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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Seit 1958 ist der Wall keine Flaniermeile mehr
Zwischenüberschrift:
Eine fast 100 Jahre alte Postkarte zeigt, wie beschaulich es dereinst in der Promenade vor dem Heger Tor zuging
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Seit 1958 ist der Wall keine Flaniermeile mehr

Eine fast 100 Jahre alte Postkarte zeigt, wie beschaulich es dereinst in der Promenade vor dem Heger Tor zuging

Innenstadt (tos)
" Vor dem Hegertor" steht auf der Postkarte, die 1910 aus Osnabrück versendet wurde. Trotz dieses Hinweises fällt es dem heutigen Betrachter schwer, die Abbildung zuzuordnen: Dort, wo früher Spaziergänger durch Grünanlagen flanierten, dröhnt heute der Verkehr. Von der ursprünglich breit angelegten, baumgesäumten Wallpromenade ist nur ein schmaler Mittelstreifen übrig geblieben.

Mangelnde Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten innerhalb der Stadt waren in den 1870er Jahren ausschlaggebend für die Anlage der großzügigen Wallpromenade. Die Bevölkerung nahm dieses Angebot gerne an: Die Osnabrücker nutzten die grüne Lunge am Kanzlerwall (heute Heger-Tor-Wall) als sonntägliche Flaniermeile. Ganze Familien spazierten in Feiertagskleidung, so wie es die Ansichtskarte zeigt, über die Anlage. Man traf sich am Brunnen vor dem Heger Tor zum Plausch und tauschte Neuigkeiten aus. Um 1907 wurde die baumbestandene Promenade an einigen Abschnitten mit exotischen Pflanzen bestückt. Palmen, Bananen und Yuccas wurden als Kübelpflanzen in die Grünflächengestaltung einbezogen. Im Winter zogen die tropischen Gewächse in die Stadtgärtnerei um.

Abgesehen von wenigen Eingriffen hielt sich der Charakter der Wallanlage bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Erst 1958 erfolgte die massive Veränderung des Walls von der Rehmstraße bis zum Heger Tor. Ein großer Teil der Grünanlagen und des Baumbestandes fiel dem wachsenden Verkehr zum Opfer: Der Wall wurde endgültig zum Verkehrsring. Ungewöhnlich scharf reagierte damals das Osnabrücker Tageblatt auf die angekündigte Rodung und titelte " Am 4. August soll der Wall sein Gesicht verlieren und Rennbahn werden". Doch der Protest erzielte keine Wirkung, und so hieß es später: " Armes Osnabrück!"

Noch etwas fällt beim Vergleich der historischen und der aktuellen Aufnahme auf: Der Kirchturm der Katharinenkirche, der in der Bildmitte zu sehen ist, hat sich verändert. Die historische Ansichtskarte zeigt St. Katharinen noch mit den markanten Ecktürmchen. Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche beim letzten Luftangriff auf Osnabrück teilweise zerstört. Der neue Turmhelm aus den 50er Jahren präsentiert sich ohne die auffälligen Eckbekrönungen.

Im Zuge der Altstadtsanierung in den 70er Jahren veränderte sich auch die Dielingerstraße, die auf dem aktuellen Foto zwischen dem weißen Eckgebäude In der Bildmitte und dem gelben Haus mit weißen Fensterrahmen vom Heger-Tor-Wall abführt. Nach Plänen der Stadtverwaltung sollte hier eine neue Verkehrsachse entstehen. Die Entwürfe lösten bei den Osnabrückern erhebliche Proteste aus. Die Lotter Straße wurde nicht verlegt, in der Dielingerstraße, die ursprünglich eine kleinteilige Altstadtgasse war, verschwanden ganze Häuserzeilen im Zuge der Straßenverbreiterung. Anfang der 80er Jahre wurde der südliche Teil der Dielingerstraße fertig gestellt.

VOR 100 JAHREN war der Wall ein Treffpunkt. Zur Orientierung: Rechts ragt das Kulturgeschichtliche Museum auf. Unsere Leserin Marga Remmert stellte uns die Ansichtskarte zur Verfügung.

DER GLEICHE BLICKWINKEL HEUTE: Die einstige Wallpromenade besteht fast nur noch aus Asphalt, Fußgänger können sich hier nicht mehr tummeln. Foto: Gert Westdörp
Autor:
tos


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