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NUSO-Archiv - Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Überschrift:
Diegos lange Reise nach China ohne einen Fisch
Zwischenüberschrift:
Im Zoo kommen und gehen die Tiere
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Diegos lange Reise nach China ohne einen Fisch

Im Zoo kommen und gehen die Tiere

Von Beate Dammermann und Jörn Martens (Fotos)

Osnabrück

Peter Bössenecker schiebt energisch die Tür des Transporters zu. " So, jetzt ist er weg", sagt er. Fast jeden Tag sieht er Abschiedstränen fließen, denn der Job des Niederländers ist es, Tiere aus einem Zoo in einen anderen zu bringen. Während die Tierpfleger etwas schlucken und die Mama nebenan im Wasserbecken unruhig nach ihrem Baby ruft, geht Seelöwe Diego auf die lange Reise in einen chinesischen Zoo.

20 bis 30 Tiere verlassen pro Jahr den Schölerberg, eben so viele kommen aus anderen Zoos nach Osnabrück. Wie es im Tierleben so ist, bestehen die Gruppen oft aus einem Männchen und seinem Harem. Um Inzucht zu vermeiden oder Rangeleien zwischen Söhnen und Vätern, dreht sich das Tierkarussell zwischen den Zoos in aller Welt.

Mittendrin Diego. Der Seelöwe wurde im Mai 2003 auf dem Schölerberg geboren und muss jetzt die Herde verlassen. Schon Tage zuvor wurde er vermessen, seine Größe an den Tiertransporteur durchgegeben, damit der eine passende Kiste mitbringt.

Donnerstagmorgen ist es so weit. Schon am Morgen wird er nicht ins Freie gelassen, heult nach seiner Familie. Als Peter Bössenecker kommt, geht alles ganz schnell: Diego wird in die Kiste gescheucht, kommt in den Transporter. Dort warten schon in anderen Boxen zwei Seelöwendamen aus dem Zoo Basel. Abends um 20 Uhr fliegen sie mit einer chinesischen Fluglinie von Amsterdam nach Peking, dann folgt noch eine Reise zu Land in den Sea World Park in Dalian.

Der Eimer mit leckerem Hering, den die Tierpfleger ihm als Wegzehrung mitgeben wollen, bleibt in Osnabrück. Auf dem Transport bekommt Diego nichts zu fressen. Und da die kalifornischen Seelöwen in ihrer Heimat tagelang in der Sonne liegen, wenn sie den Nachwuchs beaufsichtigen, muss er während des Fluges auch nicht mit Wasser begossen werden. Eine Kübelspritze ist allerdings an Bord: Zur Beruhigung des Piloten, der sonst aus Unkenntnis den Transport verweigern könnte.

" Die Tiere brauchen nichts, sie liegen meist ruhig in den Kisten und schlafen", sagt Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder. Das beste Zeichen, dass es einem Tier beim Transport gut ging, ist für ihn, wenn es im neuen Zoo den Transportbehälter nicht verlassen will. " Dann hat es sich darin wohl gefühlt."

Andere Tierarten, andere Transporte. Schröder war gerade in Frankfurt, im Gepäck Weißgesichts-Marmosetten, kleine Äffchen. Kollegen aus der Schweiz brachten Tiere aus ihrer Zucht dorthin: Affentausch auf halbem Weg.

Komplizierter war der Abschied von Muran, der ersten in Osnabrück geborenen Giraffe. Der zwei Jahre alte Jungbulle begann, sich mit seinem Vater zu fetzen. Im niederländischen Zoo Amersfoort wird er in eine Jungbullenherde integriert, bis ihn ein Zoo als Zuchttier braucht. " Giraffen können gefährlich sein und gezielt treten", sagt Schröder. Deshalb bekam Muran zunächst ein leichtes Beruhigungsmittel, dann versuchten die Tierpfleger mit Geduld und Lockmitteln, wie Bananen und Laub, ihn durch einen aus Strohballen gebauten Gang auf den Hänger zu bugsieren. Eine schwarze Folie sollte ihm den Rückweg ins Haus versperren, Richtung Hänger Müsli den Weg schmackhaft machen. Eine Stunde dauern die Versuche, schließlich ein Satz und Muran hat den Transporter erklommen.

Beruhigungsmittel, sagt Schröder, können ein Tier unberechenbarer machen. Deshalb wird in jedem Fall überlegt, ob das nötig ist. Kleine Äffchen zum Beispiel werden auch schon mal im " Polizeigriff" in die Kiste bugsiert. " Die beruhigen sich schnell wieder, und das Risiko ist geringer als bei einer Narkose."

Andererseits hat der Zooinspektor es aber auch schon erlebt, dass ein betäubter Tiger wieder erwachte, als er ihn zusammen mit Kollegen in die Transportkiste schleppte. " Wilde Tiere laufen vor dem Menschen weg, Zoo-Tiere haben vor uns keinen Respekt. Die können in Stresssituationen angreifen."

Welches Tier nach Osnabrück kommt oder den Schölerberg verlässt, darüber bestimmen bei vielen Arten auch die internationalen Zuchtbuchführer mit. Und dann gibt es noch die Tauschbörse so der Zooleiter. Zoodirektor Dr. Wolf Everts hat schon oft nach Konferenzen bei einem Glas Rotwein mit Kollegen Tiere an Land gezogen. Gibst du mir, geb ich dir. Doch als er aus Kopenhagen mal ein Wasserschwein mitbrachte, machte der Zoll Probleme. Schweine dürften nicht nach Deutschland eingeführt werden, hieß es. Everts hatte Mühe zu erklären, dass ein Wasserschwein ein Nagetier ist.

WIE GROSS IST DIEGO? Bevor der junge Seelöwe seine lange Reise nach China antritt, wird er von Zooinspektor Hans-Jürgen Schröder (rechts) und Tierpfleger Dirk Wieferich gemessen. Schließlich muss die Transpotkiste den Vorschriften entsprechen.

EIN LETZTER BLICK: Muran verlässt den Zoo.

MIT VEREINTEN KRÄFTEN wird Diego in seiner Kiste in den Transporter gehievt. Per Auto geht es bis Amsterdam, dann mit einem Linienflugzeug nach China. Zu fressen bekommt er auf der langen Reise keinen einzigen Fisch.
Autor:
Beate Dammermann


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