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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Wenn der "beste Freund" des Menschen zubeißt
Zwischenüberschrift:
Wie schütze ich mich vor agressiven Hunden? - Vorsicht! Tollwutgefahr - Psychologe hilft bei Angst - Konfrontationstherapie
Artikel:
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Originaltext:
Wenn der " beste Freund" des Menschen zubeißt

Wie schütze ich mich vor aggressiven Hunden? - Vorsicht! Tollwutgefahr - Psychologe hilft bei Angst - Konfrontationstherapie

Von Marie-Luise Braun

Osnabrück, 20.7. Der Hund wird als der beste Freund des Menschen bezeichnet. Doch immer mal wieder beißen die Tiere auch zu. Resultat: schmerzhafte, manchmal entstellende Verletzungen und die Angst vor den Vierbeinern. Wir haben verschiedene Experten befragt, wie man sich vor einem Biss schützen kann und was zu tun ist, wenn es doch passiert ist.

Die Hundetrainerin

Wird ein Hund aggressiv, setzt Hundetrainerin Simone Crämer auf Defensive. Sie empfiehlt, den Hund zunächst in ruhigem Ton anzusprechen, sich wegzudrehen und stehen zu bleiben - auch wenn das großen Mut erfordere. " Wenn Menschen sich von oben herab, mit Blick in die Augen zum Hund hin bewegen, kann das die Aggressionen des Tiers noch verstärken", sagt die Leiterin einer Hundeschule. Auch Futter oder ein Leckerli anzubieten könne den Hund beschwichtigen. In die Offensive zu gehen, hält sie für riskant .

Die Ursachen von aggressivem Verhalten beim Hund können vielfältig sein: Revierverhalten, Schutz des Rudels oder des Nachwuchses oder auch Angst.

Die Ärztin

Hat der Hund zugebissen, " ist es wichtig, die Wunde zu reinigen und sauber abzudecken", empfiehlt Dr. Elisabeth Kahmann. Bei tiefen Bissen sei sofort ein Arzt aufzusuchen. Bei oberflächlichen Wunden ist das nur nötig, wenn sie sich schmerzhaft verändert. Tetanus-Schutz sei immer wichtig.

" Hundebisse werden nicht genäht", weiß die Allgemeinmedizinerin. Die Wunde müsse offen bleiben, damit sich im Fall einer Entzündung kein Abzess bilde. Bei Bissen in Arm oder Bein wird das Körperteil deshalb mit einer Schiene ruhig gestellt. Nach 24 Stunden kontrolliere der Arzt die Wunde. Entzündet sie sich, kann die Heilung mehrere Wochen oder Monate dauern.

Geklärt werden muss, ob Tollwut-Gefahr besteht. Im Zweifel wird geimpft - denn Tollwut ist tödlich. " Mit Erfolg geimpft werden kann bis zu 48 Stunden nach dem Biss", informiert Dr. Kahmann.

Der Anwalt

Viele Geschädigte wissen nicht, was ihnen im Fall eines Bisses zusteht. Deshalb empfiehlt Jürgen Kühlers rechtlichen Beistand. Bei der Suche nach einem geeigneten Anwalt helfe die örtliche Anwaltskammer, weiß der Jurist. Ist der Hund Bestandteil einer Haftpflichtversicherrung, trage die Versicherung die Anwaltskosten. Ist das Opfer rechtsschutzversichert, sind die Kosten ebenfalls üblicherweise abgedeckt, sagt der Jurist.

Besteht eine Haftpflichtversicherung beim Hund, würden berechtigte Ansprüche im Allgemeinen auch umgehend reguliert, informiert Kühlers. Problematisch werde es, wenn der Hundehalter keine Versicherung abgeschlossen hat und er Schadensausgleich nicht finanzieren kann. Dann kann es passieren, dass das Opfer leer ausgeht.

Erstattet werden könne alles, was an finanziellen Einbußen in Zusammenhang mit dem Biss entstanden ist, wie zum Beispiel zerrissene Kleidung. Dazu kommen die Heilungskosten und Kosten für Arztbesuche, so weit sie nicht die Krankenkasse trägt. " Die Höhe des Schmerzensgeldes ist abhängig von der Schwere der Verletzung", erklärt Kühlers. Sie bewege sich ab 50 Euro aufwärts und werde anhand von Schmerzensgeldtabellen bei vergleichbaren Fällen festgelegt. Bestreitet der Besitzer, dass sein Hund zugebissen hat, ist ein Zeuge für das Opfer, das beweispflichtig ist, wichtig. Kann der Geschädigte ohne Zeugen weder einen zeitlichen noch einen örtlichen Zusammenhang zum Hund herstellen und nicht nachweisen, dass kein anderer Hund für den Biss in Frage kommt, kann es passieren, " dass er seine Ansprüche nicht durchsetzen kann", weiß der Rechtsanwalt.

Der Psychologe

" Angst zu haben ist ganz natürlich. Vor allem nach so einem Erlebnis", meint der Verhaltenstherapeut Burkhard Gronemeyer. " Wer nach so einem Erlebnis aus Angst dauerhaft nicht mehr in den Park geht, nicht mehr joggt oder Rad fährt, der sollte sich professionelle Hilfe suchen." Gronemeyer setzt auf die Konfrontationstherapie. Nach einem Vorbereitungsgespräch begibt sich der Betroffene dabei mit seinem Therapeuten in eine Situation, die dem Erlebten nahe kommt. Das kann ein Besuch im Tierheim sein oder der Kontakt zu einem Hund, der dem, der zugebissen hat, ähnlich ist. Dann gilt es, die Situation so lange auszuhalten, bis der Betroffene sich daran gewöhnt hat und seine Angst kleiner wird.

Das Ordnungsamt

Das Ordnungsamt erfährt bei Erstattung einer Anzeige entweder über die Polizei oder direkt vom Geschädigten über einen Hundebiss. " Wir prüfen dann, ob das Tier als gefährlich einzustufen ist", erklärt Jürgen Wiethäuper, Leiter des Fachdienstes Ordnung und Gewerbe der Stadt Osnabrück. Das sei nicht der Fall, wenn der Hund im Spiel den Menschen versehentlich mit den Zähnen verletzt. Die Überprüfung erfolge unabhängig davon, ob der Fall strafrechtlich verfolgt wird.

Wird das Tier als gefährlich eingestuft, kann das Ordnungsamt eine Reihe von Maßnahmen in die Wege leiten. Diese reichen von der Anordnung des Leinen- und Maulkorbzwangs über Vorschriften zu Haltung und einen Wesenstest - in ganz extremen Fällen bis hin zur Einschläferung des Hundes durch einen Tierarzt.

VON OBEN HERAB MÖGEN HUNDE NICHT: Trainerin Simone Crämer empfiehlt, aggressive Hunde ruhig anzusprechen, sich wegzudrehen und stehen zu bleiben. Foto: Pentermann
Autor:
Marie-Luise Braun


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