User Online: 1 | Timeout: 02:20Uhr ⟳ | Ihre Anmerkungen | NUSO | Info | Auswahl | Ende | AAA  Mobil →
Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
Datensätze des Ergebnis
Suche: Auswahl zeigen
Treffer:1
Sortierungen:
Anfang der Liste Ende der Liste
1. 
(Korrektur)Anmerkung zu einem Zeitungsartikel per email Dieses Objekt in Ihre Merkliste aufnehmen (Cookies erlauben!)
Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
Ein Relikt des deutschen Rückzugs
Zwischenüberschrift:
Bombenblindgänger von der Glückaufstraße wurde kontrolliert gesprengt
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" 120 Kilo bester englischer Sprengstoff, das hätte sicher gereicht, um die ganze Brücke hochzujagen." Sprengmeister Heiko Riemer hatte es gestern in Eversburg an der Glückaufstraße mit einer Episode aus der Endphase des Zweiten Weltkriegs zu tun. Denn am Nachmittag des Vortages war der Bagger bei den Vorarbeiten für die Verbreiterung des Stichkanals zwar auf englische Fliegerbomben, aber zugleich auch auf ein Relikt deutscher Truppen gestoßen: zwei Blindgänger, die, mit neuem Zünder versehen, die Brücke beim Rückzug vor den anrückenden Alliierten in die Luft jagen sollten. " Wir haben einen Halbdetonierer und eine intakte 500 Pfund-Bombe mit deutscher Sprengladung vorgefunden", so Heiko Riemer weiter, " da hatte allerdings der elektrische Zünder versagt. Diese Sprengladung war nicht mehr zu entschärfen, weil der Sprengstoff mittlerweile auskristallisiert war."
Deshalb ließen Riemer und sein Kollege Thomas Gcsk die intakte Bombe gestern gegen 15 Uhr abtransportieren. Um 16.21 Uhr war es endlich so weit: In der Sandgrube unterhalb vom Piesberg konnte Riemer die 250-Kilo-Bombe kontrolliert sprengen. Ein Blick zurück: In der Endphase des Zweiten Weltkriegs Ostern 1945 ergingen sich die Nazis zwar noch in hohlen Parolen vom vermeintlichen " Endsieg" und mobilisierten den Volkssturm zur Verteidigung der " Festung Osnabrück". Zugleich war jedoch längst klar, dass mit einigen alten Männern und wenigen versprengten Wehrmacht-Einneiten nichts mehr zu bewirken sein würde. Die Parteibonzen und der Oberbürgermeister setzten sich denn auch Richtung Bremen ab - und trafen prompt kurz vor Ostercappeln auf britische Truppen, die die Stadt Osnabrück längst im Norden umgangen hatten.
Gleichwohl wurde am 3. und 4. April 1945 hier und da gekämpft. Und auf dem Rückzug ließen diese Einheiten immer wieder vorbereitete Sprengfallen mit präparierten Fliegerbomben hochgehen: so an der Dütebrücke bei Thies in Gaste oder auch am Stichkanal, wo - militärisch völlig sinnlos, aber für die Zivilbevölkerung in den Folgejahren bis 1947 eine Plage - noch eben die Römereschbrücke in die Luft flog.
Ein ähnliches Schicksal, so hat sich gestern herausgestellt, hat auch der Kanalbrücke an der Glückaufstraße gedroht. Denn die beiden präparierten Fliegerbomben gleich neben dem Widerlager der Straßenbrücke waren dafür vorgesehen, auch an dieser Stelle Straße und Kanal mit einem großen Knall unbrauchbar zu machen.
Doppeltes Glück: Die eine Bombe explodierte nur halb, 50 bis 60 Kilo Sprengstoff blieben zurück. Und bei der anderen versagte offensichtlich die Sprengkapsel.
Etwa 4 000 Einwohner in Pye, Eversburg und im benachbarten Büren mussten für die Bombenentschärfung ihre Häuser verlassen. 83 Personen wurden im Evakuierungszentrum mit einer Linsensuppe verpflegt: darunter auch Kinder aus dem Kindergarten und der Grundschule Pye, die nach Schulschluss mit ihren Eltern hierher kamen.
Neben aller Freude über den glücklichen Ausgang der Aktion - für die wiederum das Technische Hilfswerk, die Freiwillige Feuerwehr und die SEG Rettung sowie zahlreiche Polizeibeamte aufgeboten wurden - gab es auch kritische Worte: " Kein Verständnis" habe er für das Verhalten mancher Anwohner und Schaulustiger, so der Einsatzleiter der Polizei: Der Hubschrauber entdeckte nach der Sprengung schlagartig Menschen im Sperrgebiet, die sich offensichtlich in ihren Häusern verborgen hatten. Und auf dem Haseuferweg wurden Spaziergänger des Feldes verwiesen, die angeblich vom Hubschrauber über ihnen " nichts gehört" haben wollten. " Diese Menschen unterschätzen die Gefahr, in die sie sich leichtfertig begeben."

Bildunterschriften:
EXPLOSIVER JOB: Von Hand mussten Thomas Gesk (links) und Heiko Riemer die nicht detonierte Sprengladung freilegen.
ZUR BRÜCKENSPRENGUNG waren die beiden Fliegerbomben hinter dem Widerlager der mittlerweile abgebauten Straßenbrücke an der Glückauf Straße vorgesehen, wie Sprengmeister Heiko Riemer erläuterte. Fotos: Gert Westdörp
Autor:
fhv


Anfang der Liste Ende der Liste