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Nachhaltigkeit und Umweltbildung in der Stadt Osnabrück (NUSO)
Umweltgeschichtliches Zeitungsarchiv für Osnabrück
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Erscheinungsdatum:
aus Zeitung:
Inhalt:
Überschrift:
"Alle, die mitgeholfen haben, durften da mit rein"
Zwischenüberschrift:
Bunkergeschichten aus Osnabrück:
 
Die Familie Welling hat sich im Zweiten Weltkrieg ihren eigenen Bunker an der Bremer Straße gebaut
Artikel:
Kleinbild
Originaltext:
" Finger weg", ruft Helmut Steinkamp seinen Mitarbeitern Reinhard Wolf und Daniel Schultheiß zu. Ganz ungefährlich ist es nicht, diesen Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg zu öffnen. Mithilfe von Brecheisen entfernen Steinkamp und seine Mitarbeiter eine schwere Steinplatte aus dem Boden. Und dann ist der Eingang zu einem Tunnel zu sehen. Über schmale Treppen, an lehmigen Wänden entlang, geht es in den Bunker hinunter.

Drei Jahrzehnte lang hat wohl niemand diesen Tunnel an der Bremer Straße betreten. Davor waren der Mann und der Sohn von Hildegard Welling noch einmal in den Bunker gestiegen. Inzwischen hat die Familie das Haus verkauft, über den Bunker wissen die heutigen Bewohner des Hauses fast gar nichts. Auch Helmut Steinkamp, der hier derzeit als Hausmeister zuständig ist, muss den Zugang zum Bunker erst suchen. Im Zweiten Weltkrieg haben Hildegard Wellings Schwiegermutter sowie ihr Schwager mit seiner Familie in dem Haus gelebt. Gemeinsam mit ihren Mietern haben sie den Bunker im Zweiten Weltkrieg selbst ausgehoben. Marlies Kreimer, die Nichte von Hildegard Welling, hat als kleines Kind in dem Haus gelebt und musste regelmäßig mit ihren Verwandten Schutz in dem Bunker suchen. " Der Bunker ist 1942 entstanden, als es mit den Bombenangriffen anfing", weiß die 67-Jährige. Mehrere Meter tief im Felsen unter der Erde liegt der Schutzraum, ganz am Ende des Tunnels gibt es einen Brunnen. Der sollte den Schutzsuchenden als Notausgang dienen, falls sie verschüttet worden wären. Und weil es zwei etwas kräftiger gebaute Frauen im Haus gab, habe dieser Ausgang etwas vergrößert werden müssen, so Kreimer. Ihr Vater hatte die Idee, den Bunker zu bauen. " Alle, die mitgeholfen haben, durften mit rein", berichtet Marlies Kreimer. Es seien aber auch Leute aus dem Nachbarhaus bei Fliegeralarm mit runtergekommen. Später gab es dann einen Schutzbunker unter der Bremer Straße, in den seien sie dann gegangen, erzählt Kreimer weiter. Enge herrschte überall. " Wir waren bis zu 23 Personen", erinnert sie sich an die schweren Stunden im Privatbunker. Nicht viel größer als 12 Quadratmeter ist der Raum, in dem sich die Gemeinschaft versammelt hat. Heute ist es gefährlich, diesen Raum zu betreten. " Die Dielen könnten einstürzen", warnt Reinhard Wolf. " Das war hier ein hochgefährliches Gebiet", erzählt sein Chef Helmut Steinkamp, der selbst geborener Schinkelaner ist. Er zeigt auf die Eisenbahnschienen hinter der Bremer Straße. Einige Meter von dem Bunker der Familie Welling entfernt stand ein Lokschuppen, erinnert sich Steinkamp. Den Bunker ihrer Familie hat Marlies Kreimer als " gar nicht so leblos" in Erinnerung. Während sie auf das Ende des Alarms warteten, hätten sich die Schutz Suchenden über alltägliche Neuigkeiten ausgetauscht. Und die Frauen hätten gestrickt. " Ich habe so das Stricken gelernt, mit noch nicht einmal sechs Jahren", sagt Marlies Kreimer.

Bildunterschrift:
BIS ZU 23 PERSONEN suchten hier Schutz bei Fliegeralarm im Zweiten Weltkrieg. Heute betritt Reinhard Wolf diesen Raum nur noch ganz vorsichtig. Foto: Michael Hehmann
Autor:
rei


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