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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
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Der Glockenstuhl hält das Gerüst
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Mathematik und Muskelkraft: Die Männer auf dem Turm von St. Marien
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Originaltext:
Der Glockenstuhl hält das Gerüst

Mathematik und Muskelkraft: Die Männer auf dem Turm von St. Marien

Von Frank Henrichvark

Noch sind die Knie und Waden bleich, aber die Gesichter schon von der Sonne verbrannt. Seit dieser Woche tragen die Gebrüder Knippenberg wieder kurze Hosen: " Hier oben brennt die Sonne schon ganz schön", sagt Jörg Knippenberg. Zusammen mit seinen Brüdern Rolf und Olaf und noch einem Kollegen baut er seit drei Wochen das Gerüst für den Marienkirchturm.

Die Knippenbergs sind ein starkes Team: Für die Gerüstbaufirma Ste-Ba aus der Nähe von Bremen haben sie schon Schiffe, Passagierflugzeuge und auch das Bremer Rathaus mit Stahlrohren und Laufplanken eingesponnen. Jörg Knippenberg macht das seit 16 Jahren, ein Bruder seit 10 Jahren - und der jüngste kam vor einem Jahr zu der Truppe: " Auf dem Gerüst muss man sich eben gut verstehen", sagt er nur dazu.

Bei aller Erfahrung: So ein 84 Meter hoher Kirchturm wie St. Marien war lange nicht mehr im Programm der Knippenbergs. Allein eine Woche haben sie die Westwand des Turms bis zur Galerie in 40 Meter Höhe mit 22 Etagen eingerüstet und den Lastenaufzug installiert. Dann kam der Autokran und hat neun Doppel-T-Träger auf die Galerie gehievt. Die werden nun den ganzen Oberbau weiter bis zum Kreuz in 84 Meter Höhe tragen. " Der Statiker hat ausgerechnet, dass jeder Träger am Ende maximal drei Tonnen Zuggewicht aufbringt", so berichtet der technische Geschäftsführer Jürgen Matthias, " diese Kraft wird mit zwei Gewindestangen unter der Decke abgefangen." Und zur Sicherheit haben die Männer dann noch einmal Gurte bis zum Glockenstuhl gespannt. So bilden jetzt die Glocken das Gegengewicht zu der filigranen Außenhaut aus Stahl rings um den kupfergrünen Turmhelm.

Mittlerweile sind die Gerüstbauer in der sechsten Etage angelangt. Bis auf 56 Meter - also etwa bis dahin, wo def schlanke Schaft unterhalb der Zwiebel aufragt - werden sie noch den Lastenaufzug benutzen können. Von da an muss dann alles von Hand weitergereicht werden: Rahmenteile, und Laufbohlen für das Schnellbaugerüst, Geländer, Treppen und jede einzelne Rohrschelle.

" Das Gerüst verjüngt sich mit dem Turm", erklärt Jürgen Matthias, " schließlich sollen die Klempner nahe am Dach arbeiten können." Deshalb können die Gerüstbauer nicht nur vertikal konstruieren, sie müssen auch alle zehn bis 15 Meter mit Auslegern arbeiten. Zusätzlich wird die ganze Pyramide dann in sich verspannt und mit Aufliegern an der Dachhaut abgestützt.

Wenn das Wetter mitspielt, wird das Team um die Gebrüder Knippenberg in zwei Wochen die Spitze des Turms erreicht haben. Dann übernehmen erst einmal die Klempner die Baustelle. Zwischenzeitlich hat auch der Kirchenvorstand von St. Marien über die Materialfrage entschieden: Rohes Kupfer und keine vorpatinierte Ware wird für den Turm von St. Marien genommen werden. " Es war keine Frage des Geldes, sondern eine Frage der Werkgerechtigkeit", sagte dazu Kirchenvorsteher Helmut Voß, " das Dach soll auf natürlichem Wege altern."

50 METER ÜBER DEM MARKTPLATZ: Mit dem Lastenaufzug fahren die Männer der Gerüstbaufirma tonnenweise Material auf den Turm von St. Marien. Fotos: Jörn Martens

UNZÄHLIGE SCHRAUBEN müssen angezogen werden: Olaf Knippenberg befestigt eine der vielen Streben.

SCHWINDELFREI muß man schon sein: Rolf und Jörg Knippenberg (oben) bauen am Gerüst. Noch sind es etwa 30 Meter bis zur Spitze.
Autor:
Frank Henrichvark


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