User Online: 1 | Timeout: 08:17Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Bilder sind das Tagbuch eines Fotografen
Zwischenüberschrift:
Wiederentdeckt: Alois Wurm, ein früher Fotoamateur
Artikel:
Kleinbild
 
Kleinbild
Originaltext:
Bilder sind das Tagebuch eines Fotografen

Wiederentdeckt: Alois Wurm, ein früher Fotoamateur

Von Frank Henrichvark

Diese Tausende von Glasnegativen und großformatigen Dias, dazu Ausschnitte und Tagebücher haben Jahrzehnte auf einem Dachboden gelschlummert. Jetzt werden sie zu neuem Leben erweckt: der nahezu komplette Nachlass des Dr. Alois Wurm, eines der frühen Fotografen in Osnabrück.

Alois Wurm lebte von 1866 bis 1941. Er war einer der mühen Fotoamateure in der Hasestadt. Und er hat um das Jahr 1900 mehrfach Bildmappen, Ansichtskarten und einen illustrierten Band zu Geschichte und Kunstdenkmälern der Stadt Osnabrück veröffentlicht. Aber mit dem jetzt entdeckten Nachlass hat sich das bekannte bildnerische Werk schlagartig mindestens verdoppelt. Auf über 5 000 Negative schätzt Hermann Pentermann den gesamten Bestand.

Alois Wurm, das lässt sich bereits jetzt an den ersten gesichteten Bildern ablesen, hatte ein ausgeprägtes dokumentarisches Interesse. Er fotografierte nicht nur Stadtansichten, sondern auch unzählige Landschaftsaufnahmen während seiner Urlaubsreisen, er erkundete die Wartburg mit der Kamera und ließ nach den dort gesehenen Möbelstücken historisierende Kopien anfertigen, wie er auch die eigenen vier Wände und das Domizil des Bürgermeisters Petermann und des Malers Franz Hecker ablichtete. Andere Fotos aus seiner Werkstatt zeigen das vom Hüttendirektor August Haarmannan gelegte Schaubergwerk, den Piesberger Obersteiger Degen oder auch außergewöhnliche Werkstücke aus dem Osnabrücker Stahlwerk. Gerade bei diesen frühen Beispielen der Industriefotografie berühren sich Hobby und Beruf im Leben von Alois Wurm. Nach dem Chemiestudium in Würzburg, Berlin und Münster schließlich in Erlangen zum Dr. phil. promoviert, trat er 1889 beim Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein seine erste Stelle an: Mit einem Jahresgehalt von 1 500 Mark, wie er im Tagebuch stolz vermerkt. Wenig später wurde er schon Betriebsdirektor des Bessemer-Werkes in Osnabrück, ab 1906 und bis zu seinem Ruhestand (im Jahr 1929) dann Leiter des gesamten Stahlwerks Osnabrück.

Bis zum Jahr 1891 hat Alois Wurm zudem Tagebücher geführt. Leider brechen die Tagebücher mit seinem Eintritt in das Berufsleben dann ab. Das neue Medium Fotografie hatte die Dokumentation im Tagebuch abgelöst.

Als Chemiker war Wurm der Umgang mit Entwicklungsflüssigkeit und Fixierbädern natürlich vertraut. Zudem verwandte er offensichtlich sehr viel Zeit auf die Bildgestaltung, das " Malen mit Licht". Und so gelangen ihm schon wenige Jahre, nachdem das neue Medium der Fotografie seine Anwendungsreife erlangt hatte, technisch wie künstlerisch perfekte Bilder. Gestochen scharf, so dass in der Vergrößerung bei den Osnabrücker Fachwerkbauten selbst noch die Inschriften auf den Balken zu entziffern sind. Und im Bildaufbau wie auch beim Umgang mit Licht und Schatten bereits so durchkomponiert, wie es später dann vor allem der Profi Rudolf Lichtenberg praktizierte.

DIE MARIENSTRASSE UM 1900: Wegen der damals notwendigen langen Belichtungszeiten eines der seltenen Motive, die ein Pferdefuhrwerk oder Passanten zeigen. Repros: Hermann Pentermann

DER FOTOGRAF: Dr. Alois Wurm (1866-1941).

DIE LOHMUHLE AUF DEM WESTERBERG IM WINTER: Diese perfekt aufgebaute Aufnahme lässt sich auf die Zeit vor 1895 datieren. Später verlor die Windmühle dann ihre Flügel.

BLICK IN DAS ARBEITSZIMMER von Dr. Alois Wurm, aufgenommen in der Wohnung Möserstraße 30.
Autor:
Frank Henrichvark


Anfang der Liste Ende der Liste