Island. Einen leibhaftigen Geysir werden Sie bald auf dem Piesberg erleben können - vielleicht.

Ein hundert Meter hoher Geysir soll die Attraktion der Bundesgartenschau 2015 auf dem Piesberg werden. Die künstliche Heißwasser-Fontäne wird den kühnen Plänen der Geologen zufolge aus einem 1 500 Meter tiefen Bohrloch in die Höhe schießen. Das Spektakel hätte auch einen praktischen Nutzen: Mit der Wärmeenergie ließen sich zum Beispiel die Gewächshäuser beheizen.

Das Ganze ist keine Spinnerei, sondern Ergebnis seriöser Forschung und hat einen Namen: Geothermie. Auf der Suche nach der unerschöpflichen Energiequelle schauen die Forscher auch nach unten, in die Erde. In der Tiefe schlummern Energien, die nur darauf warten, angezapft zu werden. Am Runden Tisch CO2 war die Geothermie ein Thema, und die Teilnehmer holten sich Rat von den Experten des Geozentrums in Hannover. Und die entwickelten die Idee, die Urkraft aus dem Schoß der Erde in Form eines Geysirs sichtbar zu machen.

Das Konzept stellte der Geologe Joachim Fritz vom Geozentrum Hannover dem Buga-Lenkungsausschuss vor und erntete von allen Seiten Applaus. Ob das Heißwasserspiel realisiert werden könnte, soll eine Machbarkeitsstudie ermitteln, deren Kosten zur Hälfte die Bundesumweltstiftung übernehmen will, wie deren Generalsekretär Fritz Brickwedde schon ankündigte. Die Studie allein wird mehrere zehntausend Euro kosten. Das Projekt selbst wird in die Millionen gehen. Experten rechnen mit Kosten von einer Million Euro pro tausend Meter Bohrtiefe. Am Piesberg müsste das Loch mindestens 1 500 Meter tief sein. In diesen Schichten herrschen Temperaturen von 60 bis 70 Grad. Hinzu kommen die Kosten für die Technik, für einen künstlichen See und ein Betriebsgebäude: " Irgendwo zwischen drei und fünf Millionen" werde die Investitionssumme liegen, sagt Dr. Reinhard Jung vom Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben in Hannover.

So funktioniert der Geysir: Inmitten eines künstlichen Thermalsees reicht eine Röhre 1, 5 Kilometer in die Tiefe. Wasser wird mit einer besonderen Technik und unter hohem Druck in das Bohrloch gepresst, wodurch in der Tiefe ein Riss im Gestein entsteht. Dieser Riss dient dem Wärmetausch. Nachts werden rund 300 Kubikmeter Wasser aus dem See in den Riss gepresst.

Das Wasser erwärmt sich und schießt am Tage im Stundenrhythmus an die Oberfläche. Der Druck von 100 Bar werde für eine spektakuläre Fontäne von mindestens 100 Metern Höhe sorgen, sagen die Geologen. Mit dem heißen Wasser wird der Thermalsee gespeist, in dem auch gebadet werden kann. Vor allem aber: Die Energie könnte für Gebäude der Gartenschau genutzt werden.

Diese Verbindung von Gartenschau und Energiegewinnung überzeugte die Ausschuss-Mitglieder. Burkhard Jasper formulierte schon den Buga-Slogan um: " Berg im Aufbruch - blühend und energiegeladen".

EIN KÜNSTLICHER GEYSIR, der heißes Wasser über hundert Meter in die Höhe schleudert, soll die Attraktion der Buga auf dem Piesberg werden. Die Fontäne könnte zum Symbol für das Buga-Leitthema Energie werden und die Kraft der Erdwärme demonstrieren. Fotomontage: Michael Hehmann

NACHTS wird kaltes Wasser in die Tiefe gepresst, wo es sich in einem Riss auf 60 Grad aufheizt.

AM TAGE schießt die Heißwasser-Fontäne im Stundentakt bis zu 100 Meter in die Höhe.

Eine gläserne Klinge im Berg

Ideen für die Buga: Studierende präsentieren Ergebnisse eines Workshops

Osnabrück hin

Wie eine Klinge einen Laib Brot zerteilt, schneidet sich eine riesige Glaswand in den Piesberg: eine Idee von polnischen Studierenden, geboren während eines Internationalen Workshops der Fachhochschule Osnabrück.

Einen Blick in das Innere dieses gläsernen Gebäudes erlaubt eine Ausstellung heute und morgen in der Fachhochschule. Die Fakultät für Agrarwissenschaft und Landschaftsarchitektur präsentiert die Ergebnisse des fünftägigen Workshops, an dem im September Studierende der Universitäten in Breslau, Innsbruck, Larensteijn (Niederlande), Dresden und der FH Osnabrück teilnahmen. Das Projekt wurde gefördert von der Bundesstiftung Umwelt, der Stadt Osnabrück und dem Freundeskreis der Fachhochschule.

" Hochinteressante Entwürfe" seien in der Ideenwerkstatt entstanden, sagte gestern Prof. Dirk Manzke vom Fachgebiet Städtebau und Freiraumplanung. Er hatte zusammen mit Prof. Hubertus von Dressler und Prof. Dr. Hans-Albrecht Dicke den Workshop fachlich begleitet.

Die Aufgabe: Die Studierenden sollten für die Bundesgartenschau ein " Bild" entwickeln, das ein Zeichen setzt, einmalig und einprägsam ist. Dieses " Bild" sollte den Piesberg und seine besonderen historischen, ökologischen und wirtschaftlichen Potenziale aufnehmen und ihn mit der Stadt in Verbindung bringen.

Eine Gruppe formte ein " Raumband", das von der Innenstadt bis zur Spitze des Berges reicht und die Besucher leitet, österreichische Studierenden schlagen eine vertikale Erschließung des Steinbruchs für die Buga vor: Wie in einem Fahrstuhl sollen Besucher die Buga-Themen erleben. Nicht als Berg, sondern als Krater betrachtet ein Team das Buga-Gelände. Die holländischen Studenten richteten ihren Blick vor allem auf die Welt unter den Füßen, auf den Müll im Berg. Öffnungszeiten: Samstag, 10 bis 17 Uhr, Sonntag, 11 bis 15 Uhr; Ort: Fachhochschule, Caprivistraßc 30a, Gebäude CN 0001. Führungen: Samstag, 15 Uhr, Sonntag 11 und 15 Uhr.

DER PIESBERG AUFGESCHNITTEN: Studierende aus Deutschland, Österreich und Polen haben vier Tage über Konzepten für die Buga gebrütet. Die Fachhochschule präsentiert an diesem Wochenende die Ergebnisse in einer Ausstellung, die gestern Abend von Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip (rechts) eröffnet wurde. Foto: Hermann Pentermann

Hintergrund

Geothermie zum Heizen

85 Prozent der Haushalte auf Island heizen mit Erdwärme. In Deutschland muss sehr tief gebohrt werden, um auf ausreichend hohe Temperaturen zu stoßen. Mit jedem Kilometer Tiefe steigt die Temperatur um 30 Grad. In Deutschland gibt es mehrere Anlagen, die 100 Grad heißes Thermalwasser aus 2 500 Meter Tiefe fördern. Diese Anlagen arbeiten mit zwei Bohrlöchern, die einen Wasserkreislauf ermöglichen. Das Verfahren setzt hochdurchlässige Gesteinsschichten voraus, die es nur an wenigen Stellen gibt. Das Geozentrum in Hannover arbeitet an einer neuen Technik, die aus der Erdölindustrie stammt und mit einem Bohrloch auskommt. Der Wärmeaustausch findet in künstlich produzierten Rissen im Granit statt. 2006 wird in Hannover mit dem Bau der 7, 5 Millionen Euro teuren " GeneSys"- Demonstrationsanlage begonnen. Ziel ist es, die Gebäudekomplexe des Geozentrums, in dem 1 000 Beschäftigte arbeiten, komplett mit Erdwärme zu beheizen. Die Bohrung wird auf 3 500 Meter abgeteuft. Während der 25-jährigen Laufzeit werden 15 Millionen Euro an Brennstoffkosten eingespart und 87 500 Tonnen Kohlendioxid vermieden. Das entspricht dem jährlichen CO2-Ausstoß von 1 000 Mittelklasseautos. Im Geozentrum sind das Institut für Geowissenschaftliche Gemeinschaftsaufgaben (GGA), das Niedersächsische Landesamt für Bodenforschung (NLfB) und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) zusammengefasst. (Mehr im Internet: www.gga-hannover.de)

Der Fehler von München

Osnabrück will den Fehler von München nicht wiederholen: Die Bundesgartenschau sei " zu intellektuell angelegt" gewesen, sagt DBU-Chef Fritz Brickwedde. Wenn Osnabrück die Buga 2015 mit dem Thema Energie überfrachte, drohe dieselbe Gefahr. Ein Ideenlabor renommierter Planungsbüros hatte der Stadt unter anderem empfohlen, erneuerbare Energien zum Leitthema der Piesberg-Buga zu machen. Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip sieht darin auch einen Ansatz, die Brücke zur Friedensstadt zu schlagen. Die knappen Energieressourcen werden sich nach seiner Einschätzung in den nächsten Jahrzehnten zum Konfliktherd Nummer 1 in der Welt entwickeln. Die Suche nach Energiequellen, die für alle Menschen erreichbar seien, sei ein großer Beitrag zur Friedenssicherung. Kritiker befürchten, dass der Charakter der Gartenschau unter diesen Ansätzen leiden könnte. Umstritten ist auch, ob Osnabrück das von den Ideengebern angeregte Kompetenzzentrum für erneuerbare Energien aufbauen kann. Zahlreiche andere Standorte würden sich dafür eher eignen. Der Buga-Lenkungsausschuss will das Thema Energie dennoch weiterverfolgen. Experten sollen Konzepte erarbeiten, die eine Brücke schlagen sollen zwischen Biologie, Botanik und Energiegewinnung.

KEINE FREUDE hatten viele Gartenfreunde an der Buga 2005 in München. Die Schau sei thematisch überfrachtet gewesen, sagen Kritiker. Den Fehler will Osnabrück nicht wiederholen.
Autor:
Wilfried Hinrichs


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