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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Ein Metallschirm als Trommel
Zwischenüberschrift:
Buntspecht klopft am Klushügel
Artikel:
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Originaltext:
Ein Metallschirm als Trommel

Buntspecht klopft am Klushügel

Von Gerhard Kooiker

Gartlage

Beim Frühjahrsspaziergang sind die " Zimmermänner des Waldes" jetzt wieder zu hören. Die Spechte haben sich irgendwo ihre Musikinstrumente gesucht, üblicherweise einen trockenen, wohltönenden Ast, und verständigen sich untereinander mit Klopf- und Trommelsignalen.

Hoch oben über dem Klushügel allerdings trommelt es metallisch laut. Weithin tönt der Trommelwirbel. Er beträgt etwa 20 Schläge pro Sekunde, worauf eine Pause von 10 bis 20 Sekunden folgt. Spaziergänger bleiben stehen, drehen die Köpfe, verrenken die Hälse und suchen den Trommler. Da entdecken sie einen schwarzweißen, amselgroßen Vogel auf dem Lampenschirm der Flutlichtanlage. Es ist ein Buntspecht, der Morgen für Morgen viele Bürger weckt. " Das geht nun schon seit gut vier Wochen so", berichteten zwei Anwohner. " Und der Specht hat immer noch

Wer nicht singen kann, muss klappern

kein Loch in den metallenen Schirm gehämmert."

Buntspechte trommeln, weil ihnen die stimmlichen Lautäußerungen zum Singen fehlen. Der Fachmann spricht hier von einer instrumentalen Lautäußerung. Auch das bekannte Schnabelklappern des Weißstorches gehört in diese Kategorie. Das Trommeln ist also letztlich ihr Gesang, der bedeutet: Hier ist mein Revier, und ich suche einen Partner. Folgt man der Fachliteratur, so werden ausnahmsweise sogar Sirenen, Dachrinnen und hohe Stahlträger als Resonanzkörper genutzt. Ich selbst habe auf Metall trommelnde Buntspechte bisher noch nie belauschen können.

Warum sich der Specht vom Klushügel statt eines

Stehen Spechtdamen auf Metall-Sound?

trockenen Astes einen Metallkörper ausgesucht hat, um seine akustische Botschaft in die weite Umgebung auszusenden, könnte dem Zufall entsprungen sein. Es ist zu vermuten, dass er auf seinem Flug über den Sportplatz auf einem dieser vier Lampenmasten landete und daran klopfte. Diesen Ton muss er als sehr angenehm empfunden haben, da er besonders laut ist und der Schall weithin trägt. Ob er - vorausgesetzt, es ist ein Männchen - mit diesem fremd klingenden Trommelgesang auch ein Buntspechtweibchen anlocken kann, wird letztlich die Zukunft zeigen. Es könnte gut sein, dass die Weibchen auf seinen Gesang, der nicht artspezifisch ist, nicht reagieren, weil sie ihn als solchen nicht erkennen. Hoffentlich bemerkt unser Buntspechtmännchen frühzeitig seinen Irrtum, bevor die Fortpflanzungszeit vorbei ist, sonst gerät es - zumindest für dieses Jahr - evolutionsbiologisch gesehen möglicherweise ins Abseits.

EIN KONSERVATIVER BUNTSPECHT hämmert auf Holz. Die Vorreiter dieser Spezies klopfen auf Blech. Ob' s den Spechtdamen gefällt, ist noch nicht erforscht. Foto: Bernhard Volmer
Autor:
Gerhard Kooiker


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