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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Kulturgut oder Frage der Kundenbindung?
Zwischenüberschrift:
Streit um Bushaltestellenname
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Kulturgut oder Frage der Kundenbindung?

Streit um Bushaltestellenname

Osnabrück (fhv)
Kultur oder Kommerz? Auf diese einfache Abwägungsformel lasst sich ein Konflikt bringen, der jetzt um eine Bushaltestelle in der Innenstadt entbrannt ist: Die Haltestelle Adolf-Reichwein-Platz soll künftig " Kamp-Promenade" heißen. Und das ruft die Kritik der Gesellschaft auf den Plan, die das Andenken des Pädagogen und Widerstandskämpfers Adolf Reichwein pflegen will.

Nicole Schmidt, Center-Managerin der Kamp-Promenade, hat es in den letzten Tagen den Anwohnern rings um das Shopping-Center mitgeteilt: " Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu können, dass die bisherige Bus-Haltestelle Adolf-Reichwein-Platz in Kamp-Promenade umbenannt wird." Der Namenswechsel solle Ende August zum Fahrplanwechsel der Stadtwerke erfolgen, die Kosten übernehme die Eigentümerin der Kamp-Promenade für deren Werbegemeinschaft. Und weiter: " Die Umbenennung wird entscheidend dazu beitragen, die Kamp-Promenade als Einzelhandels-Standort und Innenstadtquartier bei unseren Kunden weiterhin zu etablieren."

Das sehen die umliegenden Einzelhändler naturgemäß ein wenig anders. Von einer " falschen Entscheidung" spricht zum Beispiel Lennart Neuffer von der Buchhandlung zur Heide. Es sei das falsche Signal, wenn ein Widerstandskämpfer und Namensgeber für die frühere Pädagogische Hochschule Osnabrück aus dem öffentlichen Bewusstsein gestrichen werden solle.

Adolf Reichwein (1898-1944) war Professor für Geschichte und Staatsbürgerkunde in Halle. Der Widerstandskämpfer gegen die Nazis engagierte sich Im Kreisauer Kreis und wurde vom Volksgerichtshof nach dem Attentat auf Adolf Hitler zum Tode verurteilt. Bis 1973 trug die damalige PH Osnabrück seinen Namen.

Im Namen der Adolf-Reichwein-Gesellschaft hat zwischenzeitlich Prof. Arnold Schmieder bei Oberbürgermeister Hans-Jürgen Fip gegen die Umbenennung der Haltestelle interveniert. Hier gelte es ein " Kulturgut" zu bewahren, so Schmieder. Und weiter: " Man sollte dabei auch nicht vergessen, dass die Namensgebung der Haltestelle auf einen Wunsch der unlängst verstorbenen Elisabeth Siegel erfolgte." Die Mösermedaillen-Trägerin Elisabeth Siegel war eine Weggefährtin von Adolf Reichwein.

Firmen können Haltestelle " kaufen"

Jörg Segebarth, Werbeleiter der Stadtwerke, bestätigte gestern, dass Firmen mittlerweile eine Haltestelle " kaufen" können: " Wir wollen uns einfach mal für solche Ideen öffnen", sagte Segebarth, " die Initiative ging von den Stadtwerken aus." Andere Beispiele seien die Haltestelle " Osnatel-Arena" für das Stadion an der Bremer Brücke oder Ikea in Hellern.

Andererseits bestätigte Segebarth, die Frage Adolf-Reichwein-Haltestelle sei auch in der Stadtwerke-Hauptversammlung und zuvor im Aufsichtsrat ein Thema auf der Tagesordnung gewesen. Im Gegensatz zur Haltestelle behalte der Platz selbst ja auch seinen Namen.

Den Preis für diese befristeten Werbeverträge wollten die Stadtwerke allerdings auch auf Rückfrage nicht nennen. Auch gebe es weiterhin Tabus, sagte der Werbeleiter: Die Haltestelle Hauptbahnhof in " Spielbank" oder den Neumarkt in " H& M" umzutaufen sei immer noch undenkbar.

IHREN NAMEN VERLIEREN soll diese Bushaltestelle: Aus " Adolf-Reichwein-Platz" wird dann zum Fahrplanwechsel im August die Bezeichnung " Kamp-Promenade".
Foto: Gert Westdörp
Autor:
fhv


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