User Online: 1 | Timeout: 22:00Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Der Streit um die Haseverschmutzung
Zwischenüberschrift:
Die Firma Schoeller wehrt sich - Wer ist nun schuld? - Besprechung bei der Regierung
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
In der Beseitigung der seit dem letzten Jahr besonders stark in Erscheinung getretenen Verunreinigung der Hase und der sich daraus zwangsläufig ergebenden Geruchsbelästigung ist den zuständigen Instanzen ein schwieriges Problem erwachsen, um dessen Lösung sie zwar das muß festgestellt werden - nach Kräften bemüht sind. (Noch in der letzten Sitzung der Städt. Kollegien, über die wir ja ausführlich berichteten, erfuhr man aus den Darlegungen des Stadtbaurats Lehmann Näheres über den Stand der Dinge.) Gestern nun bildete diese Angelegenheit das Thema einer in der Regierung stattgefundenen Konferenz, die namentlich der Information der Presse diente und an der Vertreter der Regierung mit Vizepräsident Dr. Schmieder, Vertreter des Magistrats mit Bürgermeister Dr. Petermann an der Spitze sowie von der aus Oberbürgermeister Dr. Gaertner und den Fabrikanten Schoeller und Kämmerer bestehenden Untersuchungskommission die letztgenannten beiden Herren teilnahmen.
Einleitend ergriff zunächst
Regierungspräsident Dr. Schmieder
das Wort, der nach einem Hinweis auf den Zweck der Zusammenkunft die gegenwärtige Situation dahin zusammenfaßte, daß in der Hase-Frage bisher schon mancherlei geschehen sei, daß aber die
durchgreifenden Maßnahmen erst nach dem Eingang des von der Landesanstalt für Wasser-, Boden- und Lufthygiene eingeforderten Gutachtens über die Ursache der Verschmutzung des Haseflusses und ihre Abstellung getroffen werden könnten.
Das erste Referat hielt sodann
Regierungsrat Mulert.
Der Redner kam - nachdem er eingangs auf die Vergangenheit der Hase eingegangen war und vor Augen geführt hatte, daß diese auch früher schon verschiedentlich Schwierigkeiten machte - auf die Vorkommnisse im vorigen Jahr zu sprechen.
Zur Vermeidung einer Wiederholung solcher Katastrophe müsse die Schuldfrage festgestellt werden.
Der Möglichkeiten zur Verschmutzung der Hase gebe es in der Stadt und in ihrer näheren Umgebung viele; hier spielten besonders die Papierfabriken Schoeller und Kämmerer eine Rolle. Während man bisher auf der Strecke von der Kläranlage bei Osnabrück bis Bramsche zu Klagen keinen Anlaß gehabt habe, würden in letzter Zeit in Bramsche selbst viele Beschwerden laut. Auch in der Stimmung der Landwirtschaft, der dieser Zustand bisher wohl noch nicht unerwünscht gewesen sei, müsse bei weiterem Fortschreiten der Fäulniserscheinungen mit einem Umschwung gerechnet werden; so habe z. B. schon der Kreistag in Bersenbrück an die Regierung einen Protest gerichtet.
Soweit es die Finanzlage daher erlaube, müßten 1. die sofort nötigen Schritte unternommen und 2. einer Wiederholung des Übels durch entsprechende Maßnahmen vorgebeugt werden.
Darauf legte
Fabrikant Lothar Schoeller
seinen Standpunkt klar und vertrat dabei wesentlich andere Ansichten als die Stadt. Im einzelnen führte er etwa aus:
Er hieß die Gelegenheit willkommen, sich vor der Presse zur Frage der Haseverunreinigung äußern zu können, besonders nachdem von Seiten der Stadt Osnabrück in der Sitzung der Städt. Kollegien am 26. Juni 1930 in einem der Presse zugegangenen Bericht der Firma Schoeller die Schuld an den Geruchsbelästigungen im Sommer 1929 ausschließlich zugeschoben sei. Die Firma Schoeller habe es bisher im Hinblick auf die von dem Regierungspräsidenten eingeleitete Prüfung des Fragenkomplexes vermieden, in der Presse ihrerseits Stellung zu nehmen. Der von der Stadt Osnabrück der Presse zugeleitete Sitzungsbericht gebe ihr aber Veranlassung, sich zu den darin gemachten Anschuldigungen zu äußern; denn die in diesem Bericht der Stadt gemachten Angaben seien, wie eingehende wissenschaftliche Versuche bewiesen, absolut unhaltbar.

Nach den Untersuchungen, die die Firma Schoeller im Sommer 1929 durchgeführt habe, seien die innerhalb des Stadtgebietes Osnabrück lagernden Schlamm-Massen die Ursache der Haseverpestung gewesen, und sie könnten erneut zu unliebsamen Störungen führen, wenn sie nicht beseitigt würden. Diese Schlamm-Massen stammen aus den städt. Abwässern des Stadtteils Schinkel und der Schützenhofkolonie, die noch bis vor kurzem in die Hase eingeleitet worden seien, und zum Teil heute noch in die Hase gelangten.
Seit Jahrzehnten sei eine systematische Säuberung des Hasebettes nicht erfolgt. Der dort lagernde Schlamm sei keineswegs tot, sondern im höchsten Maße fäulnisfähig, was sich experimentell beweisen ließe. Fabrikant Schoeller berichtete sodann über die in seinem Werke ergriffenen Maßnahmen, um den an und für sich nicht zu beanstandenden Schwebestoffgehalt des Gretescher Abwassers weiter zu reduzieren. Das Fabrikationswasser werde in Trommel-Stoffängern vorgereinigt, passiere sodann ausgedehnte Klärteiche und gelange endlich in das Feldteich-Klärbecken.
Das auf diesem Wege geklärte Abwasser weise noch einen Schwimmstoffgehalt von 10-15 Milligramm auf. Eine weitergehende Reinigung sei auch nach Ansicht erster Abwasserautoritäten nicht möglich.
Die Gesamtklärzeit vor Einmündung des Fabrikwassers in die Hase betrage rund 35 Stunden. Weder die Schwebestoffe noch die im Wasser gelösten Stoffe seien fäulnisfähig. Ebensowenig ließen sich die gelösten Stoffe aus dem Wasser ausflocken. Eine Ablagerung von Schlamm innerhalb des Stadtgebietes durch nachträgliche Ausflockungen der Gretescher Abwässer dortselbst sei ausgeschlosen. Der Redner begrüßte es, daß durch das in Kürze zu erwartende Gutachten der Landesanstalt für Wasserhygiene in Berlin Klarheit über die Verantwortlichkeitsverhältnisse geschaffen werden würde, und daß damit die Angelegenheit aus dem Stadium polemischer Erörterungen in der Presse herauskomme. Die Firma Schoeller habe und werde sich an der aufklärenden Arbeit der Landesanstalt mit lebhaftem Interesse beteiligen.
Dr. Wenzl (Burg Gretesch)
ergänzte die Ausführungen nach der chemischen Seite und brachte speziell über die Wasserverhältnisse des vorjährigen Sommers sehr zahlreiches Material bei, aus welchem hervorging daß
eine entscheidende Verschlechterung des an und für sich sehr sauerstoffarmen Hasewassers durch die zugeleiteten Fabrikabwässer nicht eingetreten
ist. Die Verschlechterung und das Auftreten der bekannten Geruchsbelästigungen sei erst dann eingetreten, als der Sauerstoffgehalt des Hasewassers durch den innerhalb der Stadt liegenden Schlamm völlig verzehrt war. Eingehende wissenschaftliche Untersuchungen, die sich auf den Zeitraum von über ein Jahr erstreckten, hätten ergeben, daß die Gretescher Abwässer nach der geübten Klärung weder fäulnisfähig noch flockbar seien. Eine biologische Reinigung dieser Abwässer komme daher gar nicht in Frage. Die Abwässer würden durch die natürlichen Fabrikationsvorgänge bereits mit Aluminiumsulfat gefüllt, außerdem durch geeignete Mischung mit Abwässern der Bleicherei in erheblichem Maße gechlort. Die geklärten Abwässer verließen daher die Fabrik in einem durchaus einwandfreien und sterilen Zustand.
Unter Berücksichtigung der mitgeteilten Erfahrungen und Befunde könne die Gewißheit ausgesprochen werden, daß nach einer gründlichen Reinigung des Hasebettes innerhalb des Stadtgebietes die selbstverständlich in bestimmten Zeitabschnitten wiederholt werden müsse, eine Wiederholung der Vorfälle vom Sommer 1929 ausgeschlossen sei.
Bürgermeister Dr. Petermann
gab unter Hinweis auf die Erörterung dieser Frage in der letzten Sitzung der Städtischen Kollegien die Erklärung ab, daß die Stadtverwaltung nichts unversucht lasse, um schleunigste Besserung zu schaffen.
Das Fazit der Konferenz ergibt demnach, daß man trotz großer Meinungsverschiedenheiten einmütig um Aufklärung und Abstellung der Ursache der Hase-Verschmutzung und ihrer Folgen bestrebt ist. Mögen die Bemühungen nun auch zum Erfolg führen.


Anfang der Liste Ende der Liste