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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Osnabrücker Monopoly: Wer zahlt am meisten?
Zwischenüberschrift:
Kommerz und Erinnerung - Armutszeugnis für die Stadt - "Nazis lachen sich eins" - Bedeutender Mensch verdrängt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrücker Monopoly: Wer zahlt am meisten?

Alles eine Frage der Wirtschaftlichkeit? (" Kulturgut oder eine Frage der Kundenbindung? / Streit um Bushaltestellen-Name"; Ausgabe vom 13. Juli).

" Es geht wirtschaftlich unheimlich aufwärts: Bushaltestellen können werbeträchtig verkauft und fortan nach ihrem Sponsor benannt werden. Nun kommt aber bei derlei Umbenennung nicht nur Freude auf. Wie man jetzt sieht, gibt es Klagen über Orientierungsverlust und Kulturverfall. Solche Probleme brauchten freilich gar nicht erst zu entstehen, wenn man dieses originelle Konzept erweitert und einmal die bestehenden Haltestellen bezüglich ihres werbewirksamen Pontenzials durchmustert. Denn da treten doch eine Reihe von Osnabrücker Institutionen bzw. Firmen, durchaus Aufmerksamkeit heischend, auf - so z. B. Theater, Stadthalle und Industriemuseum, Niedersachsenbad, Umweltstiftung und Hauptbahnhof sowie Schoeller, Karmann und sogar Porsche. Unter Geschäftsleuten sollte schnell klar sein, dass solch ein permanenter, eigentlich unbezahlbarer Werbeauftritt seinen gehörigen Preis haben muss. Der nächste Blick fällt auf Städte, die sich zwar sehr werbewirksam, aber bislang ohne Entgelt im Lichte einer Haltestelle sonnen. Versuchen könnte man, ob in Bramsche (Bramscher Straße) oder Fürstenau (Fürstenauer Weg) pekuniär etwas zu holen ist. Wie viel Euro möchten diese Orte wohl für eine Haltestelle in Osnabrück bezahlen? Im Erfolgsfall sollte man mit entsprechend höheren Forderungen beherzt an Berlin (Berliner Platz), Hamburg (Hamburger Straße) und Hannover (Hannoversche Straße) herantreten. Etwas schwieriger könnten sich die Verhandlungen bzüglich des Breslauer Rings und der Königsberger Straße gestalten. Doch in einer weltoffenen Stadt, beinahe Kulturhauptstadt Europas, in der ausdrücklich Hauptbahnhof und Neumarkt, nicht aber der Adolf-Reichwein-Platz kulturell tabu sind, akzeptiert man gegen Bares doch gern auch Wroclaw und Kaliningrad im Namen einer Haltestelle. Letztere Bezeichnung ließe sich vielleicht zusätzlich in Kyrillisch anbringen - gegen Aufpreis versteht sich. (...) Im aktuellen Osnabrücker Monopoly lautet die Spielregel daher ganz schlicht: Bietet jemand für den Adolf-Reichwein-Platz mehr Geld als die Gegenseite für eine Kamp-Promenade, bleibt es bei der vertrauten Namensgebung."

Professor Dr. Egbert Daum

Universität Osnabrück Fachbereich Erziehungs und Kulturwissenschaften

Seminarstraße 20 Osnabrück

Kommerz vor Erinnerung

" Es wäre sehr bedauerlich, wenn die Erinnerung an eine kleine Kerzenflamme in finsterster Zeit dem Kommerz geopfert werden würde. Ich finde den Gedanken daran abscheulich! Soll hier das Geld wieder hereingeholt werden, dass dieselben Stadtwerke beim Sponsoring des VfL inklusive der Umbenennung des VfL-Stadions verpulvert haben? Die Stadtwerke OS sollten sich besser andere Quellen bzw. andere Haltestellen zur Geld-Akquise aussuchen!"

Andre Koplin

Hunteburger Weg 30

Osnabrück

Armutszeugnis für die Stadt

" Der neue Name soll ja wohl zum Einkaufen locken. Wann werden die Haltestellen - und womöglich in ihrem Gefolge die Straßen - nach Kaufhäusern benannt werden? Es zeugt von geistiger Enge, dass wir uns mehr und mehr ums Geld drehen. Wo bleibt unsere Kultur, in diesem Falle unsere Erinnerung an Persönlichkeiten, die einen weiteren Horizont hatten und ein Herz für Menschen in Not bewiesen? Es wäre ein unverdientes Armutszeugnis für die Kulturstadt Osnabrück, wenn sie sich solche Ausrutzscher aufdrängen ließe."

Dr. Klara Stoevesandt

Schölerbergstr. 25a

Osnabrück

" Nazis lachen sich eins"

" Nachdem ich den Artikel um die Umbenennung der Haltestelle Adolf-Reichwein-Platz in der NOZ gelesen habe, hat mich die Wut gepackt. In Sonntagsreihen wird uns von allen Seiten immer wieder gesagt, dass wir nicht vergessen sollen, was in der NS-Zeit geschehen ist und wir daraus lernen sollen. Dieser Auffassung kann ich nur beipflichten. Was wird hier jedoch für ein Zeichen gesetzt, wenn nunmehr diese Haltestelle umgenannt wird nach einem Einkaufszentrum. In einer Zeit, in der Nazis wieder in Länderparlamenten vertreten sind, sollten wir vielleicht etwas empfindlicher im Umgang mit der NS-Zeit sein. Für unser heutiges Leben sind diese Personen, die ihr Leben im Kampf gegen den NS-Terror verloren haben, von großer Bedeutung. Sie haben uns gezeigt, dass es sehr wohl möglich war, gegen diese Mörderbande zu kämpfen, und ich denke, dass es das Geringste ist, diese Personen zu würdigen.

Die Haltestelle Adolf-Reichwein-Platz ist nicht eine ganz gewöhnliche Haltestelle. Sie ist die Anlaufstelle der Nachtbusse. Hier warten gerade junge Leute nachts auf den Bus. Wir beklagen, dass die Jugend heute teilweise ein geringes Wissen über die NS-Zeit hat, aber solche markanten Punkte wie diese Haltestelle werden dann noch umbenannt. Wenn der Werbeleiter der Stadtwerke meint, neue Wege gehen zu müssen, sollte er sich vielleicht den Weg ansehen, den die Stadtwerke geht. Eine Gruppe wird sich sicherlich über die Umbenennung des Platzes freuen. Die Nazis lachen sich eins ins Fäustchen."

Doris Rother

Lechtenkamp 6

Osnabrück

Bedeutender Mensch verdrängt

" Mit der Umbenennung der Bushaltestelle Adolf-Reichwein-Platz würde der Name eines bedeutenden Menschen aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verdrängt - zumindest aus dem Bewusstsein der Bus fahrenden Öffentlichkeit. Damit wird ein falsches Zeichen gesetzt. Adolf Reichwein gehörte zu denen, die den Nationalsozialisten mit Zivilcourage entgegengetreten sind. Er hat erkannt, dass es mit Kritik an , denen da oben' nicht getan ist, sondern jeder Einzelne Verantwortung übernehmen muss. Die Zukunft Deutschlands sahen Reichwein und seine Freunde des Kreisauer Kreises in einem friedlichen und geeinten Europa. Damit waren sie unserer Zeit voraus. Adolf Reichwein hat seinen Mut mit dem Leben bezahlt. Er ist 1944 von den Nazis ermordet worden. Die Gedanken Adolf Reichweins und der anderen Mitglieder des Kreisauer Kreises sind auch nach ihrem Tod aktuell. Jedes Jahr begegnen sich tausende Jugendliche und Erwachsene aus ganz Europa in Kreisau im heutigen Polen. Sie diskutieren darüber, wie sie ihre gemeinsame Zukunft in Europa gestalten möchten. Unter ihnen waren auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff, der dort im letzten Jahr den polnischen Ministerpräsidenten Marek Belka traf.

Adolf Reichwein und die anderen Kreisauer sind vielen ein persönliches Vorbild. Es ist wichtig, dass der Name Adolf Reichwein in der Öffentlichkeit präsent bleibt - auch in der Bus fahrenden Öffentlichkeit."

Benedikt Schneiders

Stiftungsrat der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung

Im Schloh 4s

Osnabrück

SCHON IM AUGUST soll in Osnabrück die haltestelle Adolf-Reichwein-Platz in Kamp-Promenade umbenannt werden.
Autor:
Professor Dr. Egbert Daum, Andre Koplin, Dr. Klara Stoevesandt, Doris Rother, Benedikt Schneiders


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