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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Aus alpinen Wäldern in die Industriebrachen
Zwischenüberschrift:
Der Birkenzeisig ist im Winter regelmäßig hier zu Gast
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
GRAUBRAUN ist der Birkenzeisig, nur seine Stirn ist rot. Im Osten der Stadt brütet der kleine Finkenvogel am liebsten. Foto: Bernhard Volmer

Fledder

Der Birkenzeisig ist ein kleiner, graubraun gestreifter Finkenvogel mit leuchtend roter Stirn und schwarzem Kinn. Die Männchen besitzen eine schwach rot gefärbte Brust. In Osnabrück ist der Birkenzeisig ein regelmäßiger Wintergast in stark schwankender Anzahl und ein mäßig häufiger Brutvogel. Er ist im Winterhalbjahr bei uns weit weniger häufig als sein nächster Verwandter der Erlenzeisig.

In manchen Jahren treten Birkenzeisige invasionsartig in großen Winterschwärmen auf, die ruhelos umherziehen und nicht lange an einem Ort verweilen. Sie halten sich überwiegend in Erlen, Weiden und Birken auf, um dort den Samen zu fressen. Oft vergesellschaften sich die Vögel mit Erlenzeisigen.

Es lohnt sich daher immer wieder, einen Trupp Erlenzeisige, der in einer Erlen- oder Birkenkrone eingefallen ist, mit einem Fernglas gewissenhaft nach Birkenzeisigen abzusuchen. Im ausklingenden Winter verlassen uns die Tiere wieder und fliegen weit nach Norden in ihre Brutgebiete, den Fjällbirkenwäldern oder der mit Birken und Weiden bestandenen Tundra.

So weit, so gut, gäbe es nicht eine mitteleuropaische Rasse, die sich seit Jahren ausbreitet und erstmals 1992 in Osnabrück gebrütet hat. Es spricht viel dafür, dass diese Gründerpopulation aus den Alpen stammt und von dort die Mittelgebirge und dann unsere Städte besiedelt hat. Die Mittel- und Nordeuropäer werden von einigen Experten inzwischen als getrennte Arten aufgefasst.

Von 1992 bis 2001 lief der Birkenzeisigbestand in Osnabrück schnell auf 50 bis 120 Brutpaare an. Seit einigen Jahren ist jedoch ein Rückgang festzustellen, offenbar scheint der Bestand auch von Jahr zu Jahr zu schwanken.

Interessant ist, dass die Vögel bei uns nicht in ruhigen, naturnahen Wäldern brüten, in Anlehnung an die subalpinen Nadel- und Birkenwälder ihrer ursprünglichen Brutge-biete, sondern überwiegend im Siedlungsbereich der Stadt Osnabrück. In der Regel sind es mit Birken und Weiden bestandene Industriebrachen, kleine Ruderalstellen, auch entlang von Bahndämmen sowie Odlandflächen mit einem deutlichen Schwer punkt im östlichen Bereich der Stadt: ehemaliger Güterbahnhof, Industriebrache Klöckner, Industriegebiet Fledder.

Diese mit Pioniergehölzen schnell zuwachsenden Brachen scheinen für Birken zeitige ideale Esatzbiotop zu sein. Die weitere Entwicklung dieser Brutvögel ist hochinteressant und wird weiterverfolgt und dokumentiert.
Autor:
Gerhard Kooiker


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