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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Seelsorger für die verkaterte Ellis
Zwischenüberschrift:
Tierpfleger Daniel Chirico betreut seit 28 Jahren die Tapire im Zoo
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Ellis kneift müde die Augen zusammen und stöbert mit der Nase durch ihr zweites Frühstück. Bananen? Lieber nicht. Ananas? Auch nicht. Vielleicht ein Zwiebelbaguette? Daniel Chirico tätschelt ihr verständnisvoll die Wange. " Ist wohl wieder spät geworden gestern Nacht, was?", fragt er die runzelige Dame.

Seit 7.30 Uhr steht Daniel Chirico, Tierpfleger des Osnabrücker Zoos, im Südamerikahaus, kontrolliert Käfige, besucht seine ihm anvertrauten Tiere und schnippelt Obst und Gemüse. Jetzt ist es 11 Uhr, und der Tisch in der Küche neben dem Tapirgehege ist reich gedeckt für das zweite Frühstück. Teller mit symmetrisch arrangiertem Obst stehen bereit. Apfel, Birnen, Weintrauben, ein Ei, grüne Bandnudeln, Reis und in der Mitte eine dekorative Ananas. " Füttern ist eben ein bisschen mehr als einfach nur eine Banane in den Käfig werfen. Das Auge isst halt mit", sagt Chirico, lacht und fügt hinzu: " In erster Linie machen wir das aber für das Publikum."

ElIis kaut derweilen genüsslich an ihrem Zwiebelbaguette. Die Tapirdame kann so leicht nichts aus der Ruhe bringen. Auch nicht Wasserschwein Knolle. Der struppige Vierbeiner aus Südamerika ist momentanes WG-Mitglied bei den Tapiren. " Er wurde von seinen Frauen aus dem Käfig geworfen", erzahlt Chirico. Armer Kerl. Doch hier bei den Tapiren fühle er sich auch sehr wohl, sagt der dunkelhaarige Tierpfleger mit Blick auf Knolle, der verschlafen an einem Apfel knabbert und ebenfalls noch einen leichten Kater zu haben scheint.

Bei Lutz hingegen ist die Stimmung schon etwas gespannter. Die Handaufzucht aus Dortmund hängt kopfüber an einem Ast und verschlingt unter leisem Schmatzen seinen Pasta-Teller. " Mit dem muss man vorsichtig sein", warnt Chirico. " Faultiere wie Lutz schlafen zwar fast 20 Stunden am Tag, können aber ziemlich gefährlich werden, wenn sie mit ihren dolchartigen Eckzähnen zubeißen."

Daniel Chirico kann diese Tatsache jedoch nicht erschüttern. Er sei schon seit 28 Jahren Tierpfleger hier im Zoo und kenne seine Tiere, sagt der 43-Jährige, während er geschickt wie ein Oberkellner Feiler durch die Käfige balanciert, Tapirmännchen Ernesto zwischendurch ein aufmunterndes " Hi" zuruft und eine tote Wachtel aus dem Tropenhaus fischt.

" Ist die frisch?", fragt Chirico seinen Umschüler Manuel, der das leblose Tier in der Hand hält, und riecht an der Wachtel. " Das ist schon die dritte an diesem Morgen", sagt der Tierpfleger. Irgendwas stimme da nicht und gehöre untersucht. Denn auch das sei Teil seines Jobs: Tiere zählen und darauf achten, dass alle da sind.

Ellis hängt derweilen immer noch über ihrem Frühstück. Eine Stunde ist inzwischen vergangen, doch die Dame kann sich einfach nicht entscheiden. Jetzt vielleicht ein kleines Äpfelchen? Ach, was soll die Hektik. Lieber noch mal wieder die Wange tätscheln lassen. Tierpfleger Daniel Chirico macht das natürlich gern.

Bildunterschrift:
EINE ECHTE SCHMUSEKATZE: Tapirdame Ellis ist zwar noch etwas verschlafen, aber wenn Daniel Chirico ihr liebevoll das Frühstück serviert, sagt sie natürlich nicht Nein. Foto: Michael Hehmann
Autor:
Dorte Eilers


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