User Online: 1 | Timeout: 04:07Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Jeder Baum wurde erst einmal vermessen
Zwischenüberschrift:
Osnabrücks Grünflächen stecken im Gärtner-Computer
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Jeder Baum wurde einmal aus der Luft vermessen

Osnabrücks Grünflächen stecken im Gärtner-Computer

Osnabrück (hmd) Von der Terrasse im 8. Stock des Stadthauses hat man einen weiten Blick über Osnabrück - und auf viel Grün. Allein 60 000 Bäume stehen auf stadteigenem Boden. Im Stadthaus angesiedelt ist auch der für die Unterhaltung zuständige Fachdienst Grünflächen. Hier hat das digitale Zeitalter Einzug gehalten, mit dem die Arbeit effizienter und die Kostenrechnung erleichtert werden soll.

Vor zwei Jahren erteilte der amerikanische Experte Dr. Alex Shigo Osnabrück als Ausrichter des Baupflegetages großes Lob: " An jeder Stelle, wo man einen Baum pflanzen kann, wurde ein Baum gepflanzt. An jeder Stelle, wo Blumen blühen können, blüht eine Blume." Dafür ist großer Aufwand notwendig, der aber laut Fachdienstleiter Klaus Schröder Sinn macht: " Man kann die Flächen einfach mit Gras vollsäen oder sich selbst überlassen. Aber da ginge viel Charme verloren."

Die Pflege wird über das Grünflächenkataster gesteuert, das die Daten vom Geografischen Informationssystem (GIS) erhält. Im GIS wurden in Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Geografie der Universität sämtliche Grünflächen auf Basis von Luftaufnahmen digital erfasst.

Aufgeführt ist jeder Baum, jeder Weg, jede Bank, auf den Spielplätzen, für die das Amt ebenfalls zuständig ist, sogar alle Spielgeräte. Für die Datenbank ist Katja Grube zuständig, die die Daten auf so genannte Handheldgeräte überträgt, die die Gärtner mit sich führen.

Im gut 100 000 Quadratmeter großen Bürgerpark sind Vorarbeiter Manfred Witte, Gerhard Hertsch und Bayram Shaquiri zurzeit mit der Unkrautbeseitigung beschäftigt. Unterteilt nach Pflegeeinheiten - von den 608 Bäumen und den mehr als 22 000 Quadratmeter Rasen bis hin zu Skulpturen -, sind wiederum detailliert alle Tätigkeiten eingegeben, denen die Gärtner ihre Arbeitsstunden direkt zuordnen.

Bei den Mitarbeitern herrschte nach Einführung der Handheldgeräte im Mai 1999 zunächst Skepsis; Tenor: " Wir sind Gärtner und nicht Computerfachmänner." Aber Martin Goecke, Bezirksleiter Ost, und sein Stellvertreter Hermann Schiller sind von dem System mittlerweile überzeugt: " Am Anfang lief ziemlich viel schief", erinnern sie sich an die " Kinderkrankheiten".

Zum Teil waren die - Tätigkeiten nicht komplett erfasst, in anderen Bereichen wieder zu detailliert aufgeführt. Deshalb wird das System ständig verbessert: " Jetzt ist das kompakter und viel leichter zu handhaben." Weiterer Vorteil: Alle Daten sind sofort abrufbar: " Ich kann sofort belegen, wann wir wo waren", so Goecke. Werden Bäume gefällt oder Bänke aufgestellt, nimmt Katja Grube dies anschließend in die Datenbank auf.

Früher mussten die Mitarbeiter ihre Tätigkeiten in den jeweiligen Objekten handschriftlich festhalten. Das ist bei der Begutachtung der Bäume noch heute so, wie Thomas Maag, zuständig für den Baumschutz, erklärt. Aber auch hier soll in etwa zwei Jahren die Zettelwirtschaft beendet sein und ein so genannter Pentop Papier und Kugelschreiber ersetzen.

Zwar sind die Bäume im GIS aufgenommen, doch zukünftig sollen sämtliche Stammdaten in einem eigenen Baumkataster erfasst werden, einschließlich einer Checkliste für Schäden. Erfasst sind bereits 1 000 Bäume, allerdings sollte der Umfang der Datensätze nicht ausufern: " Es ist eine Gratwanderung zwischen dem was möglich und dem was nötig ist", so Maag. " Man kann auch den letzten Strauch erfassen, aber ist das noch sinnvoll?"

Auch Hans-Joachim Schöning arbeitet mit den Daten, ihm obliegt die Kostenrechnung für die Personal- und Maschinenstunden. Hinterlegt ist ein Soll-Ist-Vergleich für die einzelnen Objekte mit jeweiligen Pflegeeinheiten. So kann Schöning überprüfen, " ob irgendwo die Kosten wegrennen", und nach den Ursachen forschen. Allerdings sind Abweichungen von den zuvor angesetzten Soll-Werten manchmal unumgänglich: Bei den Unterhaltungskosten für Wege überschreiten die Stunden die vorgegeben Werte schon mal um das Zehnfache. Aber das ist nun einmal Natur: Dann haben etwa starke Niederschläge den Weg weggespült, und Sanierungsarbeiten mussten durchgeführt werden.

Zur Sache: Osnabrücker Grün

In Osnabrück gibt es ungefähr 500 Hektar öffentliche Grünflächen, die im Grünflächenkataster als 2 000 Objekte geführt werden, die wiederum insgesamt 75 000 einzelne Flächen umfassen. Der Fachdienst Grünflächen mit seinen 165 Mitarbeitern ist zuständig für die Planung, Bauleitung und Unterhaltung der öffentlichen Grünflächen. Alle Grünflächen und Bäume müssen aus Gründen der Verkehrssicherheit regelmäßig kontrolliert werden. Zuständitg ist der Dienst auch für die etwa 250 öffentlichen Kinderspielplätze, die einmal pro Woche auf ihre Sicherheit überprüft werden. Im Aufbau befindlich ist das Baumkataster. Bisher wurden die Stammdaten mit botanischem Maen, Stadort, Größe, Umfang von 1 000 Bäumen eingegeben. Anschließend soll für alle Bäume eine Checkliste hinterlegt werden, anhand der der Fachdienst zukünftig Schäden und Schadensymptome aufnehmen kann. Nach Möglichkeit soll das System 2006 betriebsbereit sein.

BÜROARBEIT gehört auch dazu: Katja Grube aktualisiert im Stadthaus die Datenbank.

OHNE PAPIER UND BLEISTIFT: Vorarbeiter Gerhard Hertsch tippt die Arbeitsstunden der Gärtner in das Handheldgerät ein. Fotos: Gert Westdörp
Autor:
hmd


Anfang der Liste Ende der Liste