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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Unsere Hase sonst und jetzt.
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Unsere Hase sonst und jetzt.
Zu allen Zeiten hat die Hase für unsere Stadt hohe Bedeutung besessen. Sie ist zweifellos für die Örtlichkeit, für die Entstehung unseres Gemeinwesens zwischen Gertruden- und Westerberg mit bestimmend gewesen; man bringt - ob mit Recht oder Unrecht, mag dahingestellt bleiben - die Benennung der Stadt " Osnabrück" mit der Hase in Verbindung; die Hase hat, ehe man an Dampf oder Elektrizität dachte, zahlreichen Mühlen die Betriebskraft geliefert und erfüllt diese Aufgabe heute noch; sie ließ Wäschereien und Rasenbleichen an ihren Ufern entstehen, beispielsweise auch dort, wo sich heute die Möserstraße dehnt, und wer sich nur wenige Jahrzehnte in die Vergangenheit zurückzuversetzen vermag, weiß, daß sich bis zur Erbauung des Hauptbahnhofes an der Klus eine zwar nur kleine, aber gern besuchte Freibadeanstalt befand, die mit dem Freibad " Neue Mühle" genügte, dem sommerlichen Bedürfnis der Bevölkerung nach Abkühlung Befriedigung zu gewähren.
Das ist nun freilich mit dem Wachstum der Stadt und ihrer industriellen Entwicklung alles anders geworden; infolge Verschmutzung der Hase durch Abwässer mußten auf polizeiliche Anordnung die Hase-Freibäder geschlossen werden; neue moderne Badeeinrichtungen sind erstanden, die frühere Durchsichtigkeit der Hase ist dahin, dunkle, übeldünstende Fluten streichen zwischen den Ufern und haben nicht nur den früheren Fischreichtum des Wassers vernichtet, sondern auch die Pflanzenwelt, ebenso das gefiederte Leben auf der Hase unmöglich gemacht. Kaum, daß man noch eine Ente sieht, ganz zu schweigen von den Schwänen, die ehedem zwischen Neue Mühle und Pernickelmühle auf dem Wasserspiegel schwammen, sich der besonderen Pflege erfreuend, die ihnen der Verschönerungsverein und der inzwischen verstorbene Korbmacher Brand angedeihen ließen. Die Hase sieht eben in neuerer Zeit abscheulich aus, und ihre gesundheitsgefährdenden Ausdünstungen haben mit vollem Recht die Frage aufwerfen lassen, was zu geschehen habe, um dem unhaltbaren Zustand ein Ende zu machen.
Es leuchtet ein, daß es in der jetzigen hochsommerlichen Zeit nicht angängig ist, an eine Reinigung heranzutreten und durch Aufrührung der Schlammschicht die Ausdünstungen für die Nachbarschaft völlig unerträglich zu machen. Aber ebenso unerbittlich erhebt sich die Forderung, daß eine gründliche Reinigung platzgreifen muß, sobald sie sich irgendwie durchführen läßt, zumal eine gehörige Entschlammung und Entkrautung, die sich doch sonst alle paar Jahre wiederholte, seit Vorkriegszeiten nicht mehr stattgefunden hat.
Weiter ist davon die Rede gewesen, daß eine verstärkte Klärung der nach der Hase abfließenden Schmutzwässer unterhalb der Stadt erfolgen solle. Dem Vorhaben muß man zustimmen, soweit es sich um die aus dem städtischen Kanalsystem abströmenden Wasser handelt; es würde aber eine völlig ungenügende Maßnahme bedeuten, wenn nicht gleichzeitig oberhalb der Stadt, also etwa zwischen Hauptbahnhof und Neue Mühle oder noch weiter draußen Einrichtungen getroffen werden, die eine Weiterführung der aus den industriellen Anlagen in die Hase gelangenden Senkstoffe zur Unmöglichkeit machen. Darauf kommt es u. a. vor allem an, wenn man das Übel an der Wurzel treffen will. Die praktische Durchführung mag den Technikern überlassen bleiben daß sie aber durch entsprechende Einbauten in das Flußbett, und zwar ohne allzu erhebliche Kosten, möglich ist, wird uns aus Fachverständigenkreisen ausdrücklich versichert. Ist dem so, dann darf mit der Lösung der Aufgabe aus gesundheitlichen Gründen nicht länger gezögert werden, zumal die Befürchtung besteht, daß die unhaltbaren Verhältnisse sich nicht mildern, sondern mit dem Wachstum der Stadt und der industriellen Entwicklung nur noch verschlimmern werden. Darüber sind sich die zuständigen Stellen wohl einig, daß die Dinge, wie sie gegenwärtig liegen, unter keinen Umständen bleiben können.
Vielfach erhebt sich in der Bürgerschaft auch die Forderung nach Schaffung einer Wasserpolizei, der speziell die Beachtung der sanitären Verhältnisse, soweit sie mit der Hase in Zusammenhang stehen, zuzuweisen wäre. Der Gedanke begegnet vielleicht - nach der Polizei ruft man nicht gern - in der Öffentlichkeit keiner allzu sympathischen Aufnahme; und doch ist er der Erwägung wert, denn schließlich ist Ordnung und Sauberkeit in dem die Stadt durchziehenden Gewässer ebensosehr von nöten, wie im Straßennetz. Die Kostenfrage soll hier vorläufig nicht weiter angeschnitten werden; daß aber sämtliche an der Haseverschutzung beteiligten Faktoren in angemessener Weise zur Finanzierung der Reinigungsmaßnahmen herangezogen werden, erscheint uns als Gebot der Selbstverständlichkeit.


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