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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Von Mut war schon bald nicht mehr die Rede
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Lohstraße: Die Sparkasse will jetzt den zweiten Preis des Architektenwettbewerbs realisieren
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Von Mut war schon bald nicht mehr die Rede

Lohstraße: Die Sparkasse will jetzt den zweiten Preis des Architektenwettbewerbs realisieren

Von Rainer Lahmann-Lammert

Der eine gewinnt den Wettbewerb, der andere darf bauen. So war es 1992 beim Theater, und so ist es jetzt beim Wohnprojekt Lohstraße. In der Vorstandsetage der Sparkasse fiel die Vorentscheidung für den Entwurf des Architektenbüros Dr. Ahrens + Pörtner aus Hilter. Damit ist der Münsteraner Architekt Rainer Kresing wohl aus dem Rennen. Denn die Sparkasse tritt als Investor auf, ihr Votum hat Gewicht.

Auf dem Grundstück zwischen der Lohstraße und der Turmstraße graben derzeit noch die Archäologen nach den Spuren der früheren Jakobskapelle. Die Osnabrücker von heute kennen nur den Parkplatz. Auf dem Gelände standen noch vor Jahrzehnten Häuser. Ein Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg riss die Lücke, die jetzt geschlossen werden soll.

Die Osnabrücker Parkstätten-Betriebsgesellschaft (OPG) - ihr gehört auch das Grundstück - will auf dem Areal eine Tiefgarage für 165 Autos bauen. Allerdings nur im Keller. Oberhalb davon ist eine Wohnbebauung vorgesehen. Nach dem derzeitigen Sachstand ein gemeinsames Projekt der Sparkasse und der Osnabrücker Wohnungsbau-Gesellschaft (OWG), die ja neuerdings eine NILEG-Tochter ist.

Den Wettbewerb, zu dem die OPG zehn Architekten eingeladen hatte, gewann zwar das Münsteraner Büro Kresing mit einem " mutigen Entwurf", wie es der Juryvorsitzende Walter von Lom ausdrückte. Doch von diesem Mut war schon bald nicht mehr die Rede, und in den nachfolgenden Beratungen ging es weniger um die Architektur im ästhestischen Sinn als vielmehr um die Frage der Vermarktung. Sparkassenvorstand Josef Bernhard Hentschel brachte es gegenüber unserer Zeitung auf den Punkt: Der Entwurf von Pörtner biete mehr Raum für Komfort, etwa für Aufzüge. Die ließen sich bei Kresing nicht integrieren.

Mit dem Votum der Sparkasse sind die Würfel gefallen.

Formal entscheidet zwar im Februar die Gesellschafterversammlung der OPG, doch niemand erwartet, dass ein abweichender Beschluss zu Stande kommt. Und auch vom Bebauungsplanverfahren, das die Stadt nun auf den Weg bringen muss, erwartet niemandÜberraschungen.

Damit verliert auch die Diskussion über die beiden Entwürfe ihren Reiz, einer Diskussion, der sich die Architekten gern gestellt hätten, die Sparkasse aber nicht. Zwischen den Modellen von Rainer Kresing und Wilhelm Pörtner liegen Welten. Beide Architekten bekennen sich zwar zu einer modernen Bauweise, aber sie meinen damit ganz unterschiedliche Dinge.

Der Münsteraner Rainer Kresing wollte in der Baulücke eine gläserne Insel schaffen, ein eigenständiges Quartier, das zwischen den Altstadt häu-sern zwar wie ein Fremdkörper wirkt, aber für die Bewohner sicherlich Qualitäten haben dürfte. Ganz anders der Entwurf von Wilhelm Pörtner aus Hilter. Er hat nicht die Fläche im Blick, sondern die beiden Straßenzüge. Und so plant er einen Bau, um die Lücke an der Lohstraße zu schließen und einen zweiten Bau, um der Turmstraße wieder eine geschlossene Front zu geben.

Ironische Töne aus Münster

" Die Lohstraße hat einen eigenen Charakter", sagt Pörtner, und die Turmstraße sei " noch prägnanter". Es gelte, dieses Ensemble zu vervollständigen. Die beiden Baukörper sollten der Unterschiedlichkeit Rechnung tragen, das heißt für ihn an der Lohstraße etwas gestreckter, an der Turmstraße in schmale Segmente gegliedert, aber zusammenhängend gebaut. Die Häuser sollen transparent und leicht wirken, mit viel Glas. Und beim Blick auf die Fenster soll auf die Blickbezüge zur Marienkirche und zum Dom Rücksicht genommen werden.

Und weil der Platz zwischen den Häusern frei bleibt, will Pörtner dort, über der Tiefgarage, eine Gartenzone schaffen, die den Bewohnern der Turmstraße zugute kommen soll. Die Wohnungen an der Lohstraße würden " eher Penthousecharakter" bekommen, vermerkt der Architekt. Die OPG will im Juni mit dem Bau der Tiefgarage beginnen, das Gesamtprojekt soll Anfang 2005 fertig sein.

Architekt Rainer Kresing aus Münster, der zwar den Wettbewerb gewonnen hat, aber an der Realisierung gehindert wird, rettet sich in Ironie. Osnabrück, so rät er, solle " weiter schlafen". Dann brauche sich die Stadt auch nicht mit neuen Ideen auseinander zu setzen.

ZWEI STRASSEN, ZWEI LÖSUNGEN: Das Modell aus dem Büro Ahrens + Pörtner mit der Lohstraße im Vordergrund und der Turmstraße im Hintergrund. Foto: Elvira Parton

VOM ZWEITEN auf den ersten Rang gerutscht: Architekt Wilhelm Pörtner aus Hilter. Foto: Detlef Heese

BAUBEGINN IM SOMMER: Auf dem Parkplatz an der Lohstraße soll ein Wohnprojekt über einer Tiefgarage entstehen. Foto: Michael Hehmann
Autor:
Rainer Lahmann-Lammert


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