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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Der Bocksturm zu Osnabrück Teil 3
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
Wie die Geschichte den Turm zum erstenmal anführte, nennt sie ihn schon den " Bock" und bezeichnet ihn als ein der Stadt gehöhrendes Gefängnis; wir werden unsern Lesern erzählen, daß er als ein solches um das Jahr 1300 gebraucht worden ist. Ward er auch zu diesem Zweck erbaut? Wir vermögen es nicht zu sagen; nur das Zeugnis dürfen wir ihm geben, daß er ein umgemein festes Gefängnis gewesen sein muß, aus welchen sehr schwer zu entkommenwar. Nehmen wir an, er sei vom Ursprung an ein städtisches Gefängnis gewesen, so begreifen wir leicht die Bedeutung des eingemauerten steinernen Bockes; denn unter einem " Bock" verstand manim Mittelalter ein Strafwerkzeug, bei dessen Anwendung der Rücken des Gefangenen gekrümmt wurde, vielleicht ganz dasselbe, das auch " Stock" hieß. Man nannte so einen langen und dicken Balken, in welchen runde Einschitte für den unteren Theil der Beine gemacht waren; ein anderer Balken wurde darüber gelegt und befestigt, und es war alsdann dem Gefangenen unmöglich, seine Füße frei zu machen. Solche Instrumente sind in dem Turme nicht bloß gewesen, sondern noch heute darin vorhanden, ein Denkmal grauenhafter Zeiten. Vielleicht haben unsere Leser und Leserinnen einmal Shakspeares " König Lear" aufführen sehen, und erinnern sich, wie da im zweiten Akt der treue Kent vor Glosters Schlosse und auf Befehl der entarteten Königstochter Regan in den " Stock" gelegt wird, und gemüthlich einschläft, bis Lear eintrifft, dessen Narr in die Worte ausbricht: " Sieh nur, der trägt ein grausames Hosenband." Die mittelalterliche Redenart " jemand in den Bock spannen", d. h. ins Gefängnis legen, ist durch ganz Deutschland verbreitet.
Reden wir nun von der inneren Einrichtung des Turmes. Wenn man vom Walle her durch die jetzige Eingangsthür tritt; so erblickt man sich gegenüber eine andere Oeffnung, die erst vor wenigen Jahren gebrochen ist, als das jetzt daneben stehende Spritzenhaus gebaut wurde. Aus diesem ziemlich dunklen Raume, in dem sich auch ein Feuerherd mit Rauchfang befindet, steigt man eine schmale steinerne Treppe hinauf zu dem Geschosse, wo der berühmte " Johanneskasten" steht, von starken Werkholz erbauet, 11 Fuß lang, 10 Fuß breit und 8 Fuß hoch, eine schauderhafte Wohnung für einen unfreiwilligen Einsiedler, der an Entrinnen nicht denken durfte. Der Gefangene gelangte in den Kasten von oben durch eine Fallthür, die dann über ihm mit schwerem Riegel zufiel und verschlossen wurde.
Ueber diesem Raume ist nochmals ein Geschoß, das auch viele Gefangene gesehen haben wird, und in welchem man noch die eisernen Ringe in der Mauer und die " grausamen Hosenbänder" erblicken kann. Die Osnabrücker sollten sich um diesen merkwürdigen Turm mehr bekümmern als sie thun; es gibt viele Bürger und Bürgerinnen, die nie einen Fuß hineingesetzt haben. Und doch hängt dieses alte geheimnißvolle Gebäude so eng zusammen mit unserer Geschichte.
Wenn wir nicht irren; so ist Erdwin Erdmanns Chronik die älteste Quelle, die des " Bockes" Erwähnung thun (Plattdeutsche Uebersetzung S. 86), und das führt uns nun zu der Erzählung von dem gefangenen Grafen, der aber (wie schon gesagt) keineswegs ein Tecklenburger war, sondern Graf Simon von der Lippe. Der soll aber ein gar unruhiger Herr gewesen sein, und von seinen festen Burgen aus (Reda und Enger) dem Stift Osnabrück, welchem zu jener Zeit auch Wiedenbrück angehörte, oftmals großen Schaden zugefügt haben, bis in Osnabrück ein Held regierte, der dem gefährlichen Raubritter gewachsen war, nämlich Bischof Ludwig, geborener Graf von Ravensberg, klein und unansehlich von Körper, aber gewaltig an Muth und Kraft, wohl gerüstet mit Panzer und Schwert, und trotz seiner geistlichen Würde vortrefflich geübt in der Handhabung ritterlicher Waffen. Als nun einmal wiederum Graf Simon sich gerührt und den angedroheten geistlichen Strasen Trotz geboten, ja sogar mit großer Frechheit einen bedeutenden Raub im Stifte zusammengerafft hatte, eilte Ludwig mit den Seinigen ihm nach, kam ihm plötzlich über den Hals mit unerwarteten Hieben, schlug ihn und seine Leute nieder, und nahm ihn gefangen mit nach Osnabrück, wo er in den Bocksturm gesperrt wurde. Erdwin Erdmann sagt uns, der Graf habe daselbst sechs Jahre gessen, und Dr, J. E. Stübes Geschichte gibt 1299 bis 1305 als die sechs Jahre an. Allein unsre neueste Geschichte von C. Stüve behauptet unter Berufung auf Lamei, daß Simon von der Lippe noch im J. 1301 unglücklich wider Minden gestritten, und 1302 von Bischof Kudwig und dessen Verbündeten in der Burg Enger belagert worden sei. Danach würde der Anfang seiner Gefangenschaft vielleicht erst in das J. 1303 fallen, und er hätte demnach nur zwei bis höchstens drei Jahr im Verwahrsam gewesen sein können; denn daß er 1305 unter schweren Bedingungen entlassen worden, ist urkundlich (C. Stüve S. 154). Das schon er den oben genanntenKasten bewohnt habe, erzählt Erdmanns Chronik, welche zwar S. 86 nur sagt " sess Jair in Vangenstocke gelegen" was aus einen Fußblock bezogen werden könnte, aber S. 179 ausdrücklich bemerkt, der Kasten sei für Graf Simon von der Lippe gebauet worden, und er habe sechs Jahre darin gesessen. Nur scheint uns Erdmanns Beschreibung von diesem Kasten etwas übertrieben, wenn er sagt: " Dar he keine Macht Hadde, Tho Stainde offte tho gainde, sunder geboget, umb Engicheit willen der Kasten, tho liggen gedwungen." Der Verfasser gegenwärtiger Zeilen ist selbst in den Kasten hinuntergestiegen, und hat sich überzeugt, Daß ein Mann von Fuß Höhe ganz wohl darin stehen und gehen konnte, und keineswegs zu liegen gezwungen war, Freilich müssen wir zugeben, daß Erdmann diese Behauptung nicht auf Graf Simon, sondern auf einen späteren Gefangenen bezieht, den er wahrscheinlich persönlich gekannt hat (er scheint bei dessen Gefangennehmung vielleicht 15 Jahr alt gewesen zu sein), und da müßte man denn annemhen, daß dieser Gefangene eine ganz besondere Körperlänge gehabt habe, was allerdings nicht unmöglich ist.


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