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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Mit dem Pferdedroschken-Taxi zum Sonntagskaffee
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Radfahrer, Rollschuhläufer und Reiter tummelten sich in der City: Seit Jahr und Tag war die Luft nicht mehr so rein
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Originaltext:
Mit dem Pferdedroschken-Taxi zum Sonntagskaffee

Radfahrer, Rollschuhläufer und Reiter tummelten sich in der City: Seit Jahr und Tag war die Luft nicht mehr so rein

Von Ulrike Schmidt

Osnabrück

Sonntagsfahrverbot für den privaten Autoverkehr in Großstädten? Einige Politiker halten das für eine Möglichkeit, gegen die Luftbelastung mit Feinstaub anzugehen. Das weckt bei vielen die Erinnerung an die Ölkrise und die darauf folgenden Sonntagsfahrverbote 1973.

Im Oktober 1973, am Ende des Jom-Kippur-Krieges, verhängten die arabischen Erdölförderländer (OPEC) einen Lieferboykott gegen israelfreundliche Staaten. Die Förderung wurde reduziert und der Preis für Rohöl stieg. Um Öl einzusparen, erließ die sozialliberale Bundesregierung unter Kanzler Willy Brandt ein sonntägliches Fahrverbot für Pkw und Lkw. Fünf weitere europäische Staaten beteiligten sich an dem Verbot.

Am 25. November 1973 war der erste autofreie Sonntag. " Seit Jahr und Tag war die Luft nicht mehr so rein wie am gestrigen Sonntag", titelte die Neue OZ in ihrer Montagsausgabe. Die Osnabrücker hielten sich offenbar an das Verbot, zumindest wurden keine Fahrer ohne Ausnahmegenehmigung erwischt. Bundesweit waren damals rund 13 Millionen Wagen betroffen. 1 300 Fahrsünder gingen den Kontrolleuren ins Netz, woraufhin das Bußgeld von 80 auf 500 Mark erhöht wurde. Am zweiten Sonntag erwischte die Polizei bundesweit nur noch 222 Schwarzfahrer.

Eine, die unerlaubt am späten Sonntagabend unterwegs war, begegnete keiner Polizeikontrolle. Bei Karin Peters hatten die Wehen eingesetzt, und mit bangem Gefühl ließ sie sich von ihrem Mann ins Krankenhaus bringen, wo sie am Montag Tochter Nicole zur Welt brachte. Vermutlich hätte in diesem Fall die Polizei ein Auge zugedrückt.

Die Osnabrücker genossen offensichtlich den abgasfreien Tag: Mitten auf dem Neumarkt tummelten sich die Rollschuhfahrer (Inliner waren damals noch unbekannt), viele schon verrostete Räder wurden wieder verkehrstüchtig gemacht, und sogar Reiter trabten ungestört über die Martinistraße. Das Parkhotel richtete einen Pferdedroschken-Pendelverkehr zwischen Heger Holz und Neumarkt ein, zudem belebten Pferde- und Eselsgespanne den Straßenverkehr.

Ähnlich ruhig verliefen die drei folgenden autofreien Sonntage, bis das Fahrverbot aufgehoben wurde, weil eine Entspannung der Ölkrise absehbar war. Immerhin hatten die OPEC-Staaten mit ihrem Druckmittel Öl Erfolg: Die bis dahin eher neutralen europäischem Staaten forderten Israel zur Räumung der im Sechs-Tage-Krieg eroberten Gebiete auf. Jetzt ist ein Fahrverbot wegen Feinstaubbelastung in der Diskussion. Nach einer EU-Richtlinie darf die gesundheitsgefährdende Mischung aus Dieselruß, Baustaub, Reifenabrieb und Abgasen den Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter an 35 Tagen im Jahr nicht überschreiten. In Osnabrück wurden in den vergangenen drei Monaten neun Tage mit einer Belastung oberhalb des Grenzwertes registriert.

Allerdings Hegt die Messstation am Ziegenbrink und nicht an einer der Hauptverkehrsstraßen. Das sei nicht unüblich, berichtete gestern Michael Köster vom Lufthygienischen Überwachungssystem Niedersachsen. Die EU schreibe nicht gemeinde-, sondern gebietsbezogene Messstationen vor. Nach gründlichen Anfangserhebungen erlaube die EU nun Modellrechnungen nach Schätzwerten.

DIE PFERDEDROSCHKE pendelte zwischen Heger Holz und Neumarkt.

DAS AUTOFREIE ROLLSCHUHERLEBNIS ANNO 1973. Heute ermöglicht die Stadt bei den Inliner-Nächten den ungestörten Lauf auf den Wällen - allerdings nur für wenige Stunden. Fotos: Archiv
Autor:
Ulrike Schmidt


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