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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Ihr Hobby ist die pure Lust am Fliegen
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Der Aero-Club Osnabrück feiert seinen 50. Geburtstag - Am 18. und 19. Juni "mobilAirmotion" mit großem Programm auf der Atterheide
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Originaltext:
Ihr Hobby ist die pure Lust am Fliegen

Der Aero-Club Osnabrück feiert seinen 50. Geburtstag - Am 18. und 19. Juni " mobilAirmotion" mit großem Programm auf der Atterheide

Von Dietmar Kröger (Text) und Gert Westdörp (Fotos)

Osnabrück
Nach einem kurzen Sprint über den Asphalt hebt unsere Maschine ab. Pilot Hermann Schlagge drückt die Piper PA 28 in eine Linkskurve. Plötzlich ist mir der Himmel näher als die Erde. Ich schlucke, um den Druck aus den Ohren zu bekommen. Keine Stewardess weit und breit, die mit einem zuckersüßen Lächeln die Sorgenfalten aus meiner Stirn bügeln könnte. Denn das, was wir da gerade über dem Flugplatz Atter machen, ist Fliegen pur - jedenfalls für den urlaubsjetverwöhnten Redakteur. Für Schlagge, Mitglied im Aero-Club Osnabrück, der am kommenden Wochenende seinen 50. Geburtstag feiert, ist es die pure Lust am Fliegen.

Es ruckelt, es schüttelt, es ist laut, und wer sich vorne auf dem Kopilotensitz die Jacke ausziehen will, braucht die Hilfe seines Hintermannes, weil die beengte Räumlichkeit des Cockpits die Bewegungsfreiheit bis an den Rand körperlicher Erstarrung eingrenzt. Was also in drei Teufels Namen macht die Hobbyfliegerei so schön, dass ihr auf der Atterheide seit nunmehr 50 Jahren die Mitglieder des Aero-Clubs Osnabrück verfallen sind? Die Antwort ist so simpel und doch so schwer in Worte zu fassen: Fliegen ist ein Lebensgefühl für sich, mit nichts anderem vergleichbar. Die Welt unter den Tragflächen ist zwar keine andere, aber sie sieht anders aus. Die ungewohnte Perspektive ermöglicht neue Einblicke und manchmal vielleicht auch neue Einsichten. Wie auch immer - mit der Fliegerei erfüllt sich der Mensch einen ganz alten Traum. Und die Erfüllung eines Traumes ist eben immer etwas Besonderes.

" Ich habe schon als kleiner Junge in unserem Garten gestanden und den Flugzeugen hinterhergeschaut", sagt Werner Mattner. Klar, dass der Pilotenschein eine logische Konsequenz dieser Sehnsucht war. Gelernt hat er das Fliegen im Aero-Club, der seit 1959 eine eigene Flugschule betreibt. Knapp 300 Piloten wurden hier bereits ausgebildet. Übrigens mit stetig steigendem Frauenanteil, der allerdings mit 18 Frauen bei insgesamt 260 Mitgliedern absolut gesehen noch immer ein wenig unterrepräsentiert ist. Insgesarnt aber macht der Aero-Club Osnabrück als einer der mitgliederstärksten im landesweiten Vergleich eine gute Figur.

Im Mai 1955 bekam die Bundesrepublik die Lufthoheit zurück, und schon am 11. August 1955 trafen sich 28 Flieger und Flugbegeisterte zur Neugründung eines Fliegerclubs im Lokal Pentermann in der Möserstraße. Mit reichlich Ausdauer, Eigenleistung und eigenem Geld wurde im Laufe der Jahre nicht nur der Club, sondern auch das gepachtete Flugplatzgelände kontinuierlich ausgebaut. Knapp 50 Maschinen finden in den Hangars auf der Atterheide Platz. Sechs davon sind im Besitz des Clubs. Praktisch, weil nah: Eine Flugzeugwerft ist ebenfalls auf dem Gelände beheimatet. Die fünf Mitarbeiter des Flugservice Osnabrück warten und reparieren nicht nur die clubeigenen Maschinen. Das eigenständige Unternehmen kann auf Kundschaft aus dem gesamten Bundesgebiet verweisen.

" Wir sind keine fliegenden Geldsäcke", sagt Wilfried Bockbreder und beugt damit einem weit verbreiteten Vorurteil vor. Zwar sei die Fliegerei nicht gerade das billigste Hobby, aber eben auch kein Vergnügen, das nur dem Geldadel vorbehalten sei. Für die Nutzung einer clubeigenen Maschine zahlen die Mitglieder einen Euro pro Flugminute. Bei etwa einer Stunde Flugzeit zum Beispiel bis zu Insel Langeoog, wären also für Hin- und Rückflug 120 Euro fällig. Zieht man Spritgeld und die Kosten für die Fähre ab, ist die Fliegerei zwar immer noch teurer als die Autoreise, es bleibt aber auch noch ein bisschen mehr Zeit für den Tag am Strand.

Bei Preisen bis locker über 300000 Euro trennt sich allerdings bei der Anschaffung eines neuen Fluggeräts die Spreu vom Weizen. Wer trotzdern eine eigene Maschine sein Eigen nennen möchte, kann sich mit anderen Flugbegeisterten zusammentun. So unterhält Mattner gemeinsam mit Freunden den Oldtimer der Atterheide, eine Cessna 140 aus dem Jahr 1946.

Wilfried Bockbreder mag es da schon eine Nummer größer. Als Berufspilot fliegt er eine zweimotorige Maschine, die sich in Firmenbesitz befindet. Das ist nicht ganz unüblich auf der Atterheide, da der Trend zur Firmenfliegerei in den letzten Jahren immer mehr zugenommen hat. Getreu dem Motto: " Zeit ist Geld" greifen Geschäftsleute zunehmend selbst zum Steuerknüppel oder lassen sich vonTermin zu Termin fliegen. Bockbreder kann es recht sein. Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Eigentlich sind die Bockbreders, neben Wilfried gibt es da noch Bruder Rolf, mit Flugbenzin groß geworden. Ihr Vater Friedel war 30 Jahre lang Flugplatzchef in Atter und ist heute Ehrenmitglied des Vereins. Seine Frau, von allen Fliegern liebevoll Linni genannt, hat die erste Gastronomie auf der Atterheide ins Leben gerufen. Zunächst gab es in der eigenen Küche die angeblich weltweit besten Bratkartoffeln für die Piloten. Irgendwann sprengte die Nachfrage aber die Dimensionen der Familienküche, und das Restaurant war geboren.

Mittlerweile verfügt der Verkehrslandeplatz, wie es richtig heißt, über eine asphaltierte Landebahn, die ein Gewicht der Maschinen von bis zu 5, 7 Tonnen zulässt, und einen neuen Tower. Bis zu 11000 Flugbewegungen pro Jahr legen Zeugnis ab über die Beliebtheit des Flugplatzes, der auch schon von etlichen Prominenten mit Ziel Osnabrück genutzt wurde. Neben König Juan Carlos, Bundespräsident Horst Köhler oder Innenminister Otto Schily war auch schon Komiker Otto Waalkes zu Gast, natürlich mit eigener und selbst gesteuerter Maschine. Der soll sich den Gerüchten zufolge bei seinem ersten Alleinflug nach Osnabrück nicht hundertprozentig an die strengen Funkregeln gehalten haben, die nur eine kurze, auf das Notwendigste beschränkte Konversation vorsehen. Waalkes hingegen kündigte sich beim Tower an mit den Worten: " Hallo, hier kommt der Otto, heute ganz allein."

DIE ORGANISATOREN DER MOBILAIRMOTION: Wilfried und Rolf Bockbreder (r.).

mobilAirmotion am 18. und 19. Juni auf der Atterheide

mobilAirmotion hat der Aero-Club seine Jubiläumsshow in Anlehnung an die parallel in der Stadt stattfindende Mobilmotion genannt. Das Programm startet am Samstag, 18. Juni, um 11 Uhr mit einer Kunstflug- und Old-timerShow. Ab 15 Uhr steht eine Antonov AN2, ein mehrsitziger Doppeldecker für Rundflüge bereit. Außerdem gibt es neben Segelkunstflug Fallschirmsprünge zu sehen und die Möglichkeit, einen Tandemsprung zu wagen. Am Sonntag setzt, sich das Programm mit einem Jazz-Frühschoppen um 11 Uhr fort. Auch an diesem Tag ist die Antonov zu Gast. Tandemspringen, Kunstflug, Oldtimer-Show werden dann noch durch Modellflugvorführungen ergänzt. Da die Veranstalter mit weit über 10000 Besuchern rechnen, sollte, wer kann, mit dem Rad oder Bus nach Atter fahren. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.Atterheide.de oder unter Tel. 0541/ 128881.

Zur Sache: Die Geschichte der Motorfliegerei in Osnabrück

Die Vorgeschichte

1909: Gründung des " Nordwestdeutschen Vereins für Luftschifffahrt" mit Gustav Tweer, dem norddeutschen Luftfahrtpionier
1918: Zwangspause nach dem Ersten Weltkrieg
1925: Neugründung des Vereines als " Osnabrücker Verein für Luftfahrt". Landeplatz in der Netter Heide. Noch heute existiert die Flugzeughalle auf einem Firmengelände.
1933: Unter nationalsozialistischer Herrschaft erfolgt die Zwangsauflösung und Gleichschaltung als " Fliegerortsgruppe Osnabrück" im Deutschen Luftsportverband
1945: Verbot jeglicher fliegerischer Aktivität

Der Aero Club Osnabrück

11. August 1955: 28 ehemalige Flieger und Flugbegeisterte treffen sich zur Neugründung eines Fliegerclubs im Lokal Pentermann an der Möserstraße.
13. Februar 1956: Eintrag ins Vereinsregister als Aero Club Osnabrück e. V.
Sommer 1956: Aufnahme des Flugbetriebs auf dem Gelände des ehemaligen Militärflugplatzes in Vörden. Die ersten beiden Clubmaschinen, eine " Turbulent" und eine Piper J3C, können angeschafft werden.
Sommer 1957: Erster erfolgreicher Flugtag mit 15000 Zuschauern aus Osnabrück und dem Umland
25. April 1959: Der Club zieht um. Einweihung des neuen Flugplatzes auf der Atterheide auf dem Gelände des Guts von der Leye. 1959 ist der Aero Club Osnabrück mit 28 aktiven Piloten und 5 Maschinen der stärkste Verein in Niedersachsen.
1959: Gründung der Flugschule. Bis 2004 haben 287 Schüler mit der Ausbildung zum Privatpiloten begonnen.
60er und 70er Jahre: Flugtag 1961 mit 30 000 Zuschauern, 1961 Ausbau der Start-/ Landebahn, zahlreiche fliegerische Kontakte zu Clubs im In- und Ausland (z. B. Tiger Club Red Hill bei London).
Ab 1977: Regelmäßige Teilnahme am Jugendaustauschprogramm der Stadt Osnabrück.
1980: Asphaltierung der Start-/ Landebahn
1983: Dem Flugplatz Osnabrück Atterheide wird 1983 nach einer Umfrage Rang drei als fliegerfreundlicher Platz zugesprochen.
1986: Die Mitgliederzahl steigt auf über 250 an.
1986/ 90: Mit Einweihung des neuen Towers und dem Neubau des Clubheims erreicht der Flugplatz seine heutige Ausbaustufe
2005: Geschäftsfliegerei, die Flugschule und ein luftfahrttechnischer Betrieb machen den Verkehrslandeplatz Osnabrück zu einem bedeutenden Faktor für die Verkehrs- und Freizeitstruktur der Region. Mit sechs clubeigenen Maschinen und etwa 40 Flugzeugen im Privatbesitz der 260 Vereinsmitglieder, darunter 18 fliegende Frauen, gehört der Aero-Club Osnabrück zu den bedeutenden Luftsportvereinen in Deutschland.
Autor:
Dietmar Kröger


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