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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Schiller-Feier ohne Glockenläuten
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im Mai 1905: Moorbrand und Arbeitskämpfe erregten die Gemüter
Artikel:
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Originaltext:
Von Christiana Keller

Osnabrück

Friedrich Schüler, ein deutscher Dichter: Eine offizielle Schiller-Feier musste es im Jahr 1905 auch in der Stadt Osnabrück geben.

Der 100. Todestag von Friedrich Schiller wurde vom Magistrat in großem Stil geplant, mit Fackelzug, öffentlichen Lesungen und einem Festakt im Vereinshaus. Dass aber auch die Glocken der Osnabrücker Kirchen dazu läuten sollten dagegen votierte der Osnabrücker Bischof Hubertus Voß: Es könnte in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen, die Feier hätte ein kirchliches Gepräge, " was ja von keiner Seite beabsichtigt wird".

Eine drakonische Strafe bekam ein Dieb aufgebrummt, der versucht hatte, das soeben gestohlene Fahrrad in einer Wirtschaft weiter zu veräußern. Für acht Monate musste er hinter Gitter und verlor seine bürgerlichen Ehrenrechte auf zwei Jahre. Die Strafe sollte auf andere Spitzbuben abschreckend wirken. Die so genannte " Klusbadeanstalt", darunter verstand man die Badestelle in der Hase an der Hamburger Straße, hatte die Stadt ein weiteres Jahr verpachtet. Vom 16. Mai bis 30. September 1905 konnten dort " Personen männlichen Geschlechts" unentgeltlich im Nass der Hase Erfrischung suchen. Da der Fluss am Hauptbahnhof durch Industrieabwässer schon recht verdreckt war, kann es kein " reines" Badevergnügen gewesen sein.

Wieder streikten Arbeiter in Osnabrück für bessere Arbeitszeiten und gerechtere Löhne. Alle organisierten Maurer der Stadt waren in den Ausstand getreten. Über Wochen bewegten sich die Verhandlungen nicht, dennoch sollte und musste weitergebaut werden.

Da ließen sich einige Arbeitgeber etwas einfallen: Sie " importierten" Maurer aus Italien, die in extra errichteten Baracken untergebracht wurden.

Jeden Morgen und jeden Abend wurden die Italiener in ihre Quartiere eskortiert und mussten jedes Mal durch eine große Menschenmenge geführt werden, die gegen diese Hilfsarbeiter protestierten. Gewerkschafter aus dem Ruhrgebiet, die den Streikenden Mut machen sollten, sprachen in ihren Vorträgen vom " Osnabrücker Modell". Nach sechs Wochen mussten die Streikenden aufgeben und die Arbeit zu den gleichen Bedingungen wie vor dem Arbeitskampf wieder aufnehmen.

Wegen anhaltender Trockenheit und ständigen Windes brannten im Nordwesten des Osnabrücker Landes über 800 Morgen Moor. Die Schwaden drangen bis nach Osnabrück. Der Funkenflug beim Abbrennen der Moore vernichtete auch große Kartoffel- und Roggenflächen der Moorsiedler.

Während in manche Gegenden der Provinz Menschen aus den östlichen Teilen der preußischen Monarchie zuzogen, machte sich in anderen Regionen eine anhaltende Abwanderung niedersächsischer Bewohner bemerkbar.

Eine Gruppe Werber der königlichen Ansiedlungskommission für Posen und Westpreußen hatte besonders in den Kreisen Wittlage, Bersenbrück und Diepholz Erfolg. Hunderte von Heuerlingen, die sich ein freies Leben als eigene Herren wünschten, folgten den Versprechungen und ergriffen diese Chance hoffnungsvoll.

Der Germania Garten beim Hotel Germania an der Wittekindstraße erfreute sein verwöhntes Publikum in der neuen Freiluftsaison mit einer modischen Grottenanlage. Alle Gartenmöbel waren frisch überarbeitet, Bassins und Fontänen gereinigt, und auch die Tierkäfige erfreuten die Gäste mit allerlei Bereicherungen. Besitzer Eduard Petersilie ließ wieder Konzertabonnements verkaufen und hoffte auf einen hohen Zuspruch der Gerstensaftgemeinde. Die Biergartenzeit war endlich wieder da.

Fotountertitel:

BADEN IN DER HASE? Kurz oberhalb der Neuen Mühle, hier auf einer Ansichtskarte aus der Zeit vor 1908, befand sich einmal die Klus-Badeanstalt.
Autor:
Christiana Keller


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