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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Die Gäste mit der Kutsche abgeholt
Zwischenüberschrift:
Rückblick: Schweizerhaus und Hyde Park
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Gute Zeiten, schlechte Zeiten" ist nicht nur der Titel einer Dauerserie im Fernsehen. Er passt auch als Motto, um die Geschichte des Grundstücks an der Rheiner Landstraße zu beschreiben, wo einst das Schweizerhaus und der Hyde Park amüsierwillige Osnabrücker anlockten.

Als Friedrich Feldmann 1907 die Konzession für das Schweizerhaus an der Lengericher Landstraße erhielt, wie die Rheiner Landstraße damals hieß, war die Welt noch in Ordnung. Die Deutschen hatten ihren Kaiser Wilhelm und die Osnabrücker ein neues Ausflugslokal. Dabei bot Feldmann seinen Besuchern einen einmaligen Service an: Bevor die Straßenbahn in Betrieb genommen wurde, holte er seine Gäste höchstpersönlich mit dem Kutschwagen vom Heger Tor ab. Die damals noch außerhalb der Stadt gelegene Gastwirtschaft hatte eine besondere Attraktion: das Licht- und Luftbad im Garten.

Während der beiden Weltkriege musste das Schweizerhaus wie viele andere Einrichtungen und Menschen auch Rückschläge hinnehmen. Teile des Hauses wurden im Zweiten Weltkrieg von der Wehrmacht und später von einer holländischen Baukompanie okkupiert. Nach Kriegsende musste die Familie gar das Gebäude räumen.

Erst 1949, im Jahr der Währungsreform, begann ein neuer Abschnitt in der Geschichte des Schweizerhauses.

Neben den Bällen der Schützen, Jäger und des Musikvereins, wo internationale Varieté-Künstler und die hauseigene Kapelle von Gustl Huuck auftraten, fand dort auch der Sportpresseball statt, der Vorläufer des späteren Presseballs.

Mitte der 70er Jahre war die Ära des Schweizerhauses zu Ende. Mit der Eröffnung des Hyde Parks am 15. Mai 1976 entdeckte eine ganz andere Klientel das alte Ausflugslokal. Junge Leute tanzten in der Diskothek zu lautem Rock. Kulturell erlebte die Jugendkultur einen Aufschwung, da auf einmal international bekannte Künstler im Hyde Park auftraten, die sonst einen Bogen um die Stadt gemacht hätten.

Doch der Hyde Park stand unter keinem guten Stern. 1979 verfügte die Stadt die sofortige Schließung des Gaststättenbetriebs, weil dort ein Umschlagplatz für Drogen entstanden sei. Das Verwaltungsgericht Lüneburg setzte diesen Beschluss allerdings aus, und so konnten auch weiterhin Jugendliche aus dem ganzen nordwestdeutschen Raum in den Hyde Park pilgern. Dies geschah jedoch zum Unmut der Nachbarn. " Abbrennen" und " Waffenschein für jeden" forderten Anwohner auf einer im wahrsten Sinne des Wortes hitzigen Bürgerversammlung, die sich im Juli 1983 mit der kurz bevorstehenden Schließung des Hyde Parks befasste.

In der Nacht zum 31. Juli 1983 musste der Hyde Park dann endgültig seine Pforten schließen. Daraufhin entbrannten Tumulte, die die Stadt in Atem hielten. Am ersten Augustwochenende machte Osnabrück unrühmliche Schlagzeilen, und sogar die Tagesschau berichtete von den Straßenschlachten, bei denen auch die Anwohner die harten Knüppel der Polizei bei deren rücksichtlosem und von allen Seiten kritisiertem Einsatz zu spüren bekamen.

Der Hyde Park zog zum Fürstenauer Weg, das Gebäude an der Rheiner Land Straße stand noch eine Weile leer und wurde am 1. Jui 1988 abgerissen. Immer wieder tauchten Überlegungen für eine neue Nutzung de Geländes auf. Und schon bald gerieten sie wieder in Vergessenheit.
Autor:
Thomas Wübker


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