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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Trotz Protest machte die Abrissbirne kurzen Prozess
Zwischenüberschrift:
Zeitreise am Domhof:
 
Das Haus Schöningh musste im Jahr 1975 nach dem Willen der Stadt der Verbreiterung der Lortzingstraße weichen
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Osnabrück

DIESES HAUS IST BESETZT: Mit Transparenten protestierten die Osnabrücker gegen den Abriss des Eckhauses - auf der Postkarte aus der Sammlung unserer Leserin Marga Remmert links im Bild.

NACH DEM ABRISS des Hauses Schöningh wurde das angrenzende Wohn und Geschäftshaus von 1854 zum Eckhaus. Es wurde nach der Straßenverbreiterung saniert. Foto: Gert Westdörp

Innenstadt (tos) " Sind gut hier angekommen", heißt es auf der im Jahr 1904 aus Osnabrück versendeten Ansichtskarte. Sie stammt aus einer Zeit, in der sich die Menschen noch in gemäßigtem Tempo durch die Stadt bewegten. Der Verkehr war nochüberschaubar, Pferdedroschken und Fußgänger bestimmten das Bild am Domhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Heute drängeln sich hier Busse, Autos und Lieferwagen auf einem breiten Asphaltband, dem Mitte der 1970er Jahre unter Bürgerprotest das Eckhaus Scnöningh zum Opfer fiel.

Die Lortzingstraße, die Dielingerstraße und Domhof miteinander verbindet, wurde 1892 angelegt. Die zentrale I, age des Domhofs begünstigte im 19. Jahrhundert die Ansiedlung zahlreicher Geschäftsbauten an diesem Straßenzug. Mit der Stadtentwicklung am Ende des 19. Jahrhunderts ging der ursprüngliche Charakter des Domhofes als einer von Domherrcnhöfen gesäumten Zone verloren. So musste die ehemalige Domdechanei, eine große Domherrenkurie am Domhof, dem Durchbruch der Lortzingstraße weichen.

In der von Böselagerschen Kurie, dem heutigen Standort des Stadttheaters, war von 1817 bis 1906 das alte Ratsgymnasium untergebracht. Das bereits 1595 eröffnete staatliche Gymnasium ist die älteste nicht geistliche Schule der Stadt Osnabrück. Im rechten Bildteil, hinter den Droschken, ist die Umzäunung des weitläufigen Schulhofes noch zu erkennen.

Ganz links zeigt die Ansichtskarte ein Gebäude, das 1975 Stadtgeschichte schrieb: Das Eckhaus, in dem die Schöningh' sche Buchhandlung residierte, sollte im Zuge einer geplanten Verbreiterung der Lortzingstraße abgerissen werden. Groß war damals die Empörung der Bevölkerung. Kein Tag verging ohne Proteste, und bald wurden in den Fenstern des leer stehenden Gründerzeitgebäudes Transparente gehisst mit Aufschriften wie " Dieses Haus ist besetzt!" oder " Gegen Sanierung". Nach einer elfwö-chigen Besetzung des Gebäudes setzte sich die Stadt am 9. April 1975 über einen Beschluss des Verwaltungsgerichts hinweg und schuf mit einer Abrissbirne Tatsachen.

Damit wurde das rechts neben dem Haus Schöningh angrenzende Wohn- und Geschäftshaus von 1854 zum Eckgebäude. Der helle, dreigeschossige Putzbau mit Sandsteingliederungen und - einfassungen gehört zu den frühesten erhaltenen Bauten des romanisierenden Rundbogenstils in Osnabrück.

Innenräume und Fassade des markanten Gebäudes mit den kleinen Ecktürmchen wurden nach der Straßenverbreitung von der Stadt mit großem Aufwand saniert.

1904 befand sich In den unteren Geschäftsräumen mit den Säulenarkaden noch die Hutfabrik von Carl Em-merich. Später übernahm ein Handel für Haushaltswaren die Räume im Erdgeschoss. Von diesem Geschäft leitet sich auch der nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Name des Eckhauses ab: Noch heute wird das Gebäude im Osnabrücker Volksmund " Alfahaus" genannt - " Alles für das Haus".
Autor:
tos


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