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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Durchstich am Herrenteichswall?
Zwischenüberschrift:
Osnabrück im Juni 1905: Diskussionen um Theater und das Haseufer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
VOR DEM HERRENTEICHSWALL zog sich um das Jahr 1900 eine doppelte Lindenallee. Rechts ist der Pernickelturm zu ahnen.. Foto: Aloys Wurm

Osnabrück

Um die Theaterverhältnisse in Osnabrück zu verbessern, brachte der Ausschuss für die Errichtung eines neuen Theaters erneut einen Antrag beim Magistrat und den Bürgerkollegien auf die Tagesordnung.

Gegen einen Theaterneubau stand die Tatsache, dass die Stadt im Jahr 1905 vor der Realisierung einer Reihe kostspieliger Projekte stand, die alle bezahlt werden mussten: der Neubau vom Rathsgym-nasium war noch nicht abgeschlossen, die Straßenbahn und die Hoch legung der Bahngleise befanden sich noch im Planungsstadium.

Wenn damals nicht die Spendenfreudigkeit der Bürger den überaus bedeutenden Betrag von 150 000 Mark aufgebracht hätte, wäre ein Theaterneubau in weite Ferne gerückt. Nun aber war die Stadt im Zugzwang. Die Kommission ersuchte nun den Magistrat bis zum 7.Juli 1905 zur Theaterfrage Stellung zu nehmen. Insgesamt rechnete man für den ersehnten Musentempel mit Baukosten von etwa 450 000 Mark.

Als spannender Fortsetzungsroman entwickelte sich die Auseinandersetzung um den Herrenteichswall. Die Kollegien wurden im Juni 1905 davon unterrichtet, was die Planungen für das letzte Stück Stadtwall vorsahen. Stadtbaurat Lehmann resümierte, dass zu Baurat Hack-länders Zeit der Wall einer Ringstrasse weichen sollte. Man sah nun aber vor, die Ost-West-Querstrassen zu modernisieren, um den Verkehrsfluss zu entzerren. Die bereits erfolgte " Verbreiterung" der Georgstraße gehörte mit zu diesem Projekt.

Der neue Plan suchte Längst- und Querverbindung zu verknüpfen, so sollte die Karlstraße mit der Domsfreiheit verbunden werden. Neben dem Wall war ein weiterer Verkehrsweg vorgesehen. Beide Ideen beschnitten aber den Herrenteichswall. Gab es noch eine weitere Lösung?

Würde der Wall niedergelegt, wurde Lehmann zitiert, ergäbe es allemal nur eine Straße, wie sie schon fast um die ganze Stadt herum lag. Eine Besonderheit war das nicht. Der Wall jedoch, mit seinem eigenen Gepräge, bot ein Bild, das nur für Osnabrück passte und nirgend sonst in dieser Ansicht zu finden sei.

Parallel zum Wall plante Lehmann eine Straße, die mit Grüngürtel und Böschung zusammen etwa 25 m breit sein sollte. Eine Verbindung zum Dom konnte sich der Redner auch als Unterführungvorstellen.

Die Baukommission der Kollegien empfahl, den Plan zu prüfen. Zuvor musste aber noch entschieden werden, ob der Wall nun bleiben oder abgetragen werden sollte. Oberbürgermeister Rißmül-ler war prinzipiell für den Erhalt. " Tragen wir ihn ab, erhalten wir etwas, was wir schon besitzen, nämlich eine Straße. Erhalten wir den Wall, erhalten wir etwas Osnabrückisches." Nach Riß-müllers Meinung lag keine zwingende Notwendigkeit vor, den Wall abzutragen. Vor dem Wort " Verkehrsbedürfnis" warnte er seine Kollegen dringend, das sei nur ein hohles Schlagwort. Auch die Querstraße sah der Oberbürgermeister kritisch, immerhin stünde auf dieser Linie auch noch das Gymnasium Carolinum.

Lange Stellungnahmen der Kollegienteilnehmer folgten und wurden ausführlich im Osnabrücker Tageblatt zitiert. Der Antrag sah vor, den Wall entweder in seiner Form zu erhalten und ihn weder zu schleifen, noch auch nur wenige Meter abzutragen oder Einzelheiten von Fall zu Fall zu beschließen oder drittens die Straße längst des Walles in projektierter Breite zu bauen.

Die Bürgervorsteher lehnten den Antrag mit 5 zu 7 Stimmen ab, der Magistrat jedoch nahm den Antrag einstimmig an. Es bestand damit ein Konflikt zwischen den beiden Kollegien, der in weiteren Sitzungen gelöst werden musste. Das Thema wurde offiziell vertagt. Die weiteren Fäden der Politik zog man außerhalb der Beratungssäle, bis eine einheitliche Meinung, ein einstimmiger Beschluss greifbar sein würde.

In Lebensgefahr schwebten zwei kleine Jungen, die zum Baden ihres Hundes an die Pernickelmühle gegangen waren: Der ältere stieß im Spaß den jüngeren in die Hase, in der dieser sofort versank. Bei dem Versuch den Bruder zu retten, geriet der zweite Bube ebenfalls in Lebensgefahr, denn an diesem Teil der Hase war die Strömung durch die offene Staustufe besonders stark.

Zwei vorbeigehende Herren sprangen hinzu, einer rettete den schon bewusstlosen Vierjährigen, der andere Mann konnte den Sechsjährigen dem feuchten Element entreißen.

VOR DEM HERRENTEICHSWALL zog sich um das Jahr 1900 eine doppelte Lindenallee. Rechts ist der Pernickelturm zu ahnen.. Foto: Aloys Wurm
Autor:
Christiana Keller


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