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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Unter dem Kessel soll wieder Feuer brennen
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Dampflokfreunde wollen die " 41052" restaurieren - "Anheizer gesucht" - Tag der offenen Tür am Zechenbahnhof
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Originaltext:
Unter dem Kessel soll wieder Feuer brennen

Dampflokfreunde wollen die " 41 052" restaurieren - " Anheizer gesucht" - Tag der offenen Tür am Zechenbahnhof

Von Sven Lampe (Text) und Hermann Pentermann (Fotos)

Osnabrück

Einundvierzig-Null-Zweiundfünfziq - den Osnabrücker Dampflokfreunden lässt diese Zahlenkombination das Herz höher schlagen. So hoch, dass sie die historische Lok, die lange Jahre untrennbar mit der Stadt Osnabrück verbunden war, aus ihrem Dornröschenschlaf wecken wollen.

1939 in Dienst gestellt, zog das 177-Tonnen-Gefährt bis Ende der 1970er Jahre Güter- und Personenzüge über die Strecke von Hamburg ins Ruhrgebiet. Von 1978 bis 2001 stand der rotschwarz lackierte Kraftprotz als Denkmal der 150-jährigen Eisenbahngeschichte Osnabrücks in Schinkel. " Sie ist ein Abbild der Wirtschaftswunderjahre und der Osnabrücker Eisen-bahngeschichte", erzählt der Vorsitzende der Osnabrücker Dampflokfreunde, Albert Merseburger.

Seit die 85 Mitglieder des Vereins die " 41" am 7. März von der Stadt Osnabrück übernommen haben, wollen sie die Lok bis 2010 in einen fahrbereiten Zustand versetzen und das Wort " Dampflok" im Vereinsnamen mit Leben erfüllen. Größtes Problem dabei ist die Finanzierung des aufwändigen Projektes. Alles in allem lässt die Kalkulation Kosten in Höhe von rund 500 000 Euro erwarten. " Wenn wir als Anschubfinanzierung nicht mindestens 250 000 Euro zusammenbekommen, brauchen wir gar nicht erst anzufangen", hofft Merseburger auf möglichst viele " Anheizer". Dabei setzen die Dampflokfreunde nicht nur auf das Engagement einiger großer Geldgeber, sondern auch auf den Beitrag vieler kleine Spender. Um diese für das Projekt zu begeistern, lädt der Verein für den kommenden Sonntag zu einem Tag der offenen Tür auf dem Gelände des Zechenbahnhofs am Fuße des Piesbergs ein. Warum steht gerade diese Baureihe beispielhaft für die Osnabrücker Eisenbahngeschichte? Von den 366 gebauten Exemplaren der Baureiheüberstanden 216 den Krieg - wenn auch nicht ganz unbeschadet, wie zahlreiche notdürftig geschweißte Einschusslöcher in der massiven Stahlhaut der Osnabrücker Lok beweisen. Fast zwei Drittel davon waren mehr oder weniger lange in Osnabrück stationiert.

Besonders der Umbau von der ursprünglichen Feuerung des Kessels von Kohle auf Öl und der damit verbundenen Erhöhung der Reich weite von rund 300 auf mehr als 1 000 Kilometer wurde gleichzeitig die Höchstgeschwindigkeit von 90 auf etwas mehr , als 100 km/ h erhöht. Das ermöglichte es der Lok, auch im beginnenden Zeitalter des elektrischen Antriebs, mühelos im Fernverkehr mitzuhalten. Und genau dieser Kessel ist es jetzt, der den Eisenbahnfans die meisten Kopfschmerzen bereitet. Schraubefür Schraube muss der ausgeschlachtete Gigant in seine Einzelteile zerlegt werden, um an das renovierungsbedürftige Herzstück der Lok zu gelangen. Nicht alle Arbeiten bis hin zum Einbau abhanden gekommener Armaturen und modernster Sicherheitstechnik können die Dampflokfreunde allein bewältigen. Einiges muss von Spezialfirmen erledigt werden, für anderes sucht der Verein Handwerker, die auch in ihrer Freizeit nicht von Ihrer Profession lassen können.

" Mit Eisenbahnromantik hat unsere Arbeit nichts zu tun", so Merseburger: " Wir wollen vielmehr ein Zeitfenster in die 50er und 60er Jahre öffnen." Also genau die Zeit, auf das sich das Augenmerk der Dampflokfreunde mit ihren " Donnerbüchsen" - historischen Personenwagen - konzentriert.

Dass sogar die Deutsche Bahn die Aktion des Vereins unterstützt, macht die Dampflokfreurule schon ein wenig stolz. Aus den Beständen des Nürnberger Verkehrsmuseums bekommen die Osnabrücker demnächst eine Diesellok der Baureihe V 100 zur Verfügunggestellt. Damit, so Merseburger, können später der Kessel und das zähflüssige schwere Heizöl auf Betriebstemperatur gebracht werden: " Das geht schließlich nicht mit einem Streichholz."

Ist die " 41" erst einmal fertig, wollen die Dampflokfreunde ihr Zugpferd als " rollenden Botschafter Osnabrücks" für Museumsfahrten einsetzen. Und wenn der Renovierungsfahrplan eingehalten werden kann, haben die Eisenbahnfans auch Ideen, wie Lok und Zechenbahnhof in die Bundesgartenschau 2015 eingebunden werden könnten.

Zunächst einmal steht der Zechenbahnhof am kommenden Sonntag, 10. Juli, von 12 bis 17 Uhr allen Interessierten offen. An dem Tag haben Eisenbahnfans die Möglichkeit, den Fuhrpark zu besichtigen und Fragen zu stellen. Außerdem gib es Fahrten mit einer Draisine und Mitfahrten auf dem Führerstand der KME-Diesellok. Für Musik sorgen David Mechsner/ Dimitri-Suslow-Quintett sowie Alistair Ross. Und Michael Stange fotografiert gegen eine Spende Kinder vor der Osnabrücker Dampflok. Zugang zum Zechenbahnhof besteht über die Glückaufstraße.

Lebenslauf der 41 052

Hersteller: Fa. Henschel & Sohn, Kassel Fabriknummer: 24 354 Gewicht mit vollem Tender: 1771 Länge über Puffer: 23 905 mm Neupreis: 196 800 Reichsmark

22. August 1939: Übergabe an die Deutsche Reichsbahn

26. August 1939: Indienststellung Hamburg-Harburg

18. April 1946-28. Februar 1948: Dienst in Osnabrück

1960: Umbau von Kohle- auf ölfeuerung

1976/ 77: In Rheine teilweise abgestellt

Sommer 1977: Wieder hergestellt für Bauzugeinsätze

8. September 1977: Letzte Fahrt unter DB-Regie

23. September 1977: Kalt abgestellt in Rheine

6. September 1978: Als Denkmal aufgestellt

Sommer 1987: Renovierung durch die Stadt Osnabrück

August 2001: Übernahme durch die Dampflokfreunde

18./ 19. September 2001: Transport zum Zechenbahnhof

September 2001: Beginn der äußerlichen Aufarbeitung

AUS DEM RUHESTAND holen wollen die Osnabrücker Dampflokfreunde die historische 41052, die von 1939 bis 1977 ein Stück Osnabrücker Eisenbahngeschichte schrieb.

TECHNISCH ist die Lok noch heute ein Highlight, auch wenn der Zahn der Zeit an ihr nagt.

DAS FLAIR der 50er können Eisenbahnfans bei Sonderfahrten der Dampflokfreunde genießen.
Autor:
Hermann Pentermann


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