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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Romantische Abende ohne Anblick der Milchstraße
Zwischenüberschrift:
Lichtverschmutzung - wachsendes Problem in Deutschland
Artikel:
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Originaltext:
Osnabrück

" Die im Dunkeln sieht man nicht", singt man in der Dreigroschenoper. Doch die Zeit der stockdunklen Nächte ist längst vorbei. Der Grund dafür liegt in der Lichtverschmutzung, verursacht durch eine künstliche Aufhellung des Nachthimmels.

Das Licht von Straßenbeleuchtungen, Flutlichtanlagen und Leuchtreklamen in Städten und Industrieanlagen wird an Teilchen der Luft (Luftmoleküle und Aerosole) gestreut. Daraufhin entstehen milchig-rosa schimmernde Lichtglocken, die sich über die Städte ausbreiten und am Nachthimmel gut sichtbar sind. Dies bewirkt, dass der sagenumwobene Sternenhimmel in der künstlichen Lichterflut verschwindet.

Ungefähr ein Drittel der Deutschen hat die Milchstraße nie gesehen, wie man der zurzeit im Museum am Schölerberg laufenden Ausstellung " Nachtleben" entnehmen kann. " Das Phänomen der Lichtverschmutzung wurde erst in den 90er Jahren in Deutschland aktuell", berichtete Dr. Andreas Hänel, Leiter des Planetariums Osnabrück. " Bei meiner langjährigen Erfahrung als Astronom bemerkte ich, dass das Beobachten des Sternenhimmels mit bloßem Auge stark eingeschränkt ist. Das Problem hat jedoch einen globalen Charakter, wie meine Nachforschungen ergaben."

Aber nicht nur die astronomischen Forschungen des Sternenhimmels und dessen Einfluss auf die Naturwissenschaft und Philosophie werden von der Lichtverschmutzung beeinträchtigt. Die Auswirkungen auf das ökologische System, die Grundlage des Lebens sind ebenfalls gravierend: Studien ergaben, dass sich Zugvögel und nachtaktive Tiere teilweise nach dem Sternenhimmel richten. Durch das gestreute Licht werden sie irritiert und verlieren die Orientierung. Bei Meeresschildkröten führt eine solche Desorientierung aufgrund hell erleuchteter Küsten zur Verendung der Tiere. Überdies werden auch Insekten von Leuchten angelockt und können aus deren Lichtkegel nicht mehr entweichen. Doch nicht nur die Fauna, sondern auch die Flora ist betroffen, da Pflanzen mit Wachstumsstörungen auf das überschüssige Licht reagieren können. Direkte Auswirkungen des so genannten " Abfalllichts" auf den Menschen beobachtet man auch im Straßenverkehr. Durch den ansteigenden Lichtgebrauch entstehen starke Blendungen, die vor allem in der Nacht zu einer Gefahr werden können.

Dabei kann man die Lichtverschmutzung mit einfachen Maßnahmen in Grenzen halten: Lampen, deren Lichtabstrahlung unter der Horizontalen erfolgt, reduzieren schon die Lichtemissionen. Desgleichen sind Natriumniederdruckdampflampen aufgrund ihrer geringen Anziehungskraft auf Insekten empfehlenswert. Darüber hinaus führt der Verzicht auf in den Himmel gerichtete Leuchten und groß belichtete Werbeobjekte zu verminderten Lichtsendungen. Weiterreichende Maßnahmen gegen die Lichtverschmutzung ergreifen Initiativen, wie zum Beispiel " Dark Sky" (siehe " Zur Sache"). Außerdem wird bereits teilweise versucht, die Lichtverschmutzung mit Hilfe von Gesetzen zu reduzieren. Lichtemissionsrichtlinien führten schon in Ländern wie Tschechien, Italien und Spanien zu positiven Resultaten. In Deutschland jedoch beträgt der jährliche Zuwachs der Lichtverschmutzung noch sechs Prozent.

Doch auch aus wirtschaftlichen Gründen ist eine optimal konzipierte Beleuchtung von Vorteil. Nach einer Studie aus Japan sind Einsparungen in Milliardenhöhe Realität, vorausgesetzt Außenbeleuchtungen werden sinnvoll und technisch richtig eingesetzt - wohlgemerkt bei gleicher oder sogar noch besserer Beleuchtungsqualität. Dies bestätigen Untersuchungen, bei denen bei falsch konzipierten Lampen ein Energieverlust von cirka 30 bis 50 Prozent, beziehungsweise bei einer Kirchturmbeleuchtung sogar von bis zu 90 Prozent festgestellt wurde.

Allgemein gilt es festzuhalten, dass die Dunkelheit ein wichtiges Element des biologischen und ökologischen Gleichgewichts ist. Wird dieses sensible Gleichgewicht gestört, so hat dies negative Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt und somit auf den Menschen.

Erika Arnold, Julia Olliges, Christina Schulze-Ardey

KLASSE! Schüler als Reporter

Thema: Umwelt

Osnabrück

Die Beiträge zum Thema Lichtverschmutzung auf dieser Seite wurden von Erika Arnold, Julia Olliges und Christina Schulze-Ardey, von der 8 L2 des Gymnasiums Carolinum geschrieben. Sie nehmen am KLASSEI-Projekt der Neuen OZ teil.

Mit dem KLASSE!- Projekt hat die Neue OZ ihr Engagement zur Stärkung der Medienkompetenz der Schüler aller Schulformen ausgebaut. Im laufenden Schuljahr beteiligen sich 6 000 Jugendliche an KLASSE! Das Projekt wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und der Fromm-Stiftung gefördert. Wesentliche Bausteine von KLASSE! sind das vierwöchige Schülerabo und der Artikel-Wettbewerb. Nach Schulformen getrennt werden je drei Geldpreise an die Klassen mit den besten Beiträgen vergeben. Kontakt: Tel. 0541/ 310687, E-Mail m.schwagert@ neue-oz.de. Weitere Infos auch unter www.neue-oz.de.

DEUTSCHLAND VON OBEN BEI NACHT: Die roten Flecken markieren die Ballungsräume, die eine besonders starke Lichtverschmutzung produzieren.

Zur Sache

Initiative " Dark Sky" - Dunkler Himmel

Die Initiative " Dark Sky" (englisch " Dunkler Himmel") wurde Anfang 1996 als eine der 20 Fachgruppen innerhalb der VdS (Vereinigung der Sternenfreunde) von den Amateurastronomen Winfried Kräling und Rainer Boulnols gegründet. Zu dieser Zeit begann die Verbreitung der Skybeamer, die den Zusammenschluss aktiv werden ließ.

Zuvor wurde bereits die IDA (International Dark Sky Association) 1990 in den USA ins Leben gerufen, nachdem das Problem der Lichtverschmutzung Anfang der siebziger Jahre erkannt worden war.

Heute setzt sich die Initiative " Dark Sky" für ihr Hauptanliegen ein, die Öffentlichkeit durch Medieninformationen und Behördenkontakte für das Problem der Lichrverschmutzung zu sensibilisieren.
Autor:
Erika Arnold, Julia Olliges, Christina Schulze-Ardey


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