User Online: 1 | Timeout: 04:04Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Irgendwann ist das hier eine Tropfsteinhöhle"
Zwischenüberschrift:
Früher bot der Schacht am Grieseling Schutz bei Fliegeralarm, heute überwintern Blumen in dem Raum
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Bunker-Geschichten aus Osnabrück

" Irgendwann ist das hier eine Tropfsteinhöhle"

Früher bot der Schacht am Grieseling Schutz bei Fliegeralarm, heute überwintern Blumen in dem Raum

Hellern (rei)

Es duftet wie in einer Gärtnerei. Schließlich überwintern inzwischen Fuchsien und Geranien im Bunker am Grieseling. Im Zweiten Weltkrieg haben hier acht oder neun Familien bei Bombenalarm Schutz gesucht. Heute nutzt die Familie Fraumann den Schacht als Kellerraum.

25 Meter lang, zwei Meter breit, 2, 10 Meter hoch - Udo Fraumann kennt sogar die Maße des Bunkers ganz genau. Die ungewöhnliche Form und die gewölbten Decken lassen vermuten, dass dieser Kellerraum mal für den Schutz vor Bomben gedacht war. " Hiermit hat man den Krieg draußen gelassen", sagt Erika Fraumann und zeigt auf die Eingangstür. Sie stammt noch ausdem Zweiten Weltkrieg, genau wie die verrosteten Schlüssel an dem Türverschluss.

Die 64-jährige Erika Fraumann hat als kleines Kind bei Alarm in dem Bunker übernachtet. An den Eisenstangen, die jetzt ein Regal für Blumen halten, hing früher ein Holzbrett, auf dem Erika Fraumann und ihre Schwester bei Bombenalarm geschlafen haben. Auch in den Toilettenräumen von früher stehen hier im Winter Geranien und Fuchsien. Früher hätten dort unter Holzbrettern einfache Plastikbehälter gestanden, weiß Erika Fraumann noch.

Ihre Mutter Luise Grave, heute 96 Jahre alt, hat den

Bunker mit ausgeschachtet und geholfen, die Steine aufzutragen. " Alle Kräfte mussten ran", erinnert sie sich. Anderthalb Jahre habe der Bau gedauert, erklärt der 73-jährige Adolf Riemann. Er habe dem Maurerpolier, der den Schutzraum gebaut hat, als 13-Jähriger manchmal geholfen, berichtet Riemann. Sogar Zementsäcke habe er damals schon geschleppt.

Seit der Schutzkeller fertig ist, war er nicht wieder hier - bis Erika Fraumann ihn für ein Treffen mit der Zeitung hierhin eingeladen hat. " Ist ja alles ganz anders geworden", sagt Riemann beim Betreten des Schachtes.

Inzwischen dringt durch die jahrzehntealten Mauerritzen Wasser ins Innere. Zwar hat Udo Fraumann einen Lüftungsschacht eingebaut und den Boden drainiert. Trotzdem haben sich wenige Zentimeter lange Stalaktiten gebildet. " Irgendwann ist das hier eine Tropfsteinhöhle", schmunzelt Erika Fraumann.

Bis zum Ende des Krieges ist Erika Fraumann, die damals noch Grave hieß, mit ihrer Mutter und ihrer Schwester bei Alarm in den Schacht gegangen. Ihr kommen Erinnerungen an die britischen Soldaten, die am Ende des Krieges vor der Bunkertür standen. Und auch den Tod ihrer drei Jahre älteren Schwester hat sie nicht vergessen. Der Krieg war schon vorbei, als die beiden Mädchen auf einem Feld von einer Mine verletzt wurden. Sofort wurde Erika Fraumanns Schwester mit einem polnischen Krankenwagen in eine Klinik gefahren. Aber ihre Verletzungen waren so schwer, dass sie dort nach wenigen Stunden starb.

WO HEUTE GERANIEN überwintern, hat Erika Fraumann - hier mit Adolf Riemann - früher Schutz gesucht. Foto: Klaus Lindemann
Autor:
rei


Anfang der Liste Ende der Liste